Das AKW Krümmel geht nicht mehr ans Netz
Von NICK REIMER
Zwei Jahre stand er still, zwei Wochen lief er, nun bleibt er erstmal abgeschaltet, zumindest die nächsten zwei Monate: Vattenfalls Pannenreakror Krümmel. Der Energiekonzern Vattenfall kündigte am Dienstag an, die beiden Transformatoren des AKW austauschen zu wollen, was mindestens "mehrere Monate" dauern werde.
Vor zweieinhalb Jahren klang das noch anders. Am 28. Juni 2007 war einer der Transformatoren nach einem Kurzschluss ausgebrannt. Vattenfall hatte einen ungenutzten Trafo aus seinem AKW Brunsbüttel nach Krümmel transportiert und eingebaut. Vattenfall-Sprecher Ivo Banek sagte damals, der Bau eines neuen Transformators würde "mindestens eineinhalb Jahre dauern". Deshalb sei die Brunsbüttel-Variante die bessere. Quod erat demonstrandum!
Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat mit der Krümmel-Panne der SPD das zurück gegeben, was dem Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier zuletzt so gefehlt hatte: Kampfeswillen. Im Falle eines SPD-Wahlsieges - so der Umweltminister forsch - werde es ein sofortiges Aus für die ältesten Atom-Reaktoren geben. Jetzt gibt es endlich das erste Thema, dass auch offiziell polarisieren wird: die Öko-Energie. Während die CDU bislang noch nicht ins Lehrbuch geschaut hat und Atomstrom zur grünen Energie zählt, hat die SPD längts durchdekliniert, dass mit einem Festhalten am Atomstrom der Ausbau der regenerativen Energieerzeugung nicht erfolgreich sein kann: Solange Atomstrom das Netz blockiert, ist dort kein Platz für mehr Regenerative.
Dankbar nahm die CDU die Kriegserklärung Gabriels am Dienstag an. Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger bezeichnete den Pannen-Reaktor Krümmel im Hamburger Abendblatt als "Kraftwerk mit Zukunft", die von Bundesumweltminister Gabriel vorgebrachten Sicherheitsbedenken hingegen als "Wahlkampfmanöver".
Zudem machte Oettinger konkrete Aussagen zum Ausstieg aus dem Atomausstieg: "Für alle Kernkraftwerke, die dem Stand der Technik entsprechen, werden wir die Laufzeitbeschränkungen aufheben." Dabei nannte er auch Zahlen für den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke: "Wir brauchen sie noch 20 Jahre", sagte Oettinger. Damit geht er über das CDU-Wahlprogramm hinaus, in dem lediglich "Laufzeitverlängerungen" gefordert werden. Eine Aufhebung der Laufzeitbeschränkungen oder konkrete Jahreszahlen werden dort nicht genannt.
Frankreich jedenfalls entschied am Dienstag, seine ältesten Anlagen zehn Jahre länger und damit insgesamt mindestens 40 Jahre laufen zu lassen. Dies wäre acht Jahre mehr als die Betriebszeit der deutschen Reaktoren nach dem Ausstiegsbeschluss, nach dem das letzte AKW um das Jahr 2021 vom Netz gehen müssen. Frankreich hat ja jüngst auch einige spektakuläre Schlagzeilen mit seinen Altreaktoren produziert. Spanien hatte kürzlich für seine älteste Anlage eine Laufzeitverlängerung um vier Jahre beschlossen.
Vattenfall hat dagegen schon mal die Notbremse gezogen: Der schwedische Staatskonzern kündigte an, den Kraftwerksleiter abzulösen. Ob das was hilft? Schon 2007 hatte Vattenfall das komplette Führungspersonal ausgetauscht. Den Erfolg kann man dieser Tage besichtigen.
Der Brand 2007 gibt noch viele Rätsel auf - und Atomkraftgegnern wie Greenpeace gute Argumente. (Fotos: Greenpeace, Reimer)

Aber vielleicht liegt das ja gar nicht am Personal: Das Atomkraftwerk Krümmel vor den Toren Hamburgs zählt zu den pannenanfälligsten im Land. Über 300 meldepflichtige Ereignisse verzeichneten die Behörden – im Schnitt jeden Monat eines. In der Statistik liegt Krümmel damit ganz vorne, in einer Liga mit Uraltreaktoren wie Biblis und Brunsbüttel.
Experten verwundert das nicht: Krümmel, obwohl erst Ende 1983 ans Netz gegangen, gehört zur AKW-Baulinie "69", dem ältesten Reaktortyp in Deutschland. Bereits zu seiner Inbetriebnahme galt der Reaktor als technisch überholt. Zugleich ist Krümmel mit 1.400 Megawatt der größte Siedewasserreaktor der Welt. Von einem "getunten Schrottreaktor" spricht Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital.
HIER finden Sie eine Mängelliste von Vattenfall - aus dem Jahr 2007. Vergleichen Sie mal, was 2009 besser geworden ist.
Und HIER geht es zur direkten Aktion von Campact.
Und HIER ein höchst interessantes Video von/ mit/ über:
VATTENSTÖRFALL.
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