Eon muss zurückrudern

Der Energiekonzern zieht seine Gewinnerwartungen für das kommende Jahr zurück. Die Energiewende macht Eon stärker als erwartet zu schaffen. Der hohe Anteil von Sonnenenergie im Netz lässt die Gewinnmargen für Gaskraftwerke drastisch sinken. Eon kündigt nun an, Kraftwerke vom Netz zu nehmen.

Von Eva Mahnke

Der größte deutsche Energiekonzern Eon zieht seine Gewinnerwartungen für das kommende Jahr zurück. Der am Dienstag vorgestellte Zwischenbericht enthält keine Aussagen zu den Gewinnerwartungen für das kommende Jahr mehr, obwohl der Konzern noch vor einiger Zeit verkündet hatte, für 2013 ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von etwa zwölf Milliarden Euro zu erwarten. Ob sich das noch realisieren lässt, ist nun offenbar fragwürdig geworden.


Das Gas- und Heizölkraftwerk Irsching 3 soll nach Aussage von Eon wegen Unrentabilität vom Netz genommen werden. Es sei denn, die Bundesnetzagentur zahlt für den Weiterbetrieb. (Foto: Eon)

Als Grund für die Prüfung der zu erwartenden Gewinne nennt Eon die "erheblichen wirtschaftlichen Unsicherheiten und strukturellen Änderungen des Sektorumfeldes" – sprich: den Atomausstieg und die Energiewende. Eon musste im vergangenen Jahr die Atomkraftwerke Isar 1 und Unterweser abschalten. Der Atomausstieg und zudem der hohe Einkaufspreis für Gas hatten dem Konzern im vergangenen Jahr die ersten Verluste seiner Geschichte eingebracht.

Zusätzlich beklagt Eon die verschlechterten Gewinnaussichten für Gaskraftwerke. Die Energiewende macht dem Konzern zu schaffen: Durch die zunehmende Einspeisung von Sonnenstrom zur Mittagszeit sinkt der Börsenstrompreis gerade zur nachfragestärksten und deshalb lukrativsten Verkaufszeit am Strommarkt. Dadurch werden Gaskraftwerke immer unrentabler, denn Solarenergie wird nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz vorrangig eingespeist. Eon kündigte Konsequenzen an: "Wir optimieren daher weiter unser konventionelles Kraftwerksportfolio und prüfen auch die Schließung von Standorten", erklärte Eon-Chef Johannes Teyssen. Im Gespräch sind die Kraftwerke Irsching 3 bei Ingolstadt und Staudinger 4 bei Hanau.


Auch den Weiterbetrieb des Gaskraftwerkes Staudinger 4 will sich Eon teuer bezahlen lassen. (Foto: Eon)

Um seine Situation zu verbessern, versucht der Konzern gerade, die Bundesregierung von der Notwendigkeit einer hohen Kompensationszahlung für den Weiterbetrieb seiner Anlagen zu überzeugen. Teyssen: "Bei Anlagen, die für die Stabilität der Stromversorgung wichtig sind, suchen wir mit Netzbetreibern und Behörden Übergangslösungen." Konkret verhandelt Eon über den Weiterbetrieb von Irsching 3 und Staudinger 4. Die Bundesnetzagentur möchte diese als Reservekraftwerke weiter am Netz halten. Das will sich der Konzern natürlich gut bezahlen lassen. Die Verträge sollen laut Eon demnächst unterzeichnet werden.

Erst im Februar will Eon neue Zahlen für 2013 auf den Tisch legen. Zwischenzeitlich ließen die Meldungen die Eon-Aktion um elf Prozent abstürzen. An den Erwartungen für das laufende Jahr hält der Konzern aber fest: Er rechnet mit einem Ebitda zwischen 10,4 und elf Milliarden Euro.

 

 

 

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