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500 Millionen Emissionszertifikate

Pünktlich zum Jahresbeginn hat das UN-Klimasekretariat die Marke von 500 Millionen Tonnen Kohlendioxid in Form von Emissionsrechten durch den Clean Development Mechanismus geknackt. Umweltorganisationen kritisieren jedoch weiter die Methoden der Vergabe

Von Johanna Treblin

Der Klimamechanismus CDM hat die 500-Millionen-Marke geknackt: Insgesamt hat das UN-Klimasekretariat Emissionsrechte für 501 Millionen Tonnen Kohlendioxid unter dem Clean Development Mechanism ausgestellt. Bei dem Mechanismus des Kyoto-Protokolls investieren Industrieländer in Klima-Projekte in Entwicklungsländern - und erhalten als Gegenleistung Emissionsgutschriften. Die Idee dahinter: Dort schädliche Kohlendioxid-Emissionen einsparen, wo es am günstigsten ist. Während Unternehmen so zusätzliche Emissionsrechte generieren können, wird Entwicklungsländern gleichzeitig der Zugang zu modernen Technologien erleichtert.


Die meisten Emissionszertifikate unter dem CDM werden durch Industriegasprojekte generiert. Hier: Anlage zur Zerstörung von Lachgas in Chile. (Foto: Luis Fredes, Teilnehmer des CDM-Foto-Wettbewerb des UNFCCC)

"2011 beginnt mit einem Meilenstein", kommentierte Clifford Mahlung vom CDM-Exekutivrat. "Im vergangenen Jahr haben wir viel erreicht und den Mechanismus stark verbessert." Mit der Anerkennung von Emissions-Zertifikaten hinkte der Exekutivrat allerdings stark hinterher. Zwischen Anfrage und Ausstellung lagen zuletzt 90 Tage. Im Dezember heuerte das Klimasekretariat dann für zwölf Tage 27 zusätzliche Arbeitskräfte an, die liegen gebliebene Anträge abarbeiteten. Jetzt sollen zwischen Antragstellung und Anerkennung nur noch 30 Tage liegen. Das Klimasekretariat muss sich aber weiter anstrengen: Auf der Klimakonferenz im mexikanischen Cancún forderten die Kyoto-Länder den Exekutivrat auf, die Bearbeitungszeit auf 15 Tage zu drücken.

Ein Großteil der Klima-Projekte bleibt umstritten

Für einen zeitlichen Aufschub sorgte auch die Entscheidung des Klimasekretariats vom August, die Ausstellung von Emissionszertifikaten aus umstrittenen Projekten des Clean Development Mechanism vorerst zu stoppen. Vier Monate lang gab das Sekretariat keine der entsprechenden Zertifikate aus, dadurch waren bereits Anfang Oktober rund 1,5 Millionen Zertifikate in der Schwebe. Der Grund: Etliche Unternehmen produzieren in China und Indien Kältemittel mit dem einzigen Ziel, mit der Entsorgung des anfallenden Nebenprodukts HFC-23 (Fluoroform) Emissionszertifikate und damit bares Geld einstreichen zu können. HFC-23 ist 11.700 mal klimaschädlicher als Kohlendioxid, seine Entsorgung deshalb ein rentables Unterfangen: Pro eingesparter Tonne HFC-23 erhält ein Unternehmen 11.700 Kohlendioxid-Zertifikate. Fast 60 Prozent aller überhaupt im CDM erzeugten Kohlendioxid-Zertifikate stammen aus Fluoroform-Projekten.


Über den CDM wird in ganz unterschiedliche Projekte investiert. Indien erhält darüber beispielsweise Zugang zu Glühbirnen. Es profitiert: Osram, 100-prozentige Tochter von Siemens. (Foto: Boris Bronger, Teilnehmer des CDM-Fotowettbewerb des UNFCCC)

Der CDM-Exekutivrat hat diese Betrugsfälle untersuchen lassen auf seiner Jahresversammlung im Dezember unmittelbar vor der Klimakonferenz in Cancún seine Entscheidung mitgeteilt: Die Methode, nach der Zertifikate für HFC-23-Projekte ausgestellt werden, soll überarbeitet werden. Der sogenannte Methoden-Panel, ein Unter-Gremium des Rats, hat dafür nun drei Jahre Zeit. Bis dahin bleiben die heutigen Regelungen bestehen.

Die Entscheidung sorgte für scharfe Kritik von Umweltorganisationen. Gemeinsam riefen WWF, Greenpeace, CDM Watch und andere in Cancún den Exekutivrat dazu auf, die Emissionszertifikate für HFC-23-Projekte so lange nicht weiter auszustellen, bis die Methode überarbeitet ist. "Die Vergabe der Emissionszertifikate ermuntert dazu, weiterzumachen wie bisher. Der CDM wird dadurch zu einer Farce", sagte Fionnuala Walravens, Mitarbeiterin der Environmental Investigation Agency. Eva Filzmoser, Koordinatorin von CDM Watch, fügte hinzu: "Das UN-Klimasekretariat muss der Industrie zeigen, wer das Sagen hat."

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