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"Wissenschaftsjahr Energie" ausgerufen

Endlich, könnte man meinen: 2010 soll der Energiemix der Zukunft verstärkt im Mittelpunkt der Forschung stehen. Mehr Geld gibt es deshalb auch für Energieforschung. Und den Dialog: "Entscheidend ist, dass Politiker und Wissenschaftler beim Entwickeln von nachhaltigen Lösungen für die Energieversorgung der Zukunft alle Bürgerinnen und Bürger von ihren Plänen überzeugen", sagt Ministerin Schavan

Von NICK REIMER

Bundesforschungsministerin Annette Schavan hat am heutigen Montag das Wissenschaftsjahr 2010 eingeläutet. Es steht unter dem Slogan "Wissenschaftsjahr Energie" - und soll "dazu beitragen, die Debatte über neue Lösungen und Konzepte für die künftige Energieversorgung in die Mitte der Gesellschaft zu bringen", wie die Ministerin in Berlin erklärte.

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Offizielles Homepagefoto des Wissenschaftsjahres 2010

Das Bundesforschungsministerium fördert 2010 die Energieforschung mit mehr als 400 Millionen Euro - das ist ein Plus um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders stark ausgebaut wird die Forschung in den Bereichen Energieeffizienz und erneuerbare Energien. In diesen Bereichen erhöht sich die Projektförderung des Ministeriums in diesem Jahr gegenüber 2009 um mehr als 30 Prozent. "Nur durch verstärkte Forschung werden wir den notwendigen Umbau unserer Energieversorgung erreichen", sagte Schavan. Die Bereiche Energieeffizienz und erneuerbare Energien haben mit fast 40 Prozent den größten Anteil an den in diesem Jahr geplanten Aufwendungen des Ministeriums für Energieforschung.

Das kommt alles ein bisschen Hausbacken daher: Vor fast 19 Jahren hatte der Bundestag erstmals ein Klimaschutz-Ziel bestimmt. Mit den Stimmen von Bündnisgrünen, CDU, CSU und SPD beschloß das hohe Haus, dass die alten Bundesländer ihren Kohlendioxid-Ausstoß um bis zu 25 Prozent gegenüber 1987 zu senken haben. Erreicht werden sollte das durch eine Energiewende, die Frage nach einer nachhaltigen Energieversorgung galt den Abgeordneten als Zukunftsfrage schlechthin.

Bildungsministerin Schavan war damals noch nicht in der großen Politik (also: Mitglied in der Jungen Union war sie schon und Bundesgeschäftsführerin der Frauen-Union war sie auch). Als die nachhaltigen Energieversorgung im Bundestag debattiert wurde, war Frau Schavan aber Leiterin des Cusanuswerkes in Bonn, dem Begabtenförderungswerk der katholischen Kirche.

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So könnte eine nachhaltigen Lösungen für die Energieversorgung der Zukunft aussehen: Grundlastfähiges solarthermisches Stromkraftwerk in Spanien.

Vielleicht deshalb klingt es komisch, wenn das "Wissenschaftsjahr Energie" achzehneinhalb Jahre nach der nachhaltigen Energie-Debatte im Bundestag so anmoderiert wird: Die Frage nach einer nachhaltigen Energieversorgung, die zugleich sicher, wirtschaftlich und verträglich für unsere Umwelt ist, stellt eine der zentralen Menschheitsfragen der nächsten Jahrzehnte dar.

Immerhin: Besser das Wissenschaftsjahr widmet sich 2010 der "zentralen Menschheitsfragen der nächsten Jahrzehnte", als nie. Die Wissenschaftsjahre sind eine Initiative des Schavan-Ministeriums, die gemeinsam mit der Organisation Wissenschaft im Dialog (WiD) und der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren ausgerichtet werden. Los ging es 2000 mit dem Jahr der Physik, darauf folgte das Jahr des Lebenswissenschaften, das Jahr der Geowissenschaften, das Jahr der Chemie, das Jahr der Technik, das Einsteinjahr 2005, das Jahr der Informatik und das Jahr der Geisteswissenschaften. Star des Wissenschaftsjahrs 2008 war etwa die Mathematik, 2009 stellte das Wissenschaftsjahr unter dem Motto "Forschungsexpedition Deutschland" den Pioniergeist der Wissenschaft in den Mittelpunkt. "Im Wissenschaftsjahr Energie werden wir den direkten Dialog mit allen wichtigen Akteuren und mit den Bürgerinnen und Bürgern führen", so Ministerin Schavan zur Eröffnung des Wissenschaftsjahrs 2010. "Entscheidend ist, dass Politiker und Wissenschaftler beim Entwickeln von nachhaltigen Lösungen für die Energieversorgung der Zukunft alle Bürgerinnen und Bürger von ihren Plänen überzeugen."

Auch das klingt interessant, erklärt doch Kabinettskollege Norbert Röttgen, dass die Mehrheit der Deutschen von der Atomkraft nicht nur nicht überzeugt sind, sondern sogar dagegen. Und dennoch will die neue Regierung die Laufzeiten der deutschen Reaktoren verlängern.

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So sieht die nachhaltigen Lösungen für die Energieversorgung der Zukunft vermutlich nicht aus: Braunkohlekraftwerk Jänschwalde, Europas drittgrößte Kohlendioxidquelle. (Fotos: Solarmillenium, Reimer, zukunft-der-energie.de)

Jedenfalls vermeldete die Forschungsministerin noch ein paar Termine des "Wissenschaftsjahres Energie": Beim bundesweiten Tag der Energie am 25. September  öffnen Forschungseinrichtungen, Hochschulen, Unternehmen, Museen und viele andere Partner ihre Türen und geben Einblicke in die Welt der Energieforschung.

Auf dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft können sich Nachwuchsforscherforscher ab Mai in mehr als 30 Städten mit der Energieforschung in Deutschland beschäftigen. Neu in diesem Jahr ist das Diskussionsforum "Dialog an Deck", bei dem öffentlich über verschiedene Energiethemen diskutiert wird.

Mit einem Wettbewerb für Studierende unter dem Titel "Energie für Ideen" sucht das Ministerium nach den besten Projektideen zum Dialog mit der Öffentlichkeit zur Zukunft der Energie. Bis zum 23. April können sich Studierende an Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen mit ihren Vorschlägen für Projekte bewerben. Insgesamt werden 15 Projekte mit jeweils 10.000 Euro für die spätere Umsetzung ihrer Ideen prämiert.

Weitere Informationen zum Wissenschaftsjahr 2010 finden Sie HIER.

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