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Banken kümmern sich nicht um Paris

Eine Analyse von 37 der weltgrößten Bankhäuser zeigt: Im Jahr eins nach dem Pariser Klimaabkommen machen die Finanzhäuser ihre Geschäfte weiter im großen Stil mit den klimaschädlichsten Energieträgern.

Von Eva Mahnke

87 Milliarden US-Dollar: So viel Geld haben 37 der weltgrößten Banken im vergangenen Jahr in die Förderung von Teersanden, Arktis-Öl und Tiefseevorkommen, in Kohleminen, Kohlekraftwerke und Flüssiggas-Infrastruktur gesteckt, kurz: in die klimaschädlichsten Energieträger überhaupt.

BildDie Zahlen, die der Bericht zusammengetragen hat, sind ein wichtiger Indikator dafür, ob das Paris-Abkommen wirkt oder nicht. (Foto: Tax Credits/Flickr)

Das geht aus dem Bericht "Fossil Fuel Finance Report Card 2017" hervor, den die Nichtregierungsorganisationen Sierra Club, Oilchange, Banktrack und Rainforest Action Network seit 2009 jährlich herausgeben. In diesem Jahr ist der Bericht besonders interessant, weil er Zahlen für das Jahr eins nach Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens liefert.

Die Zahlen machen deutlich: Die Hauptfinanziers des Klimawandels haben die Botschaft von Paris viel zu wenig berücksichtigt oder gar komplett ignoriert. Zwar lagen die Investitionen der 37 untersuchten Finanzhäuser mit 111 Milliarden US-Dollar im Paris-Jahr 2015 deutlich höher als im Folgejahr des Abkommens. Nimmt man aber das Jahr 2014 als Referenz, kann von einer deutlichen Abkehr von den klimaschädlichen Investitionen keine Rede sein: In diesem Jahr flossen 92 Milliarden US-Dollar in das Geschäft mit der Erderwärmung.

Zwölf Banken haben sogar noch draufgelegt

Zwölf der 37 Banken haben ihre fossilen Investitionen nach Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens sogar noch erhöht, darunter die US-Banken Bank of America, Citigroup und JP Morgan Chase sowie die europäischen Banken Santander und Unicredit. Die spanische Banco Santander hat ihre Investitionen im Paris-Folgejahr sogar mehr als verdoppelt.

Fatal an diesen gewaltigen Finanzsummen ist: Schon die Verbrennung des Kohlenstoffs, der in den schon vor dem Paris-Abkommen erschlossenen Kohleminen, Öl- und Gasfeldern lagert, würde das Zwei-Grad-Limit sprengen. Und selbst wenn von heute auf morgen keine Kohle mehr verbrannt würde, würden Öl und Gas aus diesen Lagerstätten ausreichen, das 1,5-Grad-Limit zu überschreiten. Obwohl diese Zahlen längst bekannt sind, haben nur ganz wenige Banken ihre Geldströme nennenswert reduziert.

Interessant ist, welche Banken das schmutzige Ranking anführen. Auf den Plätzen eins, zwei, vier und sechs liegen chinesische Banken: die Bank of China, die China Construction Bank, die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) und die Agricultural Bank of China. Zusammen haben sie von 2014 bis 2016 fast 78 Milliarden US-Dollar in Geschäfte mit den klimaschädlichsten fossilen Rohstoffen gesteckt – allen voran in Kohleinfrastruktur.

Das wirft einen dunklen Schatten auf das neue Image als Klimaschutzvorreiter, in dem sich China als Nummer eins beim Ausbau der erneuerbaren Energien im eigenen Land gern sonnt. Die Zahlen passen auch zu jüngsten Analysen, wonach China im Rahmen der "Belt and Road Initiative", auch "Neue Seidenstraße" genannt, massiv auf den Ausbau von Kohleinfrastruktur jenseits der eigenen Landesgrenzen setzt.

BildDas Ranking des "Fossil Fuel Finance Report Card 2017" (Grafik vergrößern) sortiert die Banken nach ihren Investitionen in fossile Energieträger. (Grafik: "Fossil Fuel Finance Report Card 2017")

Interessant ist auch, dass europäische Banken in der Finanzierung der Rohstoffausbeutung in der Arktis ganz vorne liegen. Die Deutsche Bank, Platz eins in diesem Ranking, finanzierte die Gewinnung von Öl in dem überaus sensiblen Ökosystem von 2014 bis 2016 mit 832 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig lehnt es die deutsche Bundesregierung ab, Initiativen zum Arktis-Schutz zu ergreifen.

Auf den Plätzen beim Arktis-Ranking folgen die französische BNP Paribas mit 785 Millionen und die britische Bank Barclays mit knapp 600 Millionen US-Dollar. Zum Vergleich: Insgesamt steckten die 37 in dem Bericht untersuchten Finanzhäuser rund neun Milliarden Dollar in die Ausbeutung des Arktis-Öls.

Auch bei der Erschließung von Ölvorkommen in der Tiefsee mischen europäische Bankhäuser im oberen Drittel mit. Rang fünf erreicht hier die Deutsche Bank. Im Gesamtranking der Geschäfte mit den klimaschädlichsten Energieträgern kommt die Deutsche Bank als einzige Bank aus Deutschland auf Platz elf.

"Schulter an Schulter mit Trump"

Es tut sich aber auch etwas – zumindest ein wenig: So haben sich 14 internationale Banken Regeln gegeben, die die direkte Finanzierung neuer Kohleminen untersagen oder einschränken. Darunter ist auch die Deutsche Bank. In den kommenden drei Jahren will das Geldhaus seine direkten Kredite für Kohle um 20 Prozent senken. Damit bleibt aber ein großes Schlupfloch offen, denn die meisten Kohlegruben und Kohlekraftwerke werden indirekt über Firmenkredite und -anleihen finanziert.

"Die Zeit reicht einfach nicht aus, um sich noch länger herauszureden, sich um marginale politische Entscheidungen herumzustreiten und noch weiter ungeheuerliche Summen in extreme Infrastrukturprojekte zu stecken, wie etwa Pipelines, die Teersande transportieren", sagte Yann Louvel, der bei der Kontrollorganisation Banktrack für Klima- und Energiefragen zuständig ist.

"Wenn wir uns mit Bankmanagern treffen, hören wir sie sagen, dass sie Trumps Klimapolitik ablehnen und sich für saubere Energien aussprechen", sagte Louvel. Allerdings zeige ihr Engagement für extrem klimaschädliche Rohstoffe, dass sie in Wirklichkeit Schulter an Schulter mit Trump stünden.

BildSensibles Ökosystem Arktis: Die Deutsche Bank ist einer der Hauptinvestoren, um die fossilen Rohstoffe zu erschließen, die hier lagern. (Foto: NOAA)

Wie gewaltig die Summe von 87 Milliarden US-Dollar ist, die die 37 untersuchten Banken 2016 in die klimaschädlichsten Energieträger investiert haben, zeigt der Vergleich mit einer anderen Zahl: 100 Milliarden US-Dollar – so viel Geld wollen die Industriestaaten spätestens ab 2020 jährlich mobilisieren, um die ärmeren Staaten beim Klimaschutz und bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen. Seit Jahren wird heftig darüber gestritten, ob die Gelder zusammenkommen werden und welchen Anteil öffentliche und welchen private Investoren übernehmen sollen.

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