Solarbranche: Exzellente Quartalszahlen
Halbjahreszahlen sind immer ein Gradmesser dafür, wie es um eine Branche steht. Am heutigen Mittwoch stellten eine Reihe von Solarfirmen blendende Ergebnisse vor - und trotzdem reagieren Börse und Analysten ablehnend.
"Ertragstärkstes Quartal seit Unternehmensgründung" - unter dieser Überschrift stellte am Mittwoch die Phoenix Solar AG ihre Geschäftszahlen vor. Das im TecDax notierte Unternehmen vermeldete mit 283,6 Millionen Euro einen Quartalsumsatz, der 145,1 Prozent über dem des zweiten Quartals 2009 lag. Auch der operative Gewinn bescherte mit 22,3 Millionen Euro einen neuen Rekord. Trotzdem rutschte die Aktie in den Keller: mit 5,1 Prozent verbuchten Phoenix-Papiere die größten Abschläge des Tages.

2010 sind schon über 3,9 Gigawatt solare Kraftwerksleistung installiert worden. (Foto: ISE Fraunhofer)
"Viele Investoren machen sich Sorgen über die Zukunft ", begründete das ein Börsianer. Analysten wiesen zudem darauf hin, dass ein Nachfragerückgang wegen der Senkung der solaren Einspeisetarife zu befürchten sei. Die Bundesregierung hatte beschlossen, die Tarife zum 1. Juli um 13 Prozent zu verringern und Anfang Oktober noch einmal um drei Prozent.
Das ist derzeit Normalität auf dem Solarmarkt: Die aleo solar AG vermeldete am Mittwoch ein Umsatzplus von 134,5 Prozent im ersten Halbjahr 2010 und 29,3 Millionen Euro Gewinn. Und trotzdem gab der Aktienkurs nach. Auch der Hamburger Photovoltaikspezialist COLEXON stellte am Mittwoch Halbjahreszahlen vor, und auch die sind bestens: Umsatzsteigerung um 82 Prozent auf 109,2 Millionen Euro, Gewinnsteigerung auf 8,6 Millionen Euro. Der Aktienkurs: lustlos.
Lage exzellent - Aktienkurs mies
"Momentane Lage: exzellent. Geschäftserwartung: mies", beschreibt das Bonner Marktforschungszentrum EuBP Research die aktuelle Lage. Das drückt sich auch im "Geschäftsklimaindex Photovoltaik" so aus: Die "Geschäftslage" wurde von den Unternehmen im Juli mit 117 Punkten als überdurchschnittlich gut eingestuft – die Geschäftserwartung brachte es lediglich auf 67 Punkte, so wenig wie seit Jahren nicht mehr.

Die meisten Hersteller haben ihre Anlagen zum 1. Juli um 10 Prozent verbilligt. (Foto: Bernd Müller/BMU)
Aber vielleicht ist die Perspektive gar nicht so mies. Nachdem die Bundesregierung die Einspeisetarife zum 1. Juli gekürzt hatte, glaubte die Firma Ucatech den seit Monaten andauernden Run auf Solartechnologie am Ende. Ein Solarinstallateur der Firma aus Teltow wollte nun in den Urlaub fahren. Doch daraus wird nun nichts: "Urlaub wird es auch im zweiten Halbjahr nicht geben". Die Auftragsbücher seien einfach zu voll.
Die allermeisten Anbieter von Solaranlagen sind mit ihren Preisen seit Jahresanfang um zehn Prozent nach unten gegangen, aleo Solar sogar um zwölf Prozent. Leidtragende sind auch die Installateure, denn wenn Anlagen 13 Prozent weniger Einspeise-Vergütung bekommen, wollen die Kunden natürlich die Anlagen auch zu 13 Prozent geringeren Kosten. Zu gut deutsch: Verbilligen die Anlagenbauer ihre Module um zehn Prozent, müssen drei Prozent von den Installateuren getragen werden.
Geringere Gewinne auch für Installateure
Klar ist immerhin, die Gewinnmargen für Produzenten und Installateure sind geringer geworden. Das belegen auch die Zahlen, die Branchenprimus Solarworld am Mittwoch vorlegte. Zwar steigerte das Unternehmen von Frank Asbeck den Umsatz um 50,8 Prozent auf 608,4 Millionen Euro. Trotz dieses kräftigen Umsatzplusses ging aber der Gewinn zurück: im ersten Halbjahr 2010 betrug er 81,2 Millionen Euro – 2,1 Million weniger als noch 2009.
Den weiteren Angaben zufolge werde man Anfang September am US-Standort in Hillsboro/Oregon die Maschinen für die neue Modulfertigung hochfahren, geplant sei eine Jahresendkapazität von 350 Megawatt. Die Zellproduktion wurde bereits im ersten Halbjahr um rund 35 Prozent gesteigert und wird die Vollauslastung im ersten Quartal 2011 erreichen, hieß es. Auch die Kapazitäten am deutschen Standort in Freiberg/Sachsen werden gesteigert. Die neue 250 Megawatt-Waferfertigung wurde bereits Ende Mai eingeweiht, die Kapazität kann allein in Freiberg auf insgesamt ein Gigawatt gesteigert werden. Anfang Juli wurde der Grundstein für die neue Modulfertigung, Solar Factory III, gelegt. Damit erweitert der Konzern seine Modulkapazitäten auf 550 MW.

Solaranlagen auf Ackerflächen fallen nach der neuen Gesetzesregelung nun ganz aus der Einspeisevergütung raus. (Foto: Bernd Müller/BMU)
"Wie schon im ersten Quartal haben wir von einer Sonderkonjunktur profitiert", begründet York zu Putlitz, Vorstandschef von aleo solar, die guten Geschäftszahlen. Die Senkung der Einspeisetarife im Erneuerbaren Energien Gesetz habe zu Vorzieheffekten von Investitionsentscheidungen geführt. Nachdem im vergangenen Jahr insgesamt 3,8 Gigawatt Photovoltaik-Leistung in Deutschland installiert worden waren, gehen die Experten davon aus, dass diese Marke bereits jetzt im Jahr 2010 überschritten ist. Ein wahrer Solarboom: 2008 waren in Deutschland noch 1,93 Gigawatt Leistung installiert worden.
Wie es nun weiter geht auf dem deutschen Solarmarkt? Was für den Solarinstallateur aus Teltow schon Gewissheit ist, formuliert zu Pulitz noch verhalten: Konkrete Ziele für das Jahr 2011 sollen erst im weiteren Verlauf des Jahres 2010 gesetzt werden, um der Entwicklung der Rahmenbedingungen Rechnung tragen zu können.
Aber vielleicht kann der Teltower Installateur ja zu Putlitz besänftigen: Er bezieht und verbaut Aleo-Module.
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