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Nun doch: Atomoffensive à la Guttenberg

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Trotz massivem Protest: Wirtschaftsministerium forscht weiter an der Atomkraft
VON NICK REIMER

"Entwicklung von Rechenmethoden zur Sicherheitsbewertung
fortgeschrittener Reaktorkonzepte" heißt ein Programm, das
Bundeswirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg aufgelegt hat. Für 1,3 Millionen Euro sollen Experten der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit prüfen, was von den neuesten Atom-Technologien zu halten ist. Das Pikante an dem auf drei Jahre ausgelegten Auftrag: Er beginnt am 1. Oktober, drei Tage nach der Bundestagswahl.

Damit ist die Debatte um die Atomkraft neu angefacht: Am Mittwoch war ein "Konzept für ein integriertes Energieforschungsprogramm für
Deutschland" aus dem Bundesforschungsministerium bekannt geworden, das den Bau neuer Atomkraftwerke in Deutschland empfielt. Die "Kernkraft" biete trotz unbestreitbarer Risiken "eine kostengünstige und konsensfähige Grundlast-Stromversorgung ohne CO2-Ausstoß", heißt es in dem Konzept, mit dem etwa 100 Wissenschaftler der Deutsche Akademie für Technikwissenschaften, der Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina und der Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften im Herbst 2008 beauftragt worden waren.

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Atomkraftgegner fordern dazu auf, am 27.  September die Atomkraft abzuwählen

Ursprünglich sollte das Konzept erst nach der Wahl Mitte Oktober in
Berlin vorgestellt werden. Die Deutsche Akademie für Technikwissenschaften begründete den Veröffentlichungstermin mit der "Befürchtung, die sachliche Erörterung wissenschaftlich basierter Szenarien zur Energiepolitik könnten im Wahlkampf in erster Linie unter parteipolitischen Gesichtspunkten genutzt werden."

Scharfe Kritik: CDU betreibt Wählertäuschung

Genau das ist nun passiert: "Die CDU verschweigt ihre wahre Absichten", erklärte die rheinland-pfälzische Umweltministerin Margit Conrad (SPD). Bundesumweltminister Sigmar Gabriel: "Herr zu Guttenberg, Frau Schavan und Frau Merkel versuchen die Öffentlichkeit zu täuschen." Und der energiepolitische Sprecher der Linken, Hans-Kurt Hill, sagte: "Das ist Wählertäuschung."

Entsprechend beeilte sich die Union am Freitag mit Dementis: "Es wird
mit der Union keine neuen Kernkraftwerke in Deutschland geben", erklärte Bundeswirtschaftsministers zu Guttenberg (CSU).  "Wir tun gut daran, uns auf dem Laufenden zu halten, was die Sicherheit auch von Kraftwerkstypen betrifft, die im benachbarten Ausland betrieben werden. Und genau das wird in der GRS betrieben, in dem das Umweltministerium den Aufsichtsratsvorsitz inne hat." Nach dem von Guttenberg erteilten Auftrag befragt, erklärte Kanzlerin Angela Merkel: "Kenn ich nicht, will ich nicht!" Die Union habe das festgeschrieben: "Wir wollen keine neuen Kernkraftwerke", sagte Merkel in Berlin.

Eine Untätigkeitsklage und Leichenteile in der Asse

Unterdessen hat Greenpeace beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München eine Untätigkeitsklage gegen die Atomaufsicht wegen des Betriebs des AKW Isar 1 eingereicht. Die Umweltschützer verlangen, dass das AKW abgeschaltet wird, weil es nahe Landshut nicht gegen einen Flugzeugabsturz geschützt ist.

Und im maroden Atomlager Asse verrotten nicht nur Fässer mit Atommüll. Dort lagert nach Informationen von stern.de auch Asche von menschlichen Leichenteilen. Sie sollen von zwei Technikern stammen, die bei einem Unfall im bayerischen AKW Gundremmingen getötet worden.

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Während die Regierung an neue AKWs forscht, eskalieren die Atommüll-Skandale weiter, wie hier im maroden Endlager Asse (Foto: contratom.de)

Wie stern.de berichtet, sollten am 19. November 1975 in Gundremmingen zwei Ventile in einem Nebensystem des Primärkreislaufs repariert werden. Dabei trat explosionsartig ein radioaktives Dampf-Wasser-Gemisch aus, das einen 34-jährigen Mitarbeiter des Kraftwerks sofort tötete. Ein 46-jähriger Kollege starb am nächsten Morgen in einem Krankenhaus in Ludwigshafen. Die Obduktion wurde in einer Klinik in München-Schwabing vorgenommen. Dabei wurden Leichenteile abgetrennt, um sie auf
Radioaktivität untersuchen zu lassen. Kurz nach der Obduktion, so das Online-Magazin, wurden die Leichen noch im Krankenhaus in Zinksärge
eingelötet, ohne dass die Angehörigen sie noch einmal gesehen hätten. Die Strahlung an der Sargoberfläche war so gering, dass die Männer sechs Tage nach dem Unfall in Lauingen unter Anteilnahme von Atomkraftwerksleitung und Aufsichtsbehörde beerdigt wurden.

Aber die eigentlich besorgniserregende Meldung: Der Wasserzufluss in das marode Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel ist überraschend gestiegen. Am Freitagmorgen sei in 658 Metern Tiefe für die vergangenen 24 Stunden rund 11,4 Kubikmeter Wasser gemessen worden, teilte das BfS mit. Das sei eine Erhöhung von rund einem Kubikmeter im Vergleich zum Vortag.

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