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Atomalarm in Russland

Zu viel Wasser hierzulande - zu wenig im Osten Europas: Jetzt befürchten russische Behörden ein Übergreifen der schweren Waldbrände auf die Atomanlage Majak. Das „Chemiekombinat Majak“ war die erste Anlage zur Produktion von spaltbarem Material der Sowjetunion. Die Anlage wurde von 1945 bis 1948 in großer Eile als Teil des sowjetischen Atomwaffenprogramms gebaut worden, zwei der ehedem 10 Atomreaktoren sind noch in Betrieb: Sie produzieren unter anderem Isotope zu medizinischen, militärischen und Forschungs-Zwecken. Zudem ist eine Wiederaufbereitungsanlage und ein Atommüll-Lager auf dem Gelände, 14.000 Menschen arbeiten hier.

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Das Feuer sei noch 80 Kilometer von Majak entfernt, weshalb keine Gefahr bestünde, sagte Rosatom-Vertreter Sergej Nowikow von der "Föderalen Agentur für Atomenergie ROSATOM" - also dem russischen Atomkonzern. Nowikow: "Es gibt derzeit keine Gefahr für die Stadt oder die Anlage." Das hatten sie im Atomforschungszentrums Sneschinsk auch gesagt - und plötzlich standen die Flammen vor den Toren. Das Institut im Gebiet Tscheljabinsk - laut Webauftritt "ein Nuklearwaffenzentrum von Weltniveau" - war seit Freitag von Waldbränden bedroht, die zeitweise bis zu zehn Hektar erfasst hatten. Mittlerweile sind die Feuer gelöscht, wie der Pressedienst der regionalen Verwaltung des Zivilschutzministeriums mitteilte.

Deshalb sind die für Majak zuständigen Behörden auch vorsichtiger in ihren Einschätzungen als der ROSATOM-Vertreter: Am Dienstag-Vormittag hat Bürgermeister Viktor Trofimtschuk eine Krisensitzung einberufen, um zusätzliche Schritte zu beschließen, um die Gefahr abzuwenden. 

"Majak gilt als der größte radioaktiv belastete Ort und damit als eines der gefährlichsten Gebiete der Welt", warnt der Greenpeace-Atomexperte Christoph von Lieven in der "Neuen Presse" aus Hannover (Dienstagsausgabe). Wenn die Brände auf die Region übergreifen, könnte das radioaktive Material mitverbrennen, dass etwa in der Umgebung im Boden liege, warnte der Greenpeace-Experte: "Das sind Partikel und Kleinstmaterialien, die bisher im Boden, im Torf, in den Pflanzen gebunden sind." Wenn das freigesetzt werde, könnte es beim Löschen mit ins Grundwasser gespült oder bei Bränden mit dem Rauch hochgetrieben werden: "Woanders kann es dann zu einem erneuten radioaktiven Fall-out kommen", warnte Lieven.

Fast die ganze letzte Woche kämpften Einheiten gegen die Flammen im Umkreis des wichtigsten russischen Atomwaffen-Forschungszentrums im Nordosten Zentralrusslands. Die Nuklearanlage in Sarow, 500 Kilometer östlich von Moskau im Gebiet Nischni Nowgorod, stellt neben Raketen auch Plutonium und andere atomare Brennstoffe her.

Die von einer Jahrhunderthitze und einer schweren Dürre begleiteten Brände haben Russland in eine schwere ökologische, wirtschaftliche und humanitäre Katastrophe gestürzt. In der Hauptstadt Moskau leiden die Menschen seit Tagen unter giftigem Smog. Die Zahl der Menschen in der Stadt, die an den Folgen der Hitze sterben, hat sich auf mehr als 700 täglich verdoppelt. Unmittelbar im Feuer umgekommen sind bislang 54 Menschen.

Während in Osteuropa und im Ural eine Hitzewelle rollt, wird der Himalaya von ungewöhnlichen Regenmassen heimgesucht.

klimaretter.info/reni

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