Prokon: "Keine Angst mehr haben"

BildDie Gläubiger des Windkraftfinanzierers Prokon haben am Dienstag auf ihrer Hauptversammlung in Hamburg einen Insolvenzplan beschlossen. Wie der aussieht und was das für die einzelnen Anleger bedeutet, erklärt Klaus Nieding. Der Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht vertrat auf der Versammlung rund 4.000 Prokon-Gläubiger für die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, deren Vizepräsident er ist.

klimaretter.info: Herr Nieding, 75.000 Gläubiger hat Prokon. Wie viele waren denn davon auf der Hauptversammlung in Hamburg?

Klaus Nieding: Es waren zwischenzeitlich 6.000 bis 7.000 Gläubiger vor Ort, konstant etwa 4.000 – jedenfalls im Saal. Mit denen, die per Vollmacht vertreten waren, kommen ungefähr 28.000 Menschen zusammen.

Prokon schuldet diesen Menschen insgesamt 1,4 Milliarden Euro. Wie will Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin das Unternehmen jetzt retten?

Der Insolvenzverwalter hat gemeinsam mit dem Gläubigerausschuss, in dem ich auch sitze, einen Insolvenzplan erarbeitet. Das Unternehmen soll mit seinen Kernaktivitäten weitermachen, also mit Errichtung und Betrieb von Windparks. Randaktivitäten – etwa die Ölmühle – werden auf den Prüfstand gestellt und eventuell verkauft. Aber das ist noch nicht spruchreif, da muss man erst mal abwarten. Auf jeden Fall ist es falsch, was Herr Rodbertus (Carsten Rodbertus, Prokon-Gründer und ehemaliger Geschäftsführer, Anm. d. Red.) gesagt hat: Es gehe uns um die Zerschießung des Unternehmens. Im Gegenteil, Ziel ist die Fortführung.

Wie viel ihres angelegten Geldes werden die Anleger mit diesem Plan wiedersehen?

Das kann man jetzt noch nicht sagen. Das Unternehmen wird ja fortgeführt, um über einen längeren Zeitraum hinweg Geld zu erwirtschaften, das dann wieder zu den Anlegern fließt. Aber ich bin guter Dinge, dass die Leute einen Großteil ihres Kapitals wiederbekommen. Es gilt: Je länger das Unternehmen die Chance hat zu arbeiten und Erträge zu generieren, desto mehr werden die Leute zurückbekommen.

Alfons Sattler, ein Vertrauter von Prokon-Gründer Carsten Rodbertus, wollte auf der Hauptversammlung 15.000 Gläubiger vertreten. Das war von Anfang an heiß umstritten, es wurde von Sattler als Rodbertus' Strohmann gesprochen. Und gegen den ehemaligen Chef von Prokon ermittelt gerade die Staatsanwaltschaft – wegen Insolvenzverschleppung. Der Insolvenzverwalter warf ihm Pflichtwidrigkeiten und mangelnde Geschäftsführung vor. Was ist daraus geworden?

Ich habe vor zwei Wochen einen Antrag ans Insolvenzgericht gestellt. Die Vollmachten, die Herrn Rodbertus indirekt über Herrn Sattler erteilt werden, sollten bei der Abstimmung keine Berücksichtigung finden. Das sieht das Gericht auch so. Es hat sich mit seinem Beschluss meiner Rechtsargumentation angeschlossen: Es gibt hier einen massiven Interessenkonflikt. Die Schuldnerin – vertreten durch ihren ehemaligen Geschäftsführer – darf doch nicht zusammen mit den Gläubigern abstimmen! Die Vollmachten sind also nicht gewertet worden. Sie hätten am Abstimmungsergebnis aber auch nichts ändern können. Wir haben mit großen Mehrheiten – Anleger, die 680 Millionen Euro Investitionen vereinen – die Beschlüsse durchbekommen.

680 Millionen Euro – wie viele Anleger stehen dahinter?

Ich kann Ihnen das in Prozent sagen. Wir haben durchweg zwischen 90 und 99,8 Prozent Zustimmung zu unseren Anträgen bekommen. Das spricht eine deutliche Sprache.

Rodbertus ist damit bei Prokon erst einmal weg vom Fenster. Was bedeutet das für das Unternehmen?

Für Prokon bedeutet das, dass der Bock nicht erneut zum Gärtner gemacht wird. Unabhängig von den Steuermanövern des Herrn Rodbertus kann das Unternehmen nun neutral vom Insolvenzverwalter, vom Gläubigerausschuss und von anderen Experten saniert und weitergeführt werden. Die Leute müssen keine Angst mehr haben, dass die Zustände wieder einziehen, die wir vorgefunden haben – eine chaotische Buchhaltung und fehlende Jahresabschlüsse zum Beispiel. Ich bin zuversichtlich, dass das Insolvenzverfahren mit dem neuen Plan schon Mitte nächsten Jahres wieder aufgehoben werden kann und Prokon in die freie Wirtschaft entlassen wird.

Wie haben Sie die Stimmung wahrgenommen, sind die Anleger auch so optimistisch?

Ja, das sieht man schon an den Zustimmungszahlen. Sonst kriegen Sie ja keine 99,8 Prozent zusammen.

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Das Kerngeschäft von Prokon, die Errichtung und der Betrieb von Windparks, kann weitergehen. (Foto: Paul Langrock; Porträt-Foto: Martin Joppen)

Ist der Fall Prokon ein Signal für Anleger? Sollte man in Genussrechte eigentlich gar nicht investieren?

Genussrechte sind für Privatanleger eigentlich nicht geeignet. Sie geben im Grunde genommen keinerlei Mitspracherecht im Unternehmen. Und sie sind im Insolvenzfall nur als einfache Insolvenzforderung zu sehen. Das heißt, Sie haben keinerlei Bevorrechtigung als Genussrechtsgläubiger. Deswegen raten wir Privatanlegern generell davon ab. Und ich muss sagen, die Art und Weise, wie Prokon Gelder eingeworben hat – etwa durch Werbung in öffentlichen Verkehrsmitteln und mit Haustürgeschäften – das muss schlicht und ergreifend verboten werden.

Interview: Susanne Schwarz

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