Gewinn von EnBW bricht ein
Schlechtes Geschäftsjahr für Deutschlands viertgrößten Energiekonzern: EnBW leidet an der Übernahme einer Minderheitsbeteiligung beim Oldenburger EWE-Konzern. Zudem haben die Pläne von Konzernchef Hans-Peter Villis einen herben Dämpfer erlitten: Der wollte den Atomkonzern stärker auf Kohlestrom trimmen
VON NICK REIMER
Der Gewinn des Strom- und Gaskonzerns Energie Baden-Württemberg (EnBW) ist im abgelaufenen Geschäftsjahr um 20 Prozent auf 879,1 Millionen Euro gesunken. Das ist deutlich mehr, als vom Konzern selbst prognostiziert: Noch im November war der viertgrößten Energiekonzern nur von einen Rückgang um maximal drei Prozent ausgegangen. "Die Wirtschaftskrise hat zu Mehrbelastungen des operativen Ergebnisses in Höhe von 166 Millionen Euro geführt," erklärte Hans-Peter Villis, Vorstandsvorsitzender der EnBW die Geschäftszahlen am Dienstag. Der Umsatz sei um 4,5 Prozent auf 15,56 Milliarden Euro geschrumpft.

Das Braunkohlekraftwerk in Lippendorf: EnBW kaufte Eon die Anteile ab. (Fotos: Reimer)
Interessant ist dabei die Übernahme einer 26-Prozentigen Minderheitsbeteiligung am Oldenburger Energieversorger EWE: Den hatte die EnBW in diesem Sommer für etwa zwei Milliarden Euro gekauft, um sich erstens das Know How der Oldenburgern bei der Beschaffung und Speicherung einzuverleiben - und zweitens auch stärker bei erneuerbaren Energien einzusteigen. Die EWE - ehemals Energieversorgung Weser-Ems AG - ist Deutschlands fünftgrößter Stromkonzern und gilt als der grünste von allen.
Der EnBW-Finanzvorstand Rudolf Schulten hatte seinerzeit eine Abschreibungen in dreistelliger Millionenhöhe auf den Einstieg in die EWE gefordert, sich damit aber wegen der Folgen für die Finanzlage des Konzerns nicht durchsetzen können. Zum Jahresende erklärte der erst seit Jahresbeginn amtierende Finanzvorstand mit, dass er sein Amt ruhen lasse. Ein Sprecher des Karlsruher Konzerns nannte dafür aber gesundheitliche Gründe. Schulten sei krank, zwar nicht lebensbedrohlichen, aber möglicherweise langwierig.

Neben den 2 Milliarden für den Minderheitsanteil der EWE investierte EnBW kräftig in die Kohle: Für fast eine Milliarde kaufte sich EnBW ins Steinkohlekraftwerk Bexbach im Saarland ein und übernahm die Eon-Anteile am Kohlekraftwerk Böhlen-Lippendorf - mit einem Jahresausstoß von 11,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid der zwölftschlimmste Klimazerstörer Europas.
Knapp eine weitere Milliarde investierte EnBW in den Bau des Steinkohlekraftwerks RDK 8 in Karlsruhe. Der neue Energiekommissar der EU-Komission und damalige Ministerpräsident Günther Oettinger hatte im September 2008 den Grundstein für das 900 Megawatt-Projekt am Rheinhafen gelegt, das ab 2011 Strom liefern soll. Nach Berechnungen von Klimaschützern werden beide Blocks jährlich je rund 3 Millionen Tonnen Kohlendioxid zusätzlich in die Atmosphäre abgeben.
Der neue EnBW-Chef Hans-Peter Villis - 2007 hatte er den Job von Utz Claassen übernommen - versuchte so, den traditionellen Atomkonzern EnBW immer weiter zu einem Kohlekonzern umzubauen. Auf der Hauptversammlung im April letzen Jahres hatte Villis angekündigt, bis 2011 rund 7,7 Milliarden Euro in neue Kraftwerke und Unternehmensbeteiligungen investieren zu wollen.
Das Umbau-Projekt musste allerdings zuletzt herbe Schlappen einstecken müssen. Zuerst musste EnBW seine Kohlekraftwerkspläne am am pfälzischen Standort Germersheim beerdigen. Dann schnappte der tschechische Staatskonzern CEZ der EnBW die Mitteldeutsche Braunkohlen-AG Mibrag vor der Nase weg, die EnBW gerne hätte kaufen wollen. Die Mibrag fördert jene Braunkohle, die EnBW in seinem Block des Kraftwerkes Lippendorf verbrennt. Zuletzt schließlich musste EnBW seinen Ausstieg aus dem Kraftwerksprojekt in Dörpen bekannt geben. Der Kohlekurs der Konzernleitung ist schwer ins Trudeln geraten.

Erklären muss Villis das nun den größte Aktionäre der EnBW: Jeweils 45,01 Prozent halten der französische Stromkonzern Electricité deFrance (EdF) und der Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW) mit. Die beiden Hauptgesellschafter dürfte der Kurs kräftig ärgern: EdF und OEW sollen nur noch eine Dividende von 1,53 Euro je Aktie erhalten. Im Vorjahr gab es noch 2,01 Euro je Aktie.
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