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Wahlkampf auf dem Land: Alles Öko - oder was?

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Der BEE auf Sommertour: Lobby-Einsatz für erneuerbare Energien

AUS CLOPPENBURG JÖRG ZEIPELT

Die beiden Frauen vom Bundesverband für Erneuerbare Energien (BEE) haben es nicht leicht in der Cloppenburger Fußgängerzone. Sie wollen die Passanten in der niedersächsischen Kleinstadt zu einem Gespräch ihrer Bundestagswahl-Direktkandidaten am Abend einladen. Mit einer Sommertour durch die Wahlkreise will der BEE die Direktkandidaten der Parteien zu ihrer Meinung zum Thema regenerative Energieerzeugung befragen. Doch die ist den Cloppenburgern herzlich egal, sie zeigen kein Interesse für die Mission des BEE. Dabei ist Niedersachsen seit Wochen Gegenstand eines der wenigen aufregenden Wahlkampfthemen: In dem Bundesland liegen gleich zwei Skandal-Atomlager: Gorleben und Asse.

Trotz Atommüllager ist die CDU weit vorn

„Interessiert mich nicht. Ich weiß, wen ich wähle“, erwidert ein junger Mann, als ihm BEE-Frau Undine Ziller einen Zettel in die Hand drücken will. Wen er wählt, sagt er jedoch nicht. Dass das Interesse in der Region an Themen wie Erneuerbare trotz den Atommüllskandalen so gering ist, zeigt sich auch im Wählerverhalten: Auch bei dieser Wahl wird wohl die Atompartei CDU das Rennen machen. Bei der Bundestagswahl 2005 erreichte sie hier mit 57 Prozent eine absolute Mehrheit der Wähler. Da hat die Direktkandidatin der SPD, Gabriele Groneberg, eigentlich keine Chance. Auch wenn sich ihre Partei für eine neue Endlagersuche und eine Schließung des Standortes Gorleben ausspricht. Der Unionsdirektkandidat Franz-Josef Holzenkamp bekam beim letzten Mal 64 Prozent der Stimmen.

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Energiepolitik in Niedersachen ist vor allem wegen den beiden Atommüll-Lager sehr brisant

Das ist soviel, dass Holzenkamp nicht zur Podiumsdiskussionen kommen muss. Auf seinen Wahlplakaten präsentiert sich der CDU-Mann aber auch gern mit Windrädern und Solarzellen – das scheint also doch zu ziehen. Wozu also mit dem BEE über Erneuerbare diskutieren?

Auf dem Land geht es vor allem um Biogas

Dass die CDU in Niedersachen sich ein grünes Mäntelchen über ihr schwarz-gelber Kostüm gehängt hat, zeigt auch die BEE-Diskussion am frühen Abend. Statt dem CDU-Direktkandidaten, ist der Landtagsabgeordnete Martin Bäumer gekommen. Es dürfte schwer sein, einen grüneren Christdemokraten als Bäumer zu finden: „Für mich ist Schwarz-Grün die Zukunft“, erklärt der bekennende Vegetarier. „Die Zukunft ist erneuerbar“, führt er fort. Doch dann ist er wieder ganz CDU-Mann: „Die Energieträger, die wir heute haben, sollten wir nicht vorschnell aufgeben. Ich möchte nicht erleben, dass der Strom plötzlich ausgeht, wenn gerade kein Wind weht.“ Und da kommt dann die Atomkraft zum Zuge – sagt Bäumer nicht, aber ist Position der Bundespartei.

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Spannende Diskussion aber schlecht besucht: Direktkandidaten in Cloppenburg sprechen über Energiepolitik (Foto: BEE)

An diesem Abend jedenfalls gibt es genug Wind und auch die Sonne scheint. Aber nur 14 Zuschauer kommen, um den geladenen Politikern zuzuhören. Der Grüne Josef Dobelmann vermutet, dass die Bauern nicht kommen, weil sie bei dem guten Wetter noch den Mais für ihre Biogasanlagen von den Feldern holen. FDP-Mann Peter Friedhoff sagt, er fände es besser, wenn die Bauern den Mais lieber an die Kühe verfüttern würden. Auf dem Land denken Politik und Bürger beim Thema Erneuerbare Energien zuerst daran, wie man aus Pflanzen oder Restestoffen Gas, Wärme oder Strom machen kann. Allein 83 Biogasanlagen stehen im Landkreis Cloppenburg. Der BEE möchte gerade das Potential der regenerativen Wärmeerzeugung erschließen. BEE-Präsident Dietmar Schütz fordert außerdem eine Steigerung beim Anteil am Strom von derzeit 15 auf 47 Prozent bis 2020.

Wahlkampf: Plötzlich sind alle für die Energiewende

Trotz großer Gefechte auf Bundesebene, wird hier auf dem Land eines deutlich: Eigentlich sind alle für einen Ausbau der erneuerbaren Energien. „Letztendlich streiten wir uns darum, wie schnell dieser Umstieg vorangehen soll“, bringt es der Liberale Friedhoff auf den Punkt. „Wir können nicht so viele Windräder ans Netz bringen, weil die Grundlastkraftwerke im Fall der Fälle nicht so schnell hochfahrbar sind.“

Für die SPD-Kandidatin Groneberg ist das Argument eine Steilvorlage: „Die Mär, dass wir Grundlast nur über Kohle und Atomkraft sichern könnten, sollten wir mal wirklich in die Mottenkiste packen.“ Die Frau von der Partei, die sich zu neuen Kohlekraftwerken in ihrem Programm bekannt hat, will zumindest keine Kraftwerke mehr bauen, wenn die lokale Bevölkerung dagegen ist. Doch auch sie hofft auf die unterirdische Verpressung von Kohlendioxid: „Allerdings müssen wir bei CCS erst mal gucken, was wir uns da einhandeln.“

Das Kohlendioxid solle auf jeden Fall nicht in Niedersachsen verpresst werden, mit Gorleben und Asse hätte das Land schon genug Probleme. Da sind sich alle Vertreter der Parteien dann wieder einig. Allerdings will CDU-Mann Bäumer partout nicht auf die Problemen in Gorleben und die eventuell von der CDU zur Zeit der Kohl-Regierung gefälschten Unterlagen angesprochen werden: „Da sollten wir erst mal 14 Tage den Untersuchungsausschuss abwarten.“ Na dann ist die Wahl ja auch vorbei.

(Fotos: BEE, Wir Klimaretter)

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