Kopenhagen: Knast für Klima-Aktivisten

Machbar in Kopenhagen? Hier Klimaschützer in London
Für Straßenblockaden drohen
Freiheitsstrafen von 40 Tagen ohne Bewährung. Bußgelder für die Störung
der "öffentlichen Ordnung" sollen verfünffacht werden - und die Polizei
soll DemonstrantInnen bei bloßem Verdacht ordnungswidriger Absichten
vorab für zwölf Stunden in Vorbeugehaft nehmen können. Mit diesen
Maßnahmen will die dänische Regierung gegen Proteste vorgehen, die im
Zusammenhang mit dem UN-Klimagipfel im Dezember in Kopenhagen erwartet
werden.
"Wir stehen vor einer Veranstaltung, zu der Hardcore-Unruhestifter anreisen werden, die nur Sachschäden und Gewalttaten zum Ziel haben", begründete der rechtspolitische Sprecher der regierenden rechtsliberalen Venstre, Kim Andersen, das geplante "Lømmelpakke" ("Lümmelpaket").

Nicht möglich in Kopenhagen? Blokadeaktion in Berlin
Auch für "Mitläufer", die sich von Demonstrationen nach
Polizeiaufforderung nicht umgehend entfernen, solle es mit Geldbußen
von 400 bis 700 Euro richtig teuer werden. Andersen: "Die Lümmel sollen
etwas auf die Nase bekommen, das ihnen wehtut." Eine parlamentarische
Mehrheit für die Gesetzesänderungen gilt als sicher, weil außer den
Regierungsparteien auch die Sozialdemokraten umgehend ihre Bereitschaft
zur Zustimmung signalisierten.
Die Strafrechtsverschärfungen
seien eine Bedrohung des allgemeinen Demonstrationsrechts, befürchtet
hingegen Mark Ørsten, Kommunikationsforscher an der Universität
Roskilde: "Als Gastgeber für eine so entscheidende Klimakonferenz
sollte für die Regierung die Frage im Vordergrund stehen, wie das Recht
auf Meinungsfreiheit gesichert werden kann." Juraprofessor Vagn Greve
kritisiert die erweiterte "Vorbeugehaft" als "rechtsstaatlichen
Sündenfall". Und Henrik Stagetorn vom Rechtsanwaltsverband wirft der
Regierung vor, den Gipfel als Vorwand zu benutzen, um Einschränkungen
des Demonstrationsrechts auch nach dem Klimagipfel durchdrücken zu
können: "Man will alle, die an einer Demonstration teilnehmen, über
einen Kamm scheren."
Das sieht auch Lene Vennits, Leiterin des
Sekretariats der Peoples Climate Action, so, eine mit Staatsgeldern
unterstützte Organisation, die friedliche Protestaktionen während des
Klimagipfels beabsichtigt: "Es ist zutiefst problematisch, wenn man
Menschen daran hindern will, ihre verfassungsgemäßen Rechte zu
gebrauchen." Nun werde als "Lümmel" abgestempelt, wer für ein
Klimaabkommen demonstrieren wolle. "Viele werden sich überlegen, ob sie
überhaupt von ihrem Demonstrationsrecht Gebrauch machen, denn es
besteht die Gefahr, festgenommen zu werden und gleich 40 Tage hinter
Gittern zu landen," so Jørn Andersen von der 12.-Dezember-Initiative.

Mit Knast bedroht in Kopenhagen? Hier Klimaprotest beim UN-Gipfel im polnnischen Poznan 2008
Kritik
kommt auch von Stine Gry Jonassen, Sprecherin des globalen Netzwerks
Climate Justice Action. "Man kriminalisiert die gesamte globale
Klimabewegung, indem man von vornherein davon ausgeht, dass es
gewalttätig zugehen wird", sagt sie. Und Mads Kissow von Not Your
Business äußerte, die Regierung wolle diejenigen, die anderes
vorhätten, als mit einem Fähnchen am Straßenrand zu winken, zu
Straftätern machen. Verschreckt würden dadurch sicher nicht die
AktivistInnen, die Mitglied in einem Netzwerk sind, aber "Herr und Frau
Dänemark".
Unbeeindruckt von den Kriminalisierungsversuchen der
Regierung gehen unterdessen die Vorbereitungen für Aktionen zivilen
Ungehorsams beim Klimagipfel weiter. Am vergangenen Wochenende trafen
sich unter CJA-Regie TeilnehmerInnen aus 30 Ländern in Kopenhagens
Freistaat Christiania.
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