Presseschau: Der Klimaschutz am Mittwoch
US-Präsident Barack Obama traf einen Gastgeber, Chinas Präsident Hu Jintao, am Dienstag um über Kopenhagen zu beraten. Zeitgleich endete in Kopenhagen das Treffen von 43 Umweltministern, die einen Kompromiß in den festgefahrenen Verhandlungen finden wollten. Wie die deutsche Presse die Ergebnisse kommentierte, lesen Sie hier.
Die Financial Times Deutschland aus Hamburg kommentiert:
"Die Frage, ob die globale Erderwärmung noch auf ein erträgliches Maß begrenzt werden kann, wird nicht in Kopenhagen entschieden, sondern zwischen Peking und Washington. Deswegen ist es ein Fortschritt, dass sich die Regierungschefs Hu Jintao und Barack Obama bei ihrem Zweiergipfel zumindest im Grundsatz für ein verbindliches Abkommen ausgesprochen haben. Die USA müssen China beim Erreichen seiner Klimaziele helfen, indem sie ihm Know-How bereitstellen, auch wenn ihre Unternehmen murren.
Die Ankündigung gemeinsamer Forschungsinitiativen auf Gebieten wie sauberer Kohle und Elektroautos ist ein wichtiger vertrauensbildender Schritt. Vor allem aber müssen die USA einen starken politischen Willen demonstrieren, sich selbst verbindliche nationale Reduktionsziele zu setzen wenn nicht in diesem, dann im nächsten Jahr. Es ist der einzige Schlüssel zu Peking."
Der Berliner Tagesspiegel urteilt:
"Die Klimaschutzbremser in Washington und Peking begehen einen strategischen Fehler. Je länger sie das Unvermeidbare aufschieben, umso weiter fallen sie zurück. Darum sollten die EU-Regierungen dies nicht als Bedrohung sehen, sondern als Chance nutzen. Jetzt gilt es demonstrativ die Emissionslizenzen zu verknappen und so die Nutzung der Abgasdeponie Atmosphäre zumindest auf dem weltgrößten Binnenmarkt zu verteuern.
Damit und ergänzt durch harte Vorgaben für die Senkung des Energieverbrauchs könnte Europa einen unschätzbaren Wettbewerbsvorteil erringen, selbst wenn die Stahl- oder Autoindustrie vorübergehend ein paar Prozente am Weltmarkt verlieren. Würde so bewiesen, dass Klimaschutz zwar den Lebensstil verändert, aber gleichwohl mit Wohlstand vereinbar ist, würde der Weltklimavertrag zur Nebensache. Denn nichts ist überzeugender als ein erfolgreiches Modell."
Das Westfalen-Blatt aus Bielefeld meint:
"Außer Spesen nichts gewesen? Wenn vom Gipfel in Kopenhagen das Klima wirklich profitieren soll, müssen sich die Beteiligten darüber im Klaren sein, dass ein Scheitern teurer wird als eine Einigung. Nach einer Studie müsste die Staatengemeinschaft derzeit bis zu zwei Prozent des weltweiten Bruttoinlandproduktes ausgeben, um die Erderwärmung zu stoppen. Wenn nichts passiert, wird sich die Rechnung in zehn Jahren verdoppelt haben. Klimaschutz kostet eben Geld. Und wer tonnenweise CO2 in die Luft bläst, muss dafür bezahlen - auch auf Kosten der Wirtschaftsleistung.
Experten kennen den Fahrplan für einen erfolgreichen Klimagipfel: auf Ziele einigen, die Lastenverteilung festlegen und Institutionen mit dem Handel von Verschmutzungsrechten beauftragen. Die Folgen des Nichtstuns und Vertagens sind möglicherweise noch nicht jedem klar. Staaten wie die Niederlande, Bangladesch oder die Malediven, die unter dem Anstieg des Meeresspiegels besonders leiden werden, klagen nicht laut genug. Und Bedenkenträgern, die nur auf Umsatz und Gewinn schauen, steht das Wasser noch nicht bis zum Hals. Noch nicht."
PS: Heute findet in der schwedischen Hauptstadt Stockholm der EU-Russland-Gipfel statt. Im Zentrum steht - natürlich - der Kopenhagen-Prozeß. Der russische Präsidenten Dmitri Medwedew wird Liefergarantien für Erdgas und Öl aus Russland vortragen, die schwedische Ratspräsidentschaft Moskau zur Unterstützung für ein neues Klimaabkommen drängen.
Und Amnesty International wird beide Seiten aufrufen, Menschenrechtsverstöße offensiv anzusprechen.
Na denn: Schöönen Mittwoch allerseits!
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