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Großbritannien: Weltgrößter Windpark geplant

Die Regierung in London schreibt ein gigantisches Offshore-Windkraftprojekt aus: Bis 2020 sollen 100 Milliarden britische Pfund verbaut werden. Neben RWE profitieren auch Eon, Siemens und Hochtief: Weil es in Großbritannien kein Erneuerbares Energien-Gesetz gibt, ist Windstrom dort viel teurer

Von NICK REIMER

Nicht ganz grün waren sich bislang die deutschen Stromkonzerne mit grünem Strom:  Rechnet man die oft jahrzehntealten Wasserkraftwerke heraus, hat RWE in Deutschland beispielsweise magere 0,4 Prozent klimaschonende Kraftwerkskapazität. Das geht aus einer Studie des Institutes für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) hervor, das die jüngste Datenlage - Stand 2007 - im Auftrag von Greenpeace ausgewertet hatte.

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Damit hinkt der Essener Energiekonzern - Werbeslogan: VoRWEg gehen - Lichtjahre hinter dem bundesdeutschen Durchschnitt hinterher: Nach Angaben des Bundesverbandes Energie und Wasserwirtschaft BDEW deckten erneuerbare Stromquellen 2009 mit einer Produktion von 93 Milliarden Kilowattstunden inzwischen 16 Prozent des gesamten Stromverbrauches Deutschlands. Und: Diese Zahlen sind vorläufig, in den letzten Jahren mussten sie später meist nach oben korrigiert werden.

RWE - das fossile Klimamonster. Aber vielleicht ändert sich das ja nun: Am Freitag gab Fritz Vahrenholt, Vorstand der RWE-Tochter Innogy bekann, das RWE in Großbritannien den Zuschlag für den Bau von 4.000 Megawatt Offshore-Winderzeugungs-Kapazität erhalten habe. 4.000 Megawatt ist in etwa so viel, wie RWE heute noch an Leistung über Atomkraftwerke abdeckt. (Der Unterschied ist, dass der Wind nicht immer bläst - obwohl wir ja mittlerweile wissen, dass die RWE-Reaktoren auch nicht immer alle laufen, wie das Beispiel Biblis zeigt...)

Dem ehemaligen Hamburger Umweltsenator war wichtig darauf hinzuweisen, dass Premierminister Gorden Brown das Ergebnis des Auswahlverfahrens bekanntgab: "Es spricht für das Vertrauen der britischen Regierung in die Kompetenz von RWE-Innogy." Zunächst einmal spricht das Projekt für Varenholt: 2007 hatte RWE den damaligen Vorstandschef des Windanlagen-Herstellers REpower angeworben. REpower stellte damals die größten Windkraftanlagen - die Fünf-Megawatt-Linie - her, die für Offshore-Projekte am effektivsten sind. Und seinerzeit war die Nachfrage größer, als REpower produzieren konnte. Nun soll die Lieferung der ersten 30 Offshore-Windenergieanlagen vom Typ REpower 5M bereits im Jahr 2011 erfolgen, für die folgende Jahre wurde vereinbart, das Liefervolumen kontinuierlich zu steigern.

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RWE bezieht Repowers 5M-Anlagen, hier im Windpark Thornton Bank 3. (Fotos: Repower, Alpha Ventus, Siemens) 

"Der britische Offshore-Wind-Markt ist einer der attraktivsten in ganz Europa", jubiliert Martin Skiba, bei RWE Innogy für das Offshore-Geschäft zuständig. Das liegt am Erneuerbaren-Energien-Gesetz (respektive seines Fehlens): Großbritannien nämlich hat ein Quotenmodell für grünen Strom, die Regierung schreibt dafür die Kapazitäten aus - und die Projekte sind viel zu groß, um von kleinen Privatbetreibern realisiert werden zu können. Das hat Folgen für den Wettbewerb: Große Monopolisten regieren den Markt, nirgendwo sonst in der EU ist Windstrom so teuer wie Großbritannien - auch deshalb dürfte sich RWE so sehr über den Auftrag freuen.

Außerdem gibt es bislang viel weniger Windstrom als hierzulande - und in der Nordsee rings um die britischen Inseln perfekte Wetterbedingungen. Auch um die EU-Vorgaben zu erfüllen, hat die Regierung in London nun eine Aufholjagd ausgerufen. So erhielt RWE beispielsweise den Zuschlag für das Projekt "Atlantic Array", in der "Bristol Channel"-Zone (etwa 18 Kilometer vor der Küste von Südwales) sollen auf einer Fläche von rund 500 Quadratkilometern in Wassertiefen von 25 bis 55 Metern bis zu 250 Windturbinen installiert werden. RWE rechnet bei optimalem Verlauf der Planungsarbeiten mit einem Baubeginn des bis zu 1.500 Megawatt großen Parks im Jahr 2013.

Aber RWE ist nicht der einzige deutsche Konzern, der vom britischen Hunger auf Grünstrom profitiert: Sowohl die Energieriesen Eon als auch ein Konsortium aus Siemens und Hochtief gingen bei einem Ausschreibungsverfahren für die neuen Windparks als Gewinner hervor. Die Gesamtkosten des Projekts werden auf bis zu 100 Milliarden Pfund (110 Mrd. Euro) geschätzt. Allerdings teilte das nicht Gordon Brown mit, sondern die Königliche Liegenschaftsverwaltung.

Insgesamt handelt es sich um Projekte mit bis zu  32 Gigawatt - ein Viertel des britischen Energiebedarfs. Subventioniert wird der Bau auch von der britischen Regierung. Aus der Ausschreibung gingen unter anderem auch die Unternehmen Centrica, Vattenfall und Scottish Power erfolgreich hervor. Einige Turbinen sollen bis zu 200 Kilometer von der Küste entfernt errichtet werden.

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In Deutschland war erstmals im August Strom aus einem Offshore-Windpark in das deutsche Netz geflossen. Die Deutsche Offshore- Testfeld und Infrastruktur GmbH (DOTI) hatte erfolgreich die ersten drei der insgesamt für Alpha Ventus geplanten zwölf Windkraftanlagen angefahren. Der Bau des ersten deutschen Offshore-Windparks war im November abgeschlossen worden. Wegen landschaftsschützerischer Bedenken sind hierzulande die See-Windparks viel weiter von den Küsten entfernt und in tieferem Wasser zu bauen.

In London hat die Regierung die historische Bedeutung ihres Projekts hervorgehoben: Es setze ein Entwicklungsprogramm in Gang, das der Öffnung der Nordsee für die Erdöl- und -gas-Förderung in den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts gleiche.

 

HIER finden Sie einen Standpunkt zum Thema von  Hermann Scheer, SPD-Energiepolitiker und Präsident von EUROSOLAR

 

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