Windenergie knackt 25.000-Megawatt-Marke
Nach zwei Jahren Flaute wuchs die Windbranche im Jahr 2009 wieder deutlich: Im vergangenen Jahr wurden neue Anlagen mit einer Leistung von 1.900 Megawatt installiert - damit sind nun insgesamt 25.777 Megawatt am Netz. Auch der Startschuss des ersten deutschen Offshore-Windparks sorgt in der Branche für Optimismus
Von Lars Dittmer
Die deutsche Windindustrie gibt sich nach zwei Jahren Flaute wieder zuversichtlich. Grund dafür sind die heute vom Bundesverband Windenergie (BWE) und dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in Berlin vorgelegten Zahlen für 2009. Diese weisen für das vergangene Jahr einen Zuwachs von 952 Anlagen mit einer Leistung von 1.900 Megawatt aus - ein Plus von 15 Prozent gebenüber dem Vorjahr (2008 gingen 1.660 MW neu in Betrieb).
Das Baby der Branche: Der 2009 eingeweihte Offshore-Windpark "Alpha Ventus" (Foto: Alpha Ventus)
Mit 25.777 MW installierter Leistung ist nun nicht nur die symbolträchtige 25.000er-Marke geknackt, erstmalig arbeiteten auch mehr als 100.000 Menschen in der Branche. "Die deutsche Windustrie hat wieder eine solide Basis", sagte BWE-Präsident Hermann Albers. Hauptgrund für den Aufwärtstrend seien die verbesserten Förderungbedingungen nach der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Zudem sei erfreulich, dass erstmals Windräder auf hoher See gebaut wurden.
Der Zuwachs von 1.900 Megawatt im letzten Jahr entspricht rechnerisch der Kapazität von zwei Atomkraftwerken. Doch im Vergleich mit den Rekordjahren 2001, 2002 und 2003 liegen die Zuwächse von 2009 noch weit zurück. Im Jahr 2007 war der Inlandsmarkt eingebrochen - wurden 2006 noch Anlagen mit einer Leistung von 2.233 Megawatt neu installiert, waren es 2007 plötzlich nur noch 1.666 Megawatt. Auf ähnlich niedrigerem Niveau bewegte sich 2008 - trotz eines weltweiten Booms.
Die hiesige Branche beklagte damals nicht nur die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise, sondern auch ungünstige Rahmenbedingungen in Deutschland: Steigende Rohstoff- und Energiepreise sorgten für höhere Errichtungskosten, zugleich nahm die im EEG fixierte Vergütung für Windstrom jährlich ab. Hier wurde jedoch nachgebessert: "Durch die EEG-Novelle zum 1. Januar 2009 haben sich die Rahmenbedingungen für die Windenergie an Land und auf hoher See an das Weltmarktniveau angepasst", so Albers. Beschlossen worden waren höhere Vergütungen - 9,2 Cent pro Kilowattstunde anstatt 8,03 Cent - und langsamer sinkende Verringerungen in den Folgejahren.
Auch das so genannte Repowering komme langsam "in Fahrt": Alte leistungsschwache Anlagen werden dabei durch neue und leistungsstärkere ersetzt. Im Jahr 2009 wurden 136 Megawatt erneuert, gegenüber 24 Megawatt in 2008.

(Grafik: Deutsches Windinstitut DEWI)
Großes Plus in der Bilanz für 2009 ist auch der erste deutsche Offshore-Windpark Alpha-Ventus. Dort gingen die ersten Anlagen nach zweijähriger "wetterbedingter" Verspätung im August vergangenen Jahres ans Netz. Im Endausbau soll der Park 50.000 Haushalte mit Strom beliefern. Insgesamt sind nach Angaben des Branchenverbands Offshore-Anlagen mit einer Leistung von 60 Megawatt in der Nordsee installiert worden - ein lauer Beginn verglichen mit den Plänen der Bundesregierung, die bis 2030 in Nord- und Ostsee 25.000 Megawatt installieren lassen will.
Weltmarkt weiter auf Wachstumskurs
Die Konkurrenz auf dem Weltmarkt bewegt sich indes mit Riesenschritten vorwärts: Stärkster Markt in Sachen Windenergie war im vergangenen Jahr China: 2008 wurden schon Anlagen mit einer Leistung von 6.300 Megawatt installiert, 2009 sogar 10.000 bis 12.000 Megawatt. Damit konnte die Volksrepublik ihre Kapazitäten noch einmal fast verdoppeln: Insgesamt sind in der Volksrepublik heute Kapazitäten von insgesamt 24.000 Megawatt am Netz.
In den USA, dem "Champion" der Windenergie mit insgesamt 35.000 Megawatt installierter Leistung wurden 2009 neue Anlagen mit einer Kapazität von knapp 9.900 Megawatt installiert (2008: 8.400 Megawatt). Auch andere Länder wie beispielsweise die Türkei oder Brasilien setzen mittlerweile auf die Windenergie und installieren verstärkt große Windparks.
Für das laufende und das kommende Jahr erwarten die Verbände auf dem Weltmarkt zweistellige Wachstumsraten. Davon könnten auch viele deutsche Firmen profitieren. Für den weiteren Ausbau der Windenergie müssten jedoch auch die Rahmenbedingungen weiter verbessert werden: Etwa durch bessere Netzstrukturen. Erst kürzlich hatten mehrere Nordseeanrainer erklärt, Offshore-Windräder und andere erneuerbare Energien durch ein modernes Netz an die Stromversorgung anschließen zu wollen.
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