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Hamburg rechnet mit mehr Sturmfluten

Der Sturm "Herwart" – bereits der dritte in diesem Herbst – hat in weiten Teilen Mitteleuropas für Zerstörungen gesorgt, mehrere Todesopfer sind zu beklagen. Besonders in Deutschland, Polen und Tschechien legte "Herwart" den Bahnverkehr lahm, umgestürzte Bäume blockierten Straßen. In Tschechien waren Hunderttausende Haushalte wegen beschädigter Freileitungen ohne Strom. In Berlin und Brandenburg wurde davon abgeraten, ins Freie zu gehen.

BildKünftig wird man an der norddeutschen Küste Schildern dieser Art mehr Beachtung schenken müssen. (Foto: Screenshot/​tagesschau.de)

Besonders vom Sturm betroffen waren der Norden und Osten Deutschlands. Die Bahn will den Betrieb auf wichtigen Strecken im Fernverkehr erst am Montag wiederaufnehmen, unter anderem auf den Verbindungen zwischen Berlin sowie Hamburg, Frankfurt am Main, Leipzig und Dresden. In Hamburg ließ eine schwere Sturmflut in der Hafencity Tiefgaragen volllaufen, auch der Fischmarkt und die Strandallee in Blankenese standen unter Wasser.

Eine Zunahme von Wettextremen, darunter Starkniederschläge und regenreiche Tage, sowie von Sturmfluten sagt der in dieser Woche vorgestellte zweite Hamburger Klimabericht des Klimacampus Hamburg voraus. An dem Bericht haben mehr als 70 Autoren mitgewirkt.

Danach ist die Durchschnittstemperatur in der Metropolregion Hamburg seit 1951 um etwa 1,2 Grad Celsius gestiegen. Je nach Erfolg der globalen Klimaschutzpolitik rechnet der Bericht für Hamburg und Norddeutschland bis zum Ende des Jahrhunderts im Vergleich zu 1990 mit einer Erwärmung zwischen einem und fünf Grad.

Dazu kommt wie bisher ein Stadt-Effekt von durchschnittlich 0,1 Grad Celsius, die Hamburg wärmer als das Umland ist – mit lokalen Spitzenwerten von plus 1,2 Grad in der Innenstadt. Damit würden, heißt es im Bericht, Temperatur-Grenzen schneller überschritten. Heiße Tage träten dann in der Stadt häufiger als im Umland auf.

Für die Zukunft rechnet der Klimabericht vor allem in den Wintermonaten mit deutlich erhöhten Niederschlagsmengen. Auch Starkniederschläge und regenreiche Tage könnten zunehmen, was in der Stadtplanung berücksichtigt werden müsse.

Dafür, dass die Stürme ganzjährig systematisch stärker werden, sieht der Bericht bisher keinen Nachweis. Seit den 1960er Jahren sei eine leichte Zunahme von Sturmhäufigkeit und -intensität zu erkennen, diese bewege sich jedoch über einen Zeitraum von hundert Jahren gesehen noch im Rahmen natürlicher Schwankungen.

Den Anstieg des Meeresspiegels an der deutschen Küste beziffern die Autoren mit bisher 15 bis 20 Zentimetern in hundert Jahren. Bis 2100 könnten 20 bis 80 Zentimeter hinzukommen. Dadurch könnten leichte Sturmfluten häufiger eintreten.

klimaretter.info/jst

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