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RWE rettet Gewinn mit Braunkohle

Ob Atom, Kohle oder Gas – RWE will auf absehbare Zeit nicht mehr in den Neubau von großen Kraftwerken investieren. Allerdings konnte der zweitgrößte Energiekonzern Deutschlands sein Ergebnis im vergangenen Jahr nur dank der klimaschädlichen Braunkohlekraftwerke wieder steigern. Von der Ölförderung will sich RWE durch den Verkauf des Tochterunternehmens Dea zurückziehen und in Erneuerbare weniger investieren. Sparen ist angesagt.

Von Haidy Damm

Den Großkonzernen fällt die Energiewende schwer. Auch RWE trauert dem Atomausstieg noch immer nach: "Die energiepolitischen Rahmenbedingungen haben sich zu unseren Ungunsten verändert. Ein Beispiel ist der beschleunigte Kernenergieausstieg in Deutschland", heißt es im Geschäftsbericht 2012. Konzernchef Peter Terium konstatierte bei der Bilanzpressekonferenz am Dienstag in Essen: "Die europäischen Energiemärkte verändern sich fundamental: Weg von den großen konventionellen Kraftwerken und hin zu dezentralen und erneuerbaren Energien." RWE müsse sich darauf einstellen, dass die Ertragskraft der konventionellen Stromerzeugung längerfristig deutlich unter dem Niveau der vergangenen Jahre liegen werde. "Damit erodiert unser traditionelles Geschäftsmodell."


RWE will auch weiter auf Kohle setzen – wie hier beim Kohlekraftwerk Hamm  (Foto: Schulze von Glaßer)

Traditionell heißt bei RWE besonders Kohle. Die Kohlekraftwerke des Konzerns laufen auf Hochtouren, ihr Anteil an der Stromerzeugung lag 2011 bei 36 Prozent. 2012 nahm RWE zwar acht alte Blöcke im RWE-Kraftwerk Frimmersdorf in Grevenbroich vom Netz und schaltete Ende Dezember zwei weitere Altanlagen im Kraftwerk Weisweiler bei Eschweiler ab. Gleichzeitig nahm der Energieriese im Juli und August 2012 die Braunkohle-Kraftwerke BoA 2&3 in Grevenbroich mit einer Leistung von insgesamt 2.100 Megawatt ans Netz. Dabei hat RWE nicht nur davon profitiert, zeitweise mehr Kraftwerke in Betrieb zu haben, auch die derzeit niedrigen Preise für CO2-Verschmutzungsrechte nutzen dem Unternehmen. Dennoch fühlt sich der Konzern gerade beim Emissionshandel ungerecht behandelt. Seit Beginn der dritten Handelsperiode zu Beginn dieses Jahres müssen Energiekonzerne wie RWE für ihre Kraftwerke genauso viele Zertifikate ersteigern, wie sie Treibhausgase produzieren. Jetzt hofft der Konzern auf das Bundesverfassungsgericht.

RWE will Kohle als "Back-up"

Ein Ausstieg aus der Kohleverstromung ist für RWE kein Thema. Terium ist sich sicher: "Konventionelle Anlagen werden noch lange Zeit als Back-up-Kraftwerke gebraucht." Zwar sind die neuen Kraftwerke weniger klimaschädlich, gleichzeitig zementiert der Konzern damit seine Kohlestrategie, da ein Kraftwerk in der Regel rund 40 Jahre läuft. In Neubau will RWE allerdings nicht investieren. "Eine Ausnahme könnte – Wirtschaftlichkeit vorausgesetzt – BoAplus werden", sagte Terium. Die Bezirksregierung Köln will die Fläche für das geplante neue Braunkohlekraftwerk freigeben – und damit den Weg für den Ausstoß von 27 Millionen Tonnen CO2 im Jahr ebnen. Seit Jahren protestieren Umweltschützer gegen die Pläne des Energiekonzerns.

Dank der Kohlekraftwerke präsentierte der Essener Konzern nach dem Gewinneinbruch 2011 am Dienstag einen deutlich verbesserten operativen Gewinn für das abgelaufene Geschäftsjahr. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen legte um ein Zehntel auf 9,3 Milliarden Euro zu. Für 2013 sind rund neun Milliarden Euro angepeilt. Das für die Dividendenberechnung entscheidende nachhaltige Nettoergebnis blieb mit knapp 2,5 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. RWE plant eine Dividende von zwei Euro pro Aktie. Der Umsatz legte um drei Prozent auf 53,3 Milliarden Euro zu. Gleichzeitig drücken Schulden in Höhe von derzeit 33 Milliarden Euro.

Sparmaßnahmen gehen weiter

Für die Zukunft hat Terium deshalb dem Konzern erneute Sparmaßnahmen verschrieben. So sollen weitere Beschäftigte entlassen werden, rund 2.400 Stellen stehen zur Debatte. Um die Investitionen zu senken, gab Terium zudem bekannt, die Konzerntochter Dea verkaufen zu wollen. Das Ölfördergeschäft erfordere hohe Investitionen, sagte Terium. Allerdings werde das Unternehmen auch bei den erneuerbaren Energien langsamer vorankommen. Im vergangenen Jahr hat RWE nach eigenen Angaben rund eine Milliarde Euro in den Ausbau der Erneuerbaren investiert. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien – besonders der Ausbau von Onshore-Windanlagen – stieg damit 2012 um 41 Prozent auf 12,4 Milliarden Kilowattstunden. Insgesamt stieg der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung von 7,6 Prozent auf acht Prozent. "Damit haben die 'Erneuerbaren' die Kernenergie überholt", sagte Terium. Ihr Anteil sank von 7,9 Prozent auf 7,5 Prozent. Auf Profit will das Unternehmen trotz Atomausstieg nicht verzichten. Das Land Hessen hatte kürzlich vor Gericht gegen den Energiekonzern verloren und muss Schadensatz für die Abschaltung des Atomkraftwerks Biblis zahlen. Die Höhe der Forderungen werde der Konzern erst nach der schriftlichen Urteilsbegründung bekanntgeben, bestätigte der Konzernvorstand am Dienstag. 


Vorweg geht RWE bei der Energiewende nicht. (Foto: Schulze von Glaßer)

Weniger Investitionen, langsamerer Ausbau der erneuerbaren Energien – das ist der Blick in die Zukunft. Konkret werde die Erneuerbaren-Sparte RWE Innogy in diesem Jahr rund eine Milliarde Euro in erneuerbare Energie investieren, kündigte der Vorstand an. In den Folgejahren 2014 und 2015 sollen es jeweils etwa 500 Millionen Euro sein. Das ist deutlich weniger als ursprünglich geplant. Und noch ein Ausblick: Der Konzernchef forderte, in der Zukunft das umstrittene Fracking nicht auszuschließen. "Untersuchen, Erkunden, Testen sollte nicht verboten sein", sagte Terium und schloss sich damit der Meinung von Eon-Chef Johannes Teyssen an. Wenn die USA zum Selbstversorger oder sogar Exporteur von Gas würden, könne sich Europa auf Dauer nicht abkoppeln. Das sei nicht vernünftig. Allerdings sei Schiefergas keine kurzfristige Lösung für Energieprobleme in Deutschland und Europa.

[Erklärung]  
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