BP will Bohrloch mit Schlamm verstopfen
Die Not-Leitung am beschädigten Bohrloch im Golf von Mexiko funktioniert offenbar besser als gedacht: Rund 40 Prozent des austretenden Öls werden nach BP-Angaben durch den "Strohhalm" abgesaugt, doppelt soviel wie ursprünglich erwartet. Die "Leitungsidee" hatte der Konzern am Montag auf den Weg gebracht, nachdem vorherige Versuche das Bohrloch mit einer Stahlglocke zu überstülpen gescheitert waren. Dennoch fließen weiterhin Hunderttausende Liter Öl in den Golf von Mexiko. Am Wochenende plant BP nach Medienberichten den Versuch, das Bohrloch mit Schlamm zu verstopfen um es anschließend mit Zement abzudichten.

Ist mittlerweile an der US-Küste angekommen: das Öl, dass seit dem Sinken der BP-Bohrinsel Deepwater Horizon vor knapp einem Monat ins Meer geflossen ist. (Foto: Daniel Beltra/Greenpeace)
Von der US-Küstenwache hieß es am Dienstag, der Kampf gegen die Ölpest gestalte sich weit schwieriger als bei anderen Öl-Unglücken: Der Ölteppich werde nicht nur immer größer, das Öl verteile sich auch unregelmäßig. Geraten Ölschwaden unter der Wasseroberfläche in Strömungen, könnte der Ölteppich bald auch die Küste Floridas erreichen. Hier wurden bereits Teerklumpen am Strand entdeckt, ob die Klumpen mit der Ölpest zusammenhängen wird derzeit jedoch noch untersucht. Weite Teile im Golf von Mexiko sind unterdessen bereits von der US-Ozeanbehörde NOAA für die Fischerei gesperrt worden. Die US-Naturschutzbehörde warnte, die Folgen der Ölpest könnten noch über Jahrzehnte Folgen für die Meereswelt haben.
Der Unfall der Deepwater Horizon werde die Ölindustrie verändern, aber nicht stoppen, ließ BP-Chef Tony Hayward am Dienstag verlauten. Er versicherte erneut, der Konzern werde "alle gerechtfertigten Schadenersatzforderungen" übernehmen. Die Definition von "gerechtfertigt" steht allerdings noch aus: Bereits in der vergangenen Woche hatte sich ein Haftungsstreit zwischen BP und Transocean abgezeichnet. BP hatte die Bohrinsel vom Schweizer Unternehmen Transocean geleast. Vorwürfe gibt es offenbar auch gegen den Dienstleister Halliburton, der nur wenige Stunden vor der Explosion auf der Plattform Arbeiten am Bohrloch vorgenommen hatte.
Washington: Leiter der zuständigen Behörde muss gehen
US-Präsident Barack Obama kündigte die Untersuchung des Unfalls durch eine unabhängige Expertenkommission an. Der US-Kongress diskutiert bereits seit einigen Wochen über die Konsequenzen des Öl-Unglücks im Golf von Mexiko: Die Republikaner haben bereits zum zweiten Mal einen Gesetzentwurf blockiert, der Ölkonzerne künftig stärker an Schäden durch Unfälle blokiert: Derzeit liegt die Haftungsgrenze für Entschädigungszahlungen bei 75 Millionen Dollar, mit dem Entwurf soll die Grenze auf 8,2 Milliarden Euro angehoben werden.
US-Innenminister Ken Salazar hatte der Regierung am Dienstag bei einer Anhörung vor dem Kongress Mitschuld an dem Bohrunglück gegeben: Tiefseebohrungen müssten stärker überwacht und die Ölindustrie rechenschaftspflichtiger werden, so Salazar. Der Abteilungsleiter der US-Behörde für Mineralienförderung Chris Oynes, zuständig für die Kontrolle von Tiefsee-Bohrungen, war bereits am Montag von seinem Posten zurückgetreten.
© wir-klimaretter.de/sam
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