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Versicherer steigen aus der Kohle aus

Nach Axa fahren weitere Konzerne ihre Engagement in die Branche herunter. Allianz und Co fallen zurück. Das zeigt eine internationale Bewertung von 25 großen Versicherern.

Aus Frankfurt am Main Joachim Wille

Die Divestment-Bewegung zum Ausstieg aus der Kohlefinanzierung nimmt weiter Fahrt auf. Führende Versicherungskonzerne haben weltweit rund 20 Milliarden US-Dollar aus Anlagen in Kohlekonzerne sowie Energieversorger abgezogen, die einen Großteil des Stroms in Kohlekraftwerken produzieren.

BildDer größte Vermögensverwalter Blackrock hat die Kohle als tot bezeichnet – das ist aber noch nicht bei allen Versicherern angekommen. (Foto: Steve Buissinne/​Pixabay)

Die Mehrzahl der Versicherer ist allerdings noch nicht auf diesem Kurs. Das zeigt eine aktuelle Analyse, die von mehreren Umweltorganisationen erarbeitet und am gestrigen Mittwoch veröffentlicht wurde.

Der Bericht "Insuring Coal No More" (Keine Kohle-Versicherungen mehr) bewertet 25 der weltgrößten Versicherer nach ihren Aktivitäten zum Klimaschutz, vor allem bezüglich ihrer Kohleinvestitionen und der Versicherungen, mit denen sie die Arbeit der Kohlebranche ermöglichen.

Basis für die Analyse sind Schreiben an die Versicherer, in denen die aktuellen Pläne für den Sektor abgefragt wurden. Das internationale Zivilgesellschafts-Bündnis "Unfriend Coal", zu der auch die deutsche Umweltorganisation Urgewald gehört, hat die Antworten sowie öffentliche Informationen ausgewertet. Daraus entstand ein Wertungsbogen, genannt "Scorecard".

Die Scorecard zeigt, dass 15 der führenden Versicherer teils weitreichende Entscheidungen zum Ausstieg aus den Kohle-Investitionen getroffen haben. Dazu gehören Allianz, Axa, Münchener Rück und Schweizer Rück. Eine steigende Zahl von Unternehmen der Branche geht noch weiter und bietet für viele Kohlekonzerne auch keine Versicherung mehr an.

Vorreiter war hier der französische Versicherer Axa, der dies im April 2017 bekanntgab, gefolgt vom ebenfalls französischen Unternehmen Scor und zuletzt, in dieser Woche, der Zürich Versicherung aus der Schweiz. Auch die Schweizer Rückversicherung will dem Beispiel folgen, wie sie "Unfriend Coal" mitteilte.

Deutsche Versicherer nicht mehr Klimavorreiter

Urgewald-Energieexpertin Regine Richter kommentierte: "Teile der Versicherungsindustrie überdenken nun endlich ihren Umgang mit Kohle, selbst in ihrem Kerngeschäft. Das ist eine gute Nachricht für das Klima." Die deutschen Versicherer drohten hier allerdings den Anschluss zu verpassen. So habe die Allianz zwar ein umfassendes Kohle-Divestment bei ihren Eigenanlagen beschlossen, sie halte aber an Kohle-Investitionen im Auftrag von Drittkunden fest – anders als Axa und Zürich. Auch Versicherungen für Kohleunternehmen wolle sie weiter anbieten. Richter: "Damit fällt Allianz in Klimafragen hinter ihre Wettbewerber zurück."

Von der Münchener Rückversicherung (Munich Re) ist bekannt, dass sie Investitionen in besonders kohlelastige Unternehmen abgestoßen hat, sie gibt aber grundsätzlich keine Informationen zu ihren internen Richtlinien. Die Hannover Rück, die ebenfalls für die Bewertung angeschrieben wurde, hat nicht geantwortet. 

BildEigentlich nicht mehr versicherbar: Energiewirtschaftliche Projekte mit Kohle, hier im Tagebau Garzweiler II südlich von Mönchengladbach. (Foto: Bert Kaufmann/​Wikimedia Commons)

"Kohle muss unversicherbar werden", sagte der Koordinator der "Unfriend-Coal"-Kampagne, Peter Bosshard. Die Versicherungskonzerne befänden sich hier in einer Schlüsselstellung. "Wenn Versicherer aufhören die zahllosen Risiken von Kohleprojekten abzusichern, können diese nicht mehr gebaut und betrieben werden und wir haben eine bessere Chance, die Klimaziele des Paris-Abkommens zu erreichen."

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