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Bürgerenergie: Das Risiko streuen

Die Energiewende in Bürgerhand gilt als Erfolgskonzept, die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes macht es kleinen Gesellschaften aber zunehmend schwer. Für die Teilnahme an Ausschreibungen fehlt ihnen das nötige Risikokapital. Größere Akteure wie der Ökostromer Greenpeace Energy und die GLS Bank wollen aushelfen.

Aus Berlin Susanne Schwarz

Bei der dezentralen Energiewende hieß das Zauberwort lange nicht "bitte", sondern "Bürgerenergie": Zusammenschlüsse von Privatpersonen, die in der Nähe ihres Wohnorts Solaranlagen bauen oder sogar Windräder. Vor drei Jahren stammte die Hälfte der erneuerbaren Kilowattstunden aus Kraftwerken in Bürgerhand.

BildAllein der Planungsprozess für ein Windrad kostet schon eine sechsstellige Summe – die Anlage danach nicht bauen zu dürfen, könnte kleinen Bürgerenergie­genossenschaften das Genick brechen. (Foto: Michael Schulze von Glaßer)

Dann kam das das Erneuerbare-Energien-Gesetz von 2014 mit Nachteilen für kleine Projektierer. Mit der diesjährigen Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes haben besonders pessimistische Beobachter die Bürgerenergie nun fast totgesagt – zu riskant und aufwändig mache die Novelle den Planungsprozess. Der Ökostromanbieter Greenpeace Energy hat am Donnerstag in Berlin ein neues Angebot vorgestellt, das helfen soll.

"Wir stellen Kapital zur Verfügung, damit Bürgerenergie-Akteure weiterhin ihre Projekte umsetzen können", erklärte Greenpeace-Energy-Chef Sönke Tangermann. Der Hintergrund: Ab 2017 sollen die Vergütungen für erneuerbaren Strom nicht mehr fest sein, sondern per Ausschreibung festgelegt werden. Wer sein Windrad oder seine Solaranlage am billigsten baut, soll dann den Zuschlag bekommen. Sprich: Ein großer Teil der kostspieligen Projektplanung – im Falle eines Windrads geht es um sechsstellige Summen – muss schon stattfinden, wenn die Realisierung noch in den Sternen steht.

Bürgern fehlt das Risikokapital

Besonders problematisch, führte Tangermann aus, sei die sogenannte Pönale im EEG. Für jede Anlage, die an einer Ausschreibungsrunde teilnimmt, muss eine Summe in fünfstelliger Höhe hinterlegt werden. Erhält der Projektierer den Zuschlag, kann die Anlage dann aber doch nicht bauen, wird der Betrag einbehalten – eine Art Strafzahlung. Auch für große Unternehmen mit vielen verschiedenen Projekten ist das ein Risiko. Im Vergleich mit einem Zusammenschluss von ein paar Privatpersonen mit nur einem Projekt bleibt es aber kalkulierbar.

Hier will Greenpeace Energy mit seiner Kraftwerkstochter Planet Energy ansetzen und sich zeitweise an den Bürgerenergie-Projekten beteiligen, um Risikokapital zu liefern. Zusätzlich will die Ökostromgenossenschaft Beratungen als Dienstleistung anbieten, um den kleinen Gesellschaften bei der Einschätzung des Marktes zu helfen. Wird der Zuschlag erteilt und das Projekt durchgeführt, will der Ökostromer wieder aussteigen, damit das Projekt bei den Initiatoren bleibt.

Auch für Greenpeace Energy bleibt natürlich ein Risiko, aber da gleich mehrere Projekte unterstützt werden sollen, streut es sich. Wie viel die Leihgabe von Risikokapital die kleinen Genossenschaften kosten wird, wie hoch also die Zinsen liegen werden, sei noch nicht pauschal zu sagen, so Tangermann. Auf jeden Fall werde der Betrag "moderat" ausfallen, sagte der Genossenschaftschef. Erst mal gilt das Angebot nur für Windräder, eine künftige Unterstützung für Solaranlagen schloss Tangermann aber nicht aus. Die sozial-ökologisch orientierte GLS Bank hatte kürzlich ein ähnliches Modell präsentiert.

BildEin Dorf und sein Windrad: Wenn die Bürger die Energiewende zusammen planen und umsetzen, steigt die Akzeptanz, das zeigen Untersuchungen. (Foto: Heinz Wraneschitz)

Christopher Holzem von den Bürgerwerken, einem Bündnis von 60 kleinen Bürgerenergiegenossenschaften, hat dabei gemischte Gefühle – die kommen allerdings weniger von den Vorstößen von Greenpeace Energy und der GLS Bank als vielmehr von der EEG-Reform. "Dass sich große Akteure entschließen, kleinere Bürgerenergie-Projekte zu unterstützen, ist begrüßenswert", sagte er gegenüber klimaretter.info. Dass die Zusammenarbeit für viele kleine Projekte in Frage kommt, bezweifelt Holzem dennoch. "Für mittelgroße Genossenschaften könnte das interessant sein, für den überwiegenden Teil der kleinen Genossenschaften sind die Ausschreibungen wohl immer noch zu riskant."

[Erklärung]  
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