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Erneuerbare sind 2009 auf 16 Prozent geklettert

Auch wenn das Wetter kalt bleibt - in der Bundespolitik ist die Winterpause vorbei. Bundesumweltminister Norbert Röttgen kehrte heute aus dem Urlaub zurück und macht sich an seine wohl wichtigste Baustelle: die Energiepolitik. Am Mittwoch sollen Gespräche mit der Solarbranche über die Senkung der Förderung beginnen, bis Herbst soll ein Gesamtkonzept stehen. Gelegenheit also zu einer kleinen Bilanz: Wo stehen die Erneuerbaren zu Beginn des Jahres 2010?

Von SARAH MESSINA

Nach hartem Bundeswahlkampf, anstrengenden Koalitionsverhandlungen und der historischen UN-Klimakonferenz hatte sich Norbert Röttgen (CDU) einen längeren Weihnachts- und Neujahrs-Urlaub gegönnt - der ist seit heute vorbei. Und nun beginnt der neue Bundesumweltminister mit der Arbeit an seiner (innenpolitischen) Großbaustelle: dem schwarz-gelben Energiekonzept. Bis zum Herbst, so der Zeitplan, soll es stehen.

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Erneuerbare Quellen sollen künftig "den Haupttteil an der Energieversorgung übernehmen", formuliert der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und FDP. Im vergangenen Jahr sind Wind, Wasser, Sonne & Co. diesem Ziel wieder ein gutes Stück nähergekommen. Mit 93 Milliarden Kilowattstunden deckten Öko-Energien im Jahr 2009 nach vorläufigen Zahlen des Bundesverbands der Energie und Wasserwirtschaft (BDEW) inzwischen 16 Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Anstieg um einen weiteren Prozentpunkt.

Windkraft sprang über die 25.000-MW-Marke - litt aber unter Finanzierungsproblemen

Doch ganz ohne Blessuren kam die Branche nicht durch die Wirtschaftskrise: Auch 2009 stand die Windkraft mit einem Anteil von 6,4 Prozent zwar an erster Stelle der erneuerbaren Stromerzeugung. Nach steilem Aufwärtstrend im vergangenen Jahrzehnt und einem eher stagnierenden Jahr 2008 sank der Anteil der Windkraft nun jedoch um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aus der Branche heißt es, eine Reihe großer Neubauprojekte habe Schwierigkeiten gehabt, angesichts der Bankenkrise eine Finanzierung auf die Beine zu stellen.

Trotzdem konnte die Windkraft im Jahr 2009 das Überschreiten der Marke von 25.000 Megawatt installierter Leistung in Deutschland feiern. Mitte August letzten Jahres hatte zudem die ersten Anlagen des ersten deutsche Offshore-Windpark Alpha Ventus mit der Einspeisung von Strom begonnen. Bis 2020 werden allein Wind an Land und auf hoher See nach Prognosen des Bundesverbands Windenergie (BWE) ein Viertel des deutschen Strombedarfs bereitstellen.

Die Solarenergie boomte 2009 - dank hochprofitabler Einspeisevergütungen für die Betreiber

Zuwächse waren 2009 vor allem im Bereich Solarenergie zu verzeichnen. Sie hat von 0,7 Prozent Strommix-Anteil im Jahr 2008 auf inzwischen 1 Prozent zugelegt. Vor allem im Sommer und Herbst vergangenen Jahres boomte die Photovoltaik wie nie zuvor. Nach vorläufigen Zahlen der Bundesnetzagentur gingen von Januar bis September 2009 knapp 76.900 neue Solaranlagen mit einer installierten Leistung von knapp 1.470 Megawatt ans Netz. Allein im Oktober kamen 18.593 Anlagen mit einer Nennleistung von rund 377 Megawatt hinzu - Zahlen für November und Dezember 2009 liegen noch nicht vor. Für das Jahr 2010 rechnet die Stromwirtschaft mit der Erzeugung von 8,3 Milliarden Kilowattstunden Solarstrom, was etwa der Menge eines Atomkraftwerks entspricht.

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Für den Zuwachs hatten sowohl der Ausbau der internationalen Fertigungskapazitäten als auch das massive Überangebot an Solarmodulen, entstanden durch den Zusammenbruch des einst starken spanischen Marks, gesorgt. Auch die Vergütung für Solarstrom war seit Jahresbeginn 2009 unverändert geblieben. Zusammen führten diese Faktoren im vergangenen Jahr zu äußerst attraktiven Konditionen: Eine Solarstromanlage mit einer Leistung unter 10 Kilowatt kostete im dritten Quartal 2009 nach Zahlen des Branchenverbandes im Mittel 3.371 Euro pro Kilowatt - fertig montiert auf dem Dach, ohne Mehrwertsteuer. Anfang des Jahres hatte der Preis noch bei fast 4.000 Euro gelegen.

Auch wenn die Einspeisevergütung mit dem Jahr 2010 für neue Anlagen je nach Größe bereits um 9 bis 11 Prozent gesunken ist: Gegen eine weitere Senkung hat nicht einmal die Solarbranche mehr etwas einzuwenden. "Im Dialog", so die Formulierung des schwarz-gelben Koalitonsvertrages, wolle man das Thema angehen. Am Mittwoch sollen erste Gespräche mit der Solarbranche beginnen.

Wasserkraft stagnierte, Strom aus Biomasse legte deutlich zu

2009 konnte auch der Anteil von Energie aus Biomasse gegenüber dem Vorjahr (3,6 Prozent) auf 4,4 Prozent gesteigert werden. Strom aus Wasserkraft hatte dagegen unverändert einen von 3,3 Prozent an der deutschen Stromversorgung. Wohlgemerkt: All diese Zahlen sind vorläufig - und in den letzten Jahren wurden die ersten Berechnungen des BDEW später durch offizielle Daten des Bundesumweltministeriums noch nach oben korrigiert.

Der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) hat vor einem Jahr prognostiziert, Wind, Sonne & Co. könnten schon 2020 fast die Hälfte des deutschen Strombedarfs decken - wenn die richtigen politischen Weichenstellungen vorgenommen werden. Norbert Röttgen seinerseits hat in zahlreichen Interviews seit Amtsantritt versichert, dass er den Ausbau forcieren will. Die nächsten Monate werden zeigen, wie ernst er es damit meint - und ob er auch Konflikte mit dem Rest der Regierungskoalition und den großen Energieversorgern riskiert.

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