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Normaler Xavier

Ein Einfluss des Klimawandels auf den Orkan "Xavier" gilt bei Experten als unwahrscheinlich. Es gebe "keine Anhaltspunkte dafür, dass in Folge des Klimawandels solche Extreme weiter zunehmen werden", erläuterte der Klimaforscher Professor Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel am Freitag. Anders sei das bei örtlich begrenzten sehr heftigen Gewittern und Tornados. Diese könnten sich in Folge des Klimaerwärmung durchaus häufen, so der Wissenschaftler. Der Sturm "Xavier" hat am gestrigen Donnerstag in Norddeutschland und im ganzen nördlichen Mitteleuropa viel Schaden angerichtet – sieben Menschen starben allein in Deutschland durch umfallende Bäume.

BildXavier hat zahlreiche Bäume entwurzelt – wie hier im Berliner Bezirk Lichtenberg. (Foto: Pascal Volk/​Flickr)

Meteorologen nennen Sturmtiefs wie "Xavier" Schnellläufer. Dabei handelt es sich um vergleichsweise kleine Tiefdruckgebiete, die sich an den Rändern der Kaltfront großer Tiefdruckgebiete bilden können und dann extrem schnell ziehen, mit mehreren hundert Stundenkilometern. "Xavier" war in der Nacht zum Mittwoch südwestlich von Island entstanden, wo in der Atmosphäre sehr starke Unterschiede bei Druck und Temperatur herrschten – Voraussetzung für die Bildung eines derart starken Sturms. "Xavier" gelangte dann schnell nach Mitteleuropa, sozusagen eingefangen durch den "Jetstream" – ein Windband, das eine Art Tempotrasse für die Tiefdruckgebiete bildet.

Ein Problem für die Meteorologen ist, dass die Schnellläufer in ihrem Verlauf nur schwer vorherzusagen sind. Es habe schon Stürme gegeben, "die innerhalb von 48 Stunden bis zu 5.000 Kilometer zurückgelegt haben", sagte Latif. Die Sturmfelder können spontan und relativ kleinräumig auftreten, typisch ist ein schneller Wechsel zwischen ruhigem Wetter und dann plötzlich auftretenden Windböen und starken Niederschlägen.

Schnellläufer treffen Deutschland immer wieder, und sie sind dann oft mit schweren Schäden verbunden. So war die Hamburger Sturmflut von 1962, die mehr als 300 Todesopfer forderte, Folge eines solchen Sturmtiefs, des Orkans "Vincinette". Auch die Orkane "Lothar" an Weihnachten 1999 und "Kyrill" im Jahr 2007 waren Schnellläufer.

Aber auch wenn der Sturm nichts mit dem Klimawandel zu tun  hat, ist es nicht das erste Extremwetter in diesem Jahr. "Die Folgen immer neuer Extremwetterereignisse kommen uns teuer zu stehen. Jedes Einzelereignis kann auch statistischer Zufall sein, allerdings stellen Klimaforscher und Versicherer seit Jahren eine eindeutige Zunahme von Extremwetter fest", sagte der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) zu "Xavier". Die lang anhaltenden Regenfälle, mehrere Hochwasser und das Sturmgeschehen hätten zu heftigen Auswirkungen auf Wirtschaft und Landwirtschaft geführt.

klimaretter.info/jw/fme

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