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Großbanken untergraben Paris-Vertrag

Es reicht nicht, wenn Banken und Investoren die direkte Finanzierung von Kohlekraftwerken beenden. Sie müssen auch aufhören sich an Unternehmen zu beteiligen, die solche Projekte entwickeln. Neue Studien zeigen, welche Milliardensummen hier noch immer fließen, vor allem aus China.

Von Eva Mahnke

Einen kleinen, aber entscheidenden Schritt hat die Deutsche Bank für den Klimaschutz bereits getan: Anfang des Jahres kündigte sie an, künftig keine neuen Kohlekraftwerke oder Kohlegruben mehr direkt zu fördern – zumindest soll ein Anfang dafür gemacht werden. Das ist gut, aber es reicht nicht, sagen Umweltschützer. Die Kraftwerksentwickler – Unternehmen, die Kohlekraftwerke planen und bauen – unterstützt die Deutsche Bank nämlich nach wie vor in großem Umfang.

BildOhne Finanzierung keine neuen Kohlekraftwerke. Noch aber fließt das Geld, gegen alle Logik. (Foto: Frankie Leon/​Flickr)

Zum Beispiel NTPC. Dem indischen Konzern hat die Deutsche Bank zwischen 2014 und 2017 per Beteiligung insgesamt 584 Millionen US-Dollar für seine schmutzigen Geschäfte mit der Kohle verschafft. TNPC ist mit 44.000 Megawatt installierter Leistung nicht nur der siebtgrößte Kohlekonzern der Welt. Vor allem ist der Konzern mit Plänen für 38.000 neue Kohle-Megawatt in Indien und Bangladesch der weltgrößte Kraftwerksentwickler. Jedes neue Kraftwerk, das noch gebaut wird, schreibt die Abhängigkeit Indiens von der Kohle weiter fest.

Die finanzielle Verknüpfung von NTPC und Deutscher Bank ist nur ein Beispiel, das zeigt, dass auch zwei Jahre nach Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens weiter große Geldsummen in den Bau von Kohlekraftwerken fließen – indirekt, über die Beteiligung an Kraftwerksentwicklern und die Kreditvergabe. Das zeigen Recherchen von Experten, die sich näher angesehen haben, wie Großbanken und Investoren die 120 wichtigsten Entwickler von Kohlekraftwerken gefördert haben.

630 Milliarden für die Kohle

Zwischen Januar 2014 und September 2017 haben sie dafür 630 Milliarden US-Dollar gezahlt. Ungefähr die Hälfte davon, so die Schätzungen, wurde erst nach Unterzeichnung des Paris-Abkommens zur Verfügung gestellt. Ans Licht gebracht haben diese Zahlen die Berichte "Banks vs. the Paris Agreement" und "Investors vs. the Paris Agreement", die heute von den Organisationen Banktrack (Niederlande), Urgewald (Deutschland), Les Amis de la Terre (Frankreich), Recommon (Italien) und Rainforest Action Network (USA) veröffentlicht wurden.

"Während Klimaforscher warnen, dass wir den Ausstieg aus bestehenden Kohlekraftwerken beschleunigen müssen, geben Banken und Investoren immer noch Milliardenbeträge an Unternehmen weiter, die neue Kohlekraftwerke planen", sagte Heffa Schücking von der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Urgewald.

Die 120 Entwickler von Kohlekraftwerken, die in den beiden Studien unter die Lupe genommen werden, verantworten den Bau von zwei Dritteln aller weltweit geplanten Kohlekraftwerke – insgesamt 550.000 Megawatt. Das entspricht dem Kraftwerkspark von Deutschland, Indien und den USA zusammen.

Etwa 1.600 neue Kohlekraftwerkseinheiten sind zurzeit in Planung, die meisten in Entwicklungsländern. Sollten sie gebaut werden, würde das die Kohlekraftwerkskapazität auf der Welt um mehr als 40 Prozent erhöhen. Erst im Oktober hatte das Umweltprogramm der Vereinten Nationen Unep angemahnt, keine neuen Kohlekraftwerke mehr zu bauen und bestehende schneller abzuschalten.

Anleihen und Aktien aus China 

Die 630 Milliarden Dollar, die diese 120 Unternehmen erhielten, stammen zu rund zwei Dritteln von chinesischen und japanischen Banken. Geflossen ist das Geld in Form von Form von Krediten, Anleihen- und Aktien-Emissionen. Dabei liegen chinesische Banken vor allem in der Vergabe von Anleihen und Aktien zur Finanzierung von Kohlekraftwerken ganz vorn. 17 der 20 größten Banken in diesem Bereich stammen aus China. Mehr als 33 Milliarden Dollar sind aus China so in die Kohle geflossen.

BildDiese 20 Banken (Grafik vergrößern) investieren am meisten in Kohlekraftwerksentwickler. 17 davon sind chinesische Banken. Orange markiert sind Kredite, der große Rest sind Beteiligungen an den Unternehmen, die Kohlekraftwerke entwickeln. (Grafiken: BankTrack)

"China hat bereits wichtige Schritte unternommen, um seinen heimischen Kohleverbrauch zu reduzieren", sagte Yann Louvel, Klima- und Energiekoordinator bei der Organisation Banktrack. Nun müsse das Land auch bei den Geldern für die chinesische Kohleexpansion in Übersee eingreifen. "Wenn es China ernst ist mit dem Führungsanspruch beim Klimaschutz, muss es die riesigen Finanzströme seiner Banken für Entwickler von Kohlekraftwerken stoppen." Viel Geld in neue Kohlekraftwerke fließt etwa entlang der "Neuen Seidenstraße".

Dagegen sind es vor allem japanische Banken, die Kohlekraftwerksentwicklern viel Geld durch die Vergabe von Krediten zur Verfügung gestellt haben. Allein die beiden Banken Mizuho Financial und Mitsubishi UFJ Financial machten Kraftwerksbauten mit fast 22 Milliarden US-Dollar möglich.

Kredite von westlichen Banken

Auch westliche Banken machen keine gute Figur. Zwar haben neben der Deutschen Bank auch einige andere die direkte Finanzierung von Kohlekraftwerksprojekten eingeschränkt, finanzieren aber nach wie vor in großem Umfang die Entwickler dieser Projekte. Fast die Hälfte der 20 größten Kreditgeber für Kohlekraftwerksentwickler sind westliche Banken. Darunter ist auch die Deutsche Bank, die damit an der Kohle noch immer verdient.

Bild2016, im Jahr nach Unterzeichnung des Paris-Abkommens, haben neun westliche Großbanken ihre Finanzierung für die wichtigsten Kohlekraftwerks-Entwickler sogar erhöht (siehe Grafik links). Umweltverbände aus aller Welt fordern nun von Großbanken und Investoren wie Pensionsfonds, Versicherern, Investmentfonds, Staatsfonds und Vermögensverwaltern, bis zum nächsten Klimagipfel in einem knappen Jahr im polnischen Katowice die 120 größten Kohlekraftwerksentwickler aus ihrem Portfolio zu verbannen.

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