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Megagewinn für Total

Französischer Mineralölkonzern vermeldet ein Plus von 16 Prozent auf 12,27 Milliarden Euro. "Der Gewinn sichert unsere Investitionen", sagt Total-Chef de Margerie. Die lesen sich wie die Inventarliste eines Giftschranks: Tiefsee-Bohrungen, Teersand-Förderung, Schiefergasförderung.

Von Nick Reimer

Wie sehr zockt Total seine Kunden ab?  Im vergangenen Jahr stieg der Gewinn des französischer Mineralölkonzern um 16 Prozent auf 12,27 Milliarden Euro. Konzernchef Christophe de Margerie wies in Paris Fragen von Journalisten zum "unverschämt hohen Gewinn" als "Hirngespinste" zurück. Der Gewinn sei "mehr als nützlich", weil er doch die Investitionen sichere, sagte de Margerie. Total fördert in 30 Ländern Öl und Gas, ist der viertgrößte Energiekonzern und das insgesamt achtgrößte Industrieunternehmen der Welt. Nach den Konzernplänen sollen die Produktionskapazitäten von Total bis 2015 jährlich um durchschnittlich 2,5 Prozent ausgebaut werden.


Die Deutschlandzentrale von Total: die Raffinerie in Leuna.

Immerhin räumte de Margerie ein, dass der Anstieg des Rohölpreises 2011 Total zugute kam. Allerdings habe der Umsatz ja auch um 16 Prozent zugenommen - auf 184,7 Milliarden Euro.16 Prozent mehr Umsatz, 16 Prozent mehr Gewinn. In Deutschland betreibt Total die Raffinerie Mitteldeutschland mit einer Rohölverarbeitungskapazität von 12 Millionen Tonnen pro Jahr. Die Raffinerie bei Leuna in Sachsen-Anhalt produziert jährlich rund drei Millionen Tonnen Benzin, fünf Millionen Tonnen Diesel sowie etwa die gleiche Menge leichtes Heizöl.

Allerdings hatte das Bundeskartellamt vor Jahresfrist ein "Abzock-Kartell" beschrieben. Fünf Mineralölkonzerne haben nach Darstellung des Bundeskartellamtes ein Oligopol in Deutschland inne. Nach dem Bericht der Kartellhüter teilen sich Aral/BP  - Marktmacht 23,5 Prozent - Shell (22 Prozent), Jet (10 Prozent), Esso und Total (jeweils 7,5 Prozent) den deutschen Benzinmarkt unter sich auf. Damit sind nur knapp ein Fünftel der Kapazitäten frei, so die Kartellwächter. Regelmäßig vor Schulferien oder Feiertagen würde ein Kartellmitglied der vier Fünftel dominierten Marktmacht vorpreschen und die Preise erhöhen - die anderen zögen wenige Stunden nach. 

Tiefsee-Bohrungen, Teersand-Förderung, Schiefergasförderung - Totals Investitionsliste liest sich wie ein Giftrezept

In diesem Jahr plant Total rund 15 Milliarden Euro in neue Ölförderkapazitäten zu investieren. Eines der größeren Projekte ist dabei die Erschließung des Pazflor-Ölfeldes in Angola. Noch 2012 soll dort die Förderung in Betrieb gehen, das Ölfeld liegt 50 Kilometer vor der Küste, in 3.000 Meter Tiefe. Bis zu Meeres boden sind es 1000 Meter, an 49 Stellen soll dann noch einmal bis zu 2.000 Metern tiefer gebohrt werden. Die 49 Bohrlöcher werden mit der Plattform über 300 Kilometer lange Pipelines verbunden.

Pazflor, das gleichnamige Förderschiff, gilt als das größte der Welt, mehr als 6 Milliarden Euro ließ sich Total die Investition kosten. Aber das wird sich lohnen: Ist der Normalbetrieb 2014 erreicht, werden hier 220.000 Barrel Öl täglich gefördert. Beim derzeitigen Ölpreis macht das Tageseinnahmen von 20 Millionen Euro. Das Gesamt-Projekt ist ein Symbol für die immer größeren Anstrengungen der Menschheit bei der Suche nach fossilen Energiequellen, dem Schmierstoff der alten Welt.

Der französische Konzern steigt außerdem in die Schiefergasförderung mit ein, beteiligt sich mit 2,3 Milliarden Dollar an einem Gasfeld des US-amerikanischen Energiekonzerns Chesapeake. Zudem plant Total ein Milliarden-Projekt im kanadischen Bundesstaat Alberta. Dort wollen die Franzosen ins Teersandgeschäft einsteigen. Im November vermeldete Total einen neuen Tiefsee-Öl-Lagerstätten-Fund. Man sei etwa 65 km vor der afrikanischen Westküste auf drei Erdölfelder gestoßen. Nach Konzernangaben beträgt das Potential an förderbarem Rohöl allein in einem einzigen der Felder rund 8500 Barrel pro Tag.


Die weltgrößte Öl-Förderplattform: Pazflor, vor der Küste Angolas. (Foto: Total)

Weltweit arbeiten 93.000 Menschen für Total. Neuerdings ist der Ölkonzern auch in die Photovoltaik eingestiegen. Beteiligt ist er etwa an der deutschen  SunPower, Tochter des kalifornischen Solarkonzerns mit Sitz in San Jose. Vor einem Jahr kaufte sich Total bei der französischen Firma Tenesol ein, die Photovoltaik-Module in Toulouse und Kapstadt produziert. Ebenfalls im Total-Besitz ist die belgische Firma Photovoltech.

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