"Furzende" Weichtiere als Klimasünder

Dass Wiederkäuer zur Erderwärmung beitragen ist hinlänglich bekannt. Neueste Untersuchungen des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie in Bremen belegen, dass auch winzige Wasserinsekten, Muscheln und Schnecken Treibhausgase produzieren. Das Team um den Mikrobiologen Peter Stief, in dem auch dänische Forscher der Universität Aarhus mitarbeiteten, untersuchte 21 verschiedene Wassertiere aus Flüssen, Seen und dem Meer: Vor allem Tiere, die organisches Material aus dem Wasser filtern oder vom Grund fressen, produzieren jede Menge Distickstoffoxid – das sogenannte Lachgas. Dessen Treibhauswirkung ist 298-mal so groß wie die von Kohlendioxid.

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Die hier tun dem Klima nichts mehr. (Foto: Reimer)

"Experimente mit Zuckmückenlarven ergaben, dass das Lachgas von den Bakterien im Darm der Tiere gebildet wird", sagte Stief laut einer Mitteilung des Max-Planck-Instituts. "Die aus der Nahrung stammenden Bakterien finden im Darm keinerlei Sauerstoff vor und gehen deswegen zur sogenannten Nitratatmung über." Dabei bilden sie aus Nitrat Distickstoffoxid.

Die Menge des produzierten Treibhausgases hängt dabei stark von ihrer Ernährung ab – und damit der Verschmutzung des Wassers. Besonders große Mengen Distickstoffoxid produzieren Tiere in verschmutzten Gewässern mit hohem Anteil an Nitrat, das meist von Düngemitteln stammt.

Bevor die armen Tiere nun aber stigmatisiert werden: Bis zum Beginn der Industrialisierung steckte der natürliche Kreislauf die produzierten Lachgasmengen locker weg. Die Arbeit ist in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS) veröffentlicht

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