Abschaltprämie für die Netzstabilität
Industrieanlagen können kurzzeitig abgeschaltet werden, wenn Engpässe im Stromnetz vorhanden sind. Derartige Lastabschaltungen verringern die Notwendigkeit, bei einem starken Ausbau der Erneuerbaren Reservekraftwerke bereitzuhalten. Das Wirtschaftsministerium hat nun einen Entwurf für eine Abschaltverordnung vorgelegt.
Stromintensive Industriebetriebe sollen künftig einen Beitrag zu einer stabileren Stromversorgung leisten und hierfür Geld erhalten. Die Idee dabei: Viele besonders stromintensive Anlagen können problemlos kurzzeitig ohne Strom auskommen. Eine solche Lastabschaltung wird für den Betreiber attraktiv, wenn er hierfür eine Prämie erhält.

Aluminiumproduktion bei Trimet - hier kann zeitweise auf Strom verzichtet werden. (Foto: Trimet)
Im Entwurf des Wirtschaftsministeriums, der klimaretter.info vorliegt, sind drei verschiedene Prämien von 30.000, 45.000 und 60.000 Euro pro Megawatt vorgesehen, je nachdem wie oft und wie lang der Stromverbrauch abschaltbar ist. Die Übertragungsnetzbetreiber zahlen die Vergütung jährlich an die Anlagenbesitzer - unabhängig davon, ob sie die Möglichkeit zur Abschaltung in Anspruch nehmen oder nicht.
Die Verordnung soll Ende Februar in erster Lesung in den Bundestag eingebracht werden und könnte bereits Mitte des Jahres in Kraft treten.
Ein ungewohntes Bündnis brachte das Thema der Lastabschaltungen im letzten Jahr auf die Tagesordnung: Politiker der Grünen und der Aluminiumbetreiber Trimet drängten auf eine Regelung. Trimet ist einer der größten Stromverbraucher in Deutschland. Nach Firmenangaben ist es problemlos möglich, einzelne Aluhütten für wenige Stunden abzuschalten. Erst nach etwa vier Stunden kommt es zu technischen Problemen. Ähnliche Potentiale bieten Kühlhäuser oder Teile der Zementproduktion.

Lastabschaltungen sollen die Stromnetze stabilisieren. (Foto: EU)
Schon jetzt hat Trimet eine Vereinbarung mit dem Netzbetreiber 50Hertz. Doch bislang gestaltet sich das Verfahren kompliziert, da sich Netzbetreiber und Verbraucher individuell über eine Entschädigungssumme einigen müssen.. Dem soll nun durch die bundeseinheitliche Abschaltverordnung abgeholfen werden.
Industrielle Lastabschaltungen können den Bedarf an Reservekraftwerken oder Stromspeichern künftig senken. Denn durch die zunehmende Einspeisung fluktuierender Stromquellen wie Wind- und Sonnenenergie wird die Stromerzeugung unregelmäßiger. Wenn Sonne und Wind wenig Energie liefern, muss trotzdem weiter Strom fließen. Möglichkeiten dafür gibt es verschiedene, die Lastabschaltungen fallen in den Bereich des sogenannten "Demand Side Management" - der Stromverbrauch wird besser an die Erzeugung angepasst. Weitere Möglichkeiten des Demand Side Management sind intelligente Stromnetze, die in Haushalten einzelne Stromverbraucher steuern, allerdings ist hierfür der Aufwand deutlich höher.
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