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EEG-Umlage steigt auf 6,88 Cent

Die Umlage, über die die Stromkunden die Energiewende bezahlen, steigt zum Jahreswechsel erneut an. Das liegt allerdings nicht daran, dass die erneuerbaren Energien teurer geworden wären, sondern am niedrigen Börsenstrompreis. Die Stromrechnungen müssen also nicht teurer ausfallen. Die Industrie beklagt dennoch Mehrkosten.

Von Susanne Schwarz

Die EEG-Umlage steigt zum Jahreswechsel auf 6,88 Cent pro Kilowattstunde. Das haben die vier Übertragungsnetzbetreiber am Freitag bekannt gegeben. Zurzeit zahlen die Stromverbraucher 6,35 Cent, die Umlage steigt also um rund acht Prozent.

BildUlrich Grillo, Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, beschwert sich über den Anstieg der EEG-Umlage und teilt nebenbei gegen den Klimaschutz aus. (Foto: Stephan Brendgen)

Mit der Umlage finanzieren Stromkunden nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz die Energiewende. "Der starke Anstieg der Kosten für erneuerbare Energien ist ein Alarmsignal", warnte Ulrich Grillo, Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. "Energiekosten werden für die Industrie zu einem echten Standortproblem." 

Was Grillo nicht sagt: Viele Industriebetriebe profitieren seit Jahren von den starken Rabatten auf die Umlage, die der Rest der Stromverbraucher – sprich Privathaushalte und kleineres Gewerbe – bezahlt. Um Milliardenbeträge geht es jedes Jahr bei der "besonderen Ausgleichsregelung", wie das Ganze amtlich heißt. Für dieses Jahr hat das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) über 2.100 entsprechende Gesuche genehmigt. Um von der Regelung zu profitieren, müssen Unternehmen einen besonders hohen Stromverbrauch aufweisen und im internationalen Wettbewerb stehen.

Industrierabatte führen zu Stromverschwendung

So soll verhindert werden, dass Unternehmen wegen hoher Stromkosten abwandern. Der Bundesverband Erneuerbare Energie schlug kürzlich zum wiederholten Male vor, die Privilegien für die Industrie über den Bundeshaushalt zu finanzieren und nicht länger über die Stromrechnung aller anderen Kunden. Das würde zwar die kleinen Stromverbraucher entlasten, aber einen der wichtigsten Kritikpunkte am Prinzip der Rabatte ignorieren: Oft wird bemängelt, dass die Ausnahmen das Stromsparen unattraktiv machen. Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz mahnt, die Rabatte führten zu einem massiven Investitionsstau bei Energieeffizienz-Maßnahmen "und teilweise sogar zu absichtlicher Stromverschwendung".

Die Bundesregierung hat eine jahrelange Auseinandersetzung mit der EU-Kommission hinter sich, deren Wettbewerbshüter in den Vergünstigungen einen unzulässigen Vorteil für die deutsche Industrie sahen. Der Streit wurde im Sommer beendet – die Debatte zu den Strompreisrabatten geht weiter. Eva Bulling-Schröter, klimapolitische Sprecherin der Linksfraktion, will das ändern. "Nicht der Ausbau der Erneuerbaren ist ein Kostenproblem, sondern die einseitige Belastung der Privathaushalte", sagt die Bundestagsabgeordnete.

Schuld ist der Kohlestrom

Wer sich ob der gestiegenen Umlage nun wie Grillo über die teure Energiewende echauffiert, ignoriert zudem, wie die Umlage funktioniert. Sie ist nämlich mitnichten ein direkter Kostenindikator. Vielmehr ergibt sie sich aus der Differenz zwischen den garantierten Einspeisevergütungen, die Hersteller von Ökostrom erhalten, und dem Börsenstrompreis. Das bedeutet: Die Umlage steigt nicht nur, wenn die Kosten steigen, sondern auch, wenn der Strom an der Börse billiger wird.

Genau Letzteres ist zurzeit der Fall. "Die steigende Umlage ist die Quittung für die hasenfüßige Energiepolitik von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel", sagt Niklas Schinerl von der Umweltorganisation Greenpeace. "Weil Gabriel sich schützend vor Dutzende von überflüssigen Kohlekraftwerken stellt, drückt das Überangebot an schmutzigem Strom den Börsenstrompreis in den Keller und lässt die EEG-Umlage dadurch steigen."

Das sieht man auch in der Opposition im Bundestag so. "Die EEG-Umlage mit ihren nun 6,88 Cent pro Kilowattstunde spiegelt nicht die mittlerweile günstigen Preise von Wind- und Solarstrom wider", sagt Bulling-Schröter. Und Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter lässt gemeinsam mit der energiepolitischen Sprecherin der Partei Julia Verlinden wissen: "Kohlestrom verdirbt nicht nur die Klimabilanz, sondern verschleiert auch die wahren Kosten und schadet so der Energiewende gleich doppelt."

BildMit der EEG-Umlage bezahlen die Stromkunden den Ausbau der Erneuerbaren. (Foto: Armin Kübelbeck/​Wikimedia Commons)

Die Summe aus Börsenstrompreis und EEG-Umlage – das also, was uns als Stromkunden der Betrieb der EEG-Anlagen am Ende kostet – wird im kommenden Jahr wohl wie bisher knapp unter zehn Cent pro Kilowattstunde liegen. Auf der Stromrechnung muss sich die gestiegene Umlage also gar nicht bemerkbar machen, wenn die Stromkonzerne ihre Marge nicht weiter erhöhen.

Lesen Sie dazu unseren Kommentar: EEG-Umlage geht nach oben – na und?

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