Russland: Grünes Licht für Klima-Projekte
Vier Jahre hat das UN-Klimasekretariat darauf gewartet, dass das Land mit dem größten Potenzial für Joint Implementation Projekte die Gelegenheit ergreift, um grüne Investitionen gezielt ins Land zu ziehen. Jetzt hat die russische Regierung ein erstes Projekt zur Emissionsreduktion unter dem Kyoto-Mechanismus zur Registration übermittelt - die Erweiterung des Wärmekraftwerks Shaturskaya bei Moskau. UN-Klimachefin Christiana Figueres spricht von einem Durchbruch.
Von Sarah Messina
Russland hat ein erstes Projekt zur Emissionsreduktion unter dem Joint Implementation (JI) Mechanismus zur Registration übermittelt. Das UN-Klimasekretariat sieht darin einen wichtigen Durchbruch für den so genannten "Track 2" des Mechanismus und rechnet künftig mit einer deutlichen Zunahme entsprechender Klima-Projekte, die mit dem Kyoto-Protokoll auf den Weg gebracht wurden. "Die Entwicklung in Russland ist ein klares Zeichen dafür, dass der JI Mechanismus eine wichtige Rolle spielt, um Investitionen zur Emissionsreduktion in Industrieländer zu lenken", sagt UN-Klimachefin Christiana Figueres.

JI-Meilenstein: Russland hat sein erstes Joint Implementation Projekt unter "Track 2" beim Klimasekretariat registriert: Das Wärmekraftwerk Shaturskaya bei Moskau soll erweitert werden. (Foto: Wikipedia)
Nach Angaben des UN-Klimasekretariats sind derzeit insgesamt über 400 Joint Implementation Projekte "in der Pipeline", die das Potenzial haben, bis 2012 Emissionsreduktionen von knapp 500 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten zu "erwirtschaften". Mit JI und anderen "flexiblen Mechanismen" des Kyoto-Protokolls, sollen die von Industrieländern angestrebten Emissionsreduktionen möglichst kostengünstig erreicht werden. Und weil es aus globaler Sicht unerheblich ist, wo Emissionen reduziert werden, können Emissionsrechte auch gegen Klima-Leistungen in anderen Ländern "erwirtschaftet" werden. Allerdings in Maßen: Industrieländer sind verpflichtet, ihre Reduktionsziele hauptsächlich durch inländische Maßnahmen zu erreichen und dürfen diese Kyoto-Mechanismen nur begrenzt nutzen.
Der bekannteste Mechanismus ist der Emissionshandel, weniger populär sind dagegen die projektbasierten Mechanismen wie Clean Development Mechanismus (CDM) und Joint Implementation (JI). Während es beim durchaus umstrittenen Mechanismus zur Förderung sauberer Entwickung (CDM) um Klima-Projekte von Industrieländern in Entwicklungsländern geht und sich Investoren die nachgewiesene erreichte zusätzliche Klimawirkung in Form von zusätzlichen Emissionsgutschriften (Certified Emission Reductions CERs) "auszahlen" lassen können, arbeiten bei der Joint Implementation Industrieländer untereinander zusammen. Die Vergütung mit Emissionszertifikaten (Emissions Reduction Units ERUs) an den Projektinvestor erfolgt aus dem eigenen Kontingent des Gastlandes. Durch den Transfer werden bei JI-Projekten anders als im CDM also keine zusätzlichen Emissionsrechte generiert.
Komplizierte Sache: Die Projektabwicklung beim Joint Implementation Mechanismus. (Grafik: BMU)
Windkraftanlagen, Biomassekraftwerke, Modernisierungs- und Effizienzmaßnahmen & Co: Bei dem von Russland registrierten "Joint Implementation-Meilenstein" handelt es sich etwa um die Erweiterung des Wärmekraftwerks Shaturskaya bei Moskau. Es ist nur eins von insgesamt 15 von der russischen Regierung auf den Weg gebrachten Projekten. "Das ist ein extrem wichtiger erster Schritt, wenn man bedenkt, dass Russland das Land mit dem größten Potenzial für JI-Projekte ist", sagt Benoît Leguet, Vorsitzender des verantwortlichen Aufsichtsausschusses (JISC).
Auch in Deutschland oder Frankreich sind JI-Projekte registriert, ursprünglich war der Mechanismus jedoch explizit als Instrument zur Mobilisierung von Reduktionspotenzialen in mittel- und osteuropäischen Transformationsstaaten gedacht. Russland etwa hat wirtschaftsbedingt deutlich weniger Kohlendioxid emittiert, als bei der Verteilung des Kontingents für die erste Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls angenommen. Ob die immensen Überschüsse an Emissionsrechten in eine nächste Kyoto-Verpflichtungsperiode überführt werden können, wird derzeit zwar noch von der Weltklimadiplomatie verhandelt. JI-Projekte haben jedoch auch gegenüber dem einfachen Handel mit Emissionsrechten einen mittel- und langfristig wertvolleren Vorteil: Sie bringen wichtige Investoren für grüne Zukunftstechnologien ins Land.
Davon will Russland nun offenbar profitieren – ganze vier Jahre nachdem auch das so genannten Track 2-Verfahren zugelassen wurde. Dahinter verbirgt sich ein alternativer Genehmigungsweg, der JI-interessierten Industrieländern den Zugang zu JI-Projekten ermöglichen soll. Unter dem so genannten Track 1 steht es Industrieländern, die sämtliche Kriterien einer detaillierten Emissionserfassung und Übermittlung erfüllen, frei, in Eigenregie Reduktionen zu verifizieren und entsprechende Emissionszertifikate auszustellen. Werden nur die wichtigsten, nicht aber sämtliche Kriterien erfüllt - wie im Falle Russlands - gibt es durch Track 2 bereits seit 2006 dennoch die Möglichkeit an Joint Implementation teilzuhaben: Ausgestaltung und Aufsicht der Projekte unterliegt dann allerdings nicht dem Gastland, sondern dem JI-Aufsichtsausschuss.
Die Schlagzeilen um 06 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Etscheits Alltagsstress
Danke, lieber Fritz Vahrenholt! Energiekonzerne können bohren, fracken und teersanden so viel sie wollen, ohne dass ihnen linksradikale Umweltschützer noch in die ölige Suppe spucken können. Alles wird gut. Vielen Dank, liebe Sonne! Vielen Dank, Fritz Vahrenholt! [mehr...]
Meinungen: Kommentar
Keine Blackout-Angst Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.Ein Kommentar von Joachim Wille [mehr...]
Jahresrückblick
2011: Das Jahr der Rekorde
Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, Bundeskanzlerin Angela Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Hamburger Mucken auf. Neuer Schmelzrekord in der Aktis, neuer Emissionsrekord in der Atmosphäre und so viel Flugpassagiere wie noch nie - der Jahresrückblick 2011. [mehr]
Aktion des Monats In den USA formieren sich Lobbyisten nachdem US-Behörden dem Gitarrenbauer Gibson die Einfuhr von illegalen Tropenhölzern nachweisen konnten. Vorn dabei: Die rechtskonservative Tea Party. Gemeinsam wollen diese das Lacey-Gesetz, dass den Import der Tropenhölzer für illegal erklärt, kippen. [mehr] | Durban 2011 Was war die 17. UN-Klimakonferenz - eine weitere Pleite der Diplomatie oder der Startschuss für das bitter nötige globale Klimaabkommen? Alle Berichte unserer Korrespondentinnen und Korrespondenten aus Südafrika können Sie im Durban-Dossier nachlesen. [mehr] |
Neue Klimaretter-Serie
Die Gesetze der Energiewende
Diesmal soll sie gelingen, die Energiewende. Die schwarz-gelbe Regierung hat dafür umfangreiche Gesetze verabschiedet - oft mit Stimmen der Opposition. In einer Serie analysiert klimaretter.info, was drin steht in den Gesetzen. Und was von ihnen zu halten ist.
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | In eigener Sache Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann unterstützen Sie uns, denn unabhängiger Journalismus kostet Geld. Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Bild & Vahrenholt: Die Lüge von der CO2-Lüge
Der Chef des Springer-Verlags, Matthias Döpfner, hat vor Jahren mal über sein Boulevardblatt Bild gesagt: „Wer mit ihr im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten.“ Das betrifft offenbar nicht nur Promis, sondern auch[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13






