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China und Afrika für 100 Milliarden Dollar

Das Handelsvolumen zwischen der kommunistischen Regierung und dem ärmsten Kontinent steigt 2010 um 43,5 Prozent. Erstes Weißbuch zu den Beziehungen veröffentlicht.

Von Martin Reeh und Nick Reimer

Die chinesische Regierung hat am Donnerstag ihr erstes Weißbuch zum Handel mit Afrika veröffentlicht. Demnach stieg das Handelvolumen in den ersten elf Monaten des Jahres 2010 auf über 100 Milliarden Dollar - umgerechnet rund 86 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vergleichszeitraum 2009 explodierte damit die Wirtschaftsbeziehung zwischen China und Afrika um 43,5 Prozent. In den 1950er Jahren betrug das chinesisch-afrikanische Handelsvolumen gerade einmal zehn Millionen US-Dollar.

Noch 2003 lag das Volumen der Handelsbeziehungen zwischen Afrika und China bei 374 Millionen Euro. Zum Vergleich: Das Handelsvolumen der EU und Afrika lag 2007 bei 215 Milliarden Euro.

China liefert dem ärmsten Kontinent vor allem Motorräder, Maschinen, Autos Stahl, Textilien und Schuhe auf den Kontinent. Von dort kommen hauptsächlich Rohstoffe in die Volksrepublik: vor allem Öl aus Sudan, Angola, Nigeria und Äquatorial-Guinea.

Vor allem dieses "Mehr vom Selben" lässt Afrika bisher profitiert. Die wachsende Nachfrage aus Asien sorgt für höhere Preise fast aller afrikanischen Rohstoffe. Das wiederum macht es etwa für chinesischen Unternehmen interessant, in die afrikanische Rohstoff-Branche zu investieren.


Banner beim Forum on China-Africa Cooperation 2006 in Peking. (Foto: Stephen Walli)

Besonders die Öl exportierenden Länder Afrikas erzielten zuletzt historisch hohe Wachstumsraten. Zusammen mit den offiziellen Schuldenerlassen der letzten Jahre hat sich damit die externe Position Afriokas deutlich verbessert: Die Auslandsverschuldung, 2000 noch bei 64 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, sank bis 2007 unter 25 Prozent.

In dem Weißbuch verspricht die Regierung, den Handel auf der "Basis der Prinzipien von Gleichheit, gegenseitigem Nutzen und gemeinsamer Entwicklung" voranzutreiben. In der Praxis steht das chinesische Engagement aber immer wieder in der Kritik, weil etwa die Dorfgemeinschaften kaum etwas von dem Handel haben oder China bei den Handelsbeziehungen keine Rücksicht auf Menschenrechte nimmt.

Zudem kritisieren Menschenrechtler, dass Peking auch enge Wirtschaftskontakte zu umstrittenen Regierungen wie in Simbabwe und Sudan hält. Allerdings konstatierte die Weltbank, dass Chinas Engagement dem Kontinent zu einem enormen Schub in der Infrastruktur verholfen habe. Und dies wiederum ist wichtig für die Armuts-Bekämpfung.


Schöne, verheißungsvolle Glitzerwelt: Plötzlich gilt China - hier die Provinzstadt Kunming - viele Afrikanern als Vorbild. (Foto: Reimer)

Natürlich gibt es auch eine Schattenseite der Beziehungen: Chinas Industrie liefert zunehmend auch arbeitsintensive Produkte, die Afrikas ohnehin schwache Industrie Konnkurrenz macht. Unter den wachsenden Importen von Textilien "Made in China" haben etwa Bekleidungsfirmen Lesotho, Kenia und Uganda hart zu kämpfen.

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