Holz, Fisch, Luft - ab heute ausverkauft
An diesem Samstag ist "World Overshoot Day". Holz, Fisch, Frischluft, Wasser, Getreide: Alle erneuerbaren Rohstoffe, die ein intakter, sich selbst erneuernder Planet in diesem Jahr zur Verfügung stellen kann, sind bereits verwendet. Ab jetzt leidet die Erde unter der ökologischen Übernutzung. Mittlerweile sind 1,5 Planeten notwendig, um die Gier der Menschheit zu befriedigen.
Von Nick Reimer
Am heutigen Samstag wird die Menschheit alle natürlichen und regenerierbaren Ressourcen verbraucht haben, die uns die Erde in diesem Jahr zur Verfügung stellen kann. Das bedeutet: Ab sofort ist der Planet ökologisch im roten Bereich. Nach Berechnungen des Global Footprint Network bräuchte die Menschheit derzeit 1,5 Erden, um den Planeten nicht zu überlasten.

Licht aus! Der Strom, den diese Straßenlaterne antreiben könnte kommt schon aus dem nächsten Jahr. (Fotos: Reimer, Promo)
Den ersten "World Overshoot Day", den "Tag der ökologischen Überschuldung", erlebte die Menschheit 1987 am 19. Dezember, wie nachträglich berechnet wurde. An jenem Tag war alles verbraucht, was eine sich selbst erhaltende Natur binnen zwölf Monaten liefern kann: Wasser, Brennmaterial, Bauholz, Getreide, Fische oder Platz, um Müll zu entsorgen – auch die aus Schornsteinen und Auspuffen in die Atmosphäre geblasenen Treibhausgase. 1995 fiel der Tag schon auf den 21. November, 2006 auf den 9. Oktober.
Dank der schwachen Weltwirtschaft bremste sich 2009 die fortschreitende ökologische Überschuldung ein bisschen ab. "World Overshoot Day" war am 25. September. Wie gut sich die Wirtschaft erholt hat, kann man auch daran erkennen, dass der "World Overshoot Day" 2010 bereits über ein Monat früher registriert wird.
Nach einigen Forschungseinrichtungen und der Bundesbank hat nun auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) seine Prognose für das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr deutlich angehoben. Der Verband erwarte nun ein Wirtschaftswachstum von 3,4 Prozent statt bisher 2,3 Prozent. In konservativen Medien wie dem "Spiegel" liest sich das so: "Sogar der Konsum ziehe wegen der erfreulichen Arbeitsmarktentwicklung langsam wieder an."
Konkret aber bedeutet das, dass im nächsten Jahr der "World Overshoot Day" schon vor dem 21. August liegen wird. "Klimawandel, Artensterben, Wassermangel sowie der Kollaps der Fischbestände sind klare Anzeichen dafür, dass der Planet unter der menschlichen Übernutzung leidet", urteilt Christoph Heinrich, Geschäftsleiter Naturschutz des WWF Deutschland.
Den größten Anteil an der ökologischen Überschuldung hat den Berechnungen zufolge der weltweite Kohlendioxid-Ausstoß durch die Abholzung von Urwäldern und den Verkehr. Dazu kommen neue Umweltkrisen, ausgelöst etwa durch den kanadischen Teersandabbau, der riesige Mengen Treibhausgase freisetzt.

Jahr für Jahr auf Pump: Der Film "the age of stupid" definierte das künstlerisch bis zum Ende.
Das Global Footprint Network wurde 2003 mit dem Ziel gegründet, eine nachhaltige Welt zu schaffen, in der allen Menschen binnen den ökologischen Grenzen des Planeten ein erfülltes Lebens offensteht. Die Berechnungsmethode für den Verbrauch entwickelte ein Wissenschaftsgremium aus Oakland, Kalifornien. Dabei wird der Menschheitsbedarf an Acker- und Weideland, Wäldern und Fisch sowie der Platzbedarf für Infrastruktur ermittelt. Dieser wird dann der weltweiten biologischen Kapazität gegenübergestellt.
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