Klimawähler sind im Kommen

Mehr Klimaschutz-mehr Wähler: Das ergab eine dimap-Umfrage
Jetzt ist der Klimawähler geboren: SPD und Union könnten bei der
Bundestagswahl wahlentscheidend punkten, wenn sie sich klar für
alternative Energien und Klimaschutz positionieren würden. Das ist
Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. "19 Prozent der 1.000 repräsentativ befragten Bürger erklärten, sie würden die Wahl der SPD oder CDU in Betracht ziehen, wenn diese sich stärker um den Klimaschutz kümmerten", erklärte Thorsten Spengler von Infratest dimap.
Dimap fragte: "Falls Frank Walter Steinmeier und die SPD deutlich
stärker eintreten würde für den Einsatz alternativer Energien, für eine
neue Ökologische Wirtschaft und für eine deutsche Führungsrolle bei den Klimaverhandlungen - würden Sie dann in Betracht ziehen die SPD zu wählen?" 30 Prozent der Grünen-Anhänger antworteten mit "Ja", 39 Prozent mit "Ja, vielleicht". Immerhin 12 Prozent der FDP-Anhänger antworteten mit "Ja" und sogar 8 Prozent der Anhänger der Union. "Immer mehr Wähler entscheiden sich erst kurz vor der Wahl", erläuterte Spengler, "ein Drittel aller Befragten ist sich ohnehin noch nicht sicher, wen sie wählen wollen".
Umgekehrt würden 35 Prozent der SPD-Anhänger Angela Merkel wählen, wenn sie wieder mehr Klimaschutz betreiben würde. Bei der FDP erklärten sogar 54 Prozent, dass die Union dann eine Alternative für sie wäre. 81 Prozent der Befragten fordert einen Vorrang von Erneuerbaren Energien, 61 Prozent erklärten, dass eine stärkere Klimapolitik der deutschen Wirtschaft eher Vorteile bringe. 92 Prozent glauben, dass Investitionen in klimafreundliche Techniken helfen, die Wirtschaftskrise zu überwinden, die nächste Bundesregierung solle dies stärker unterstützen.

Bundeskanzlerin Merkel: Laut Umfrage würden auch SPD-Leute Merkel wählen, wenn diese sich mehr um den Klimaschutz kümmern würde
"Die Parteien suchen nach einem geeigneten Wahlkampfthema, wir haben es gefunden", frohlockt Julius van de Laar, Sprecher der internationalen Klimaschutzorganisation AVAAZ.org. Gemeinsam mit der deutschen Klimaallianz hatte AVAAZ die Umfrage bei Infratest in Auftrag gegeben. "Wir haben das vor den Wahlen in Kanada, vor den Wahlen in Australien oder zuletzt vor den Wahlen in Japan gesehen: Klimapolitik kann die Wahl entscheiden", so van de Laar, der als Wahlkampfhelfer im Team von Barack Obama Mobilisierungserfahrungen sammelte. Diese Erfahrungen will er nun
umsetzen. Die Internet-Portale Klimakanzlerin-gesucht.de und
Klimakanzler-gesucht.de sollen dabei helfen.
"Das Klimathema kann die Wahl entscheiden", urteilte auch Christoph Bals von Germanwatch. Kanzlerkandidat Frank Walter Steinmeier habe gebeten, die Umfrage-Ergebnisse noch einmal persönlich vorgestellt zu bekommen. Bei einem Wahlkampfbesuch im Bergwerk Bottrop hat sich der SPD-Kanzlerkandidat zur weiteren Steinkohleförderung bekannt, was falsch sei, so Bals. "Unsere Aufgabe ist jetzt, im Wahlkampf genau hinzuschauen", sagte er und kündigte an, dass die Kampagne auf jeder Wahl-Veranstaltung der beiden Spitzenkandidaten präsent sein wird.
Allerdings weist der schöne Optimismus der Klimaschützer einen Makel
auf: Die Frage, wie wahlentscheidend Klimaschutz etwa im Vergleich zur Bildungs-, Wirtschafts- oder Sozialpolitik ist, diese Frage stellte
Infratest nicht. Man wisse aus früheren Untersuchungen allerdings, dass die Energiepolitik von den Wählern den anderen Themen gegenüber gleichrangig behandelt wird.
(Fotos: Campact, Götze)
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