Hamburg wird zum Stromkonzern
Von NICK REIMER
Schwarz-Grün ist in Hamburg diese Woche unter die Stromkonzerne gegangen. Oder sagen wir: unter die Stromanbieter. Ab sofort liefert HAMBURG ENERGIE für Hamburg und das Umland zwei Sorten umweltfreundlichen Stroms. "Ohne Kohle und Atom", wie Umweltsenatorin Anja Hajduk (Grüne) zum Firmenstart am Dienstag betonte: "Je mehr Menschen sich HAMBURG ENERGIE anschließen, desto mehr kann in eine klimafreundliche Energieversorgung vor Ort investiert werden. Damit können die Hamburgerinnen und Hamburger einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten".
Zwei Tarife gibt es zunächst: "Tor zur Welt" - so der typisch hamburgsche Name - besteht zu 91 Prozent aus Strom, der in österreichischen Wasserkraftwerken produziert wurde, 9 Prozent kommen aus Kraft-Wärme-Kopplung. Der Arbeitspreis liegt bei 19 Cent pro Kilowattstunde (kWh), der Grundpreis bei 6,19 Euro im Monat. "Horizonte" heißt der zweite Tarif, der vollständig aus norddeutschem Windstrom besteht - für 21,6 Cent/kWh bei gleichem Grundpreis. Der Versorger muss kurzfristig Ökostrom selbst erzeugen. Zwei Windräder im Hafen, die den Bedarf von 8.000 Haushalten decken können, sollen nächstes Jahr in Betrieb genommen werden.
Die Gründung eines alternativen Stromanbieters war 2008 im schwarz-grünen Koalitionsvertrag vereinbart worden, weil vor allem die Grünen Vattenfall samt seinen Atom- und Kohlekraftwerken Konkurrenz machen wollten. Allerdings hatten in diesem die Bündnisgrünen auch ein Aus für das von Vattenfall geplante Kohlekraftwerk Moorburg festschreiben lassen. Um dann feststellen zu müssen, dass Moorburg gar nicht mehr zu verhindern gesesen ist.
Das sollte wenigstens mit dem alternativen Stromanbieter anders werden. Mit einem Senatsbeschluss vom 12. Mai 2009 hat der Aufsichtsrat der Hamburger Wasserwerke GmbH die Firmengründung als eine 100-prozentige Tochter in die Wege geleitet. Damit korrigierte der schwarz-grüne Senat die Hamburger Politik, die vor Jahren ihre Elektrizitätswerke HEW an den schwedischen Staatskonzern Vattenfall und die Gaswerke an den deutschen Multi Eon verscherbelt hat und dies inzwischen nachhaltig bedauert.

"Horizonte" heißt der Tarif für norddeutschen Windstrom
"Wir müssen energiepolitisch grundsätzlich umsteuern", sagt Hajduk zum Firmenstart. Und dazu gehöre der Gestaltungsanspruch einer Stadt, die sich zunehmend ihrer problematischen Küstenlage bewusst wird. Schließlich steigt der Meeresspiegel. Zudem, freut sich Bürgermeister Ole von Beust (CDU) würden Überschüsse wieder "in der Region wieder investiert und nicht in fremde Taschen fließen". "Energie aus der Region für die Region" sei denn auch das kurzfristige Ziel, kündigte Geschäftsführer Michael Beckereit. Beteiligungen an Windparks in der Region sowie offshore in Nord- und Ostsee werden angestrebt.
In absehbarer Zeit will die Stadt zudem selbst Großkunde bei ihrer Energiefirma werden. Ende nächsten Jahres laufen mehrere Verträge mit Vattenfall über Stromlieferungen für Behörden und öffentliche Gebäude im Volumen von etwa 50 Millionen Euro pro Jahr aus. Hajduk lässt durchblicken, dass ein Wechsel zu Hamburg Energie ihre Sympathien hätte: "Aber wir müssen das auch nach den offiziellen Wettbewerbskriterien prüfen." Ab 2014 laufen zudem die Konzessionsverträge über die Gas-, Strom- und Fernwärmenetze mit Vattenfall und Eon Hanse aus.

Fotos: Messina, GE
Ob das nicht kritisch gesehen wird, von den anderen örtlichen Ökostrom-Anbietern? Schließlich sitzen zwei der vier Ökostromer in Hamburg?
Sowohl Lichtblick als auch Greenpeace Energy loben den Schritt. Die neue Konkurrenz durch den städtischen Ökostromanbieter schocke ihn nicht, sagt Gero Lücking von Lichtblick. „Wir werden erst mal abwarten, was die bieten“, sagte Marcel Keiffenheim von Greenpeace energy. „Auch beim Ökostrom gibt es qualitativ sehr unterschiedliche Angebote.“ Zudem sei der Markt in diesem Segment noch nicht ausgeschöpft.
Interessenten erhalten Informationen oder Verträge
| unter der Telefon-Hotline: 040 - 33 44 10 10 |
| oder im Internet auf der Seite www.ich-schliess-mich-an.de |
|
HAMBURG ENERGIE sagt: Der Wechsel ist ganz einfach: |
| Nach Anmeldung im Internet oder Vertragsunterzeichnung, übernimmt HAMBURG ENERGIE alle weiteren Schritte. |
Auch München hat großes mit grüner Energie vor. Die Meldung finden Sie Hier:
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