Deutsche Emissionen legten wieder zu

Bei der Reduktion seines Treibhausgas-Ausstoßes kommt Deutschland nicht voran. Auch im Jahr 2016 stiegen die energiebedingten Emissionen – und zwar um mindestens vier Millionen Tonnen auf 906 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent. Das ergibt ein Gutachten, das die Bundestagsfraktion der Grünen in Auftrag gegeben und heute vorgestellt hat

BildNichts geht mehr: Vor allem der Schwerlastverkehr ist für den Zuwachs beim Mineralölverbrauch und damit für steigende Verkehrsemissionen verantwortlich. (Foto: Ralf Vetterle/​Pixabay)

Die Zahlen sind vorläufig. Sie beruhen auf den Daten zu den Primärenergieverbräuchen, die die industrienahe AG Energiebilanzen vorgelegt hat. Zugleich decken sie sich mit den Prognosen des Umweltbundesamtes.

Hauptverursacher der steigenden Emissionen ist der Verkehr. Sowohl der Verbrauch von Mineralöl als auch von Kerosin nahm zu. Laut Umweltbundesamt wuchs der CO2-Ausstoß im Verkehrssektor um 5,4 Millionen Tonnen beziehungsweise 3,4 Prozent.

Der Verbrauch von Stein- und Braunkohle sinkt zwar. Die Kohle-Emissionen nahmen folglich um 12,5 Millionen Tonnen ab. Auf der anderen Seite aber stieg der Verbrauch von Erdgas, befeuert durch günstige Weltmarktpreise. Die Erdgas-Emissionen legten deshalb um 14,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent zu und fraßen damit die Reduktion bei der Kohle mehr als auf.

Damit hat es in Deutschland seit 2009 praktisch keine Reduktion beim Klimagas-Ausstoß mehr gegeben. Damals waren es 907 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent. Bis 2020 will die Bundesrepublik bei 751 Millionen Tonnen liegen, also 40 Prozent weniger Treibhausgase emittieren als 1990 (damals waren es 1.251 Millionen Tonnen).

Nach den neuen Zahlen sind aber erst 27,6 Prozent geschafft. "Die Steigerung der Emissionen in 2016 macht das Klimaziel der Bundesregierung zunehmend unrealistisch", heißt es in der Studie. "In jedem der Jahre bis 2020 müssen die jährlichen Emissionen nun durchschnittlich um 40 Millionen Tonnen gesenkt werden, und zwar jedes Jahr", rechnete Bärbel Höhn von den Grünen vor, die dem Umweltausschuss des Bundestages vorsitzt.

2016 habe die notwendige Reduktionsrate noch bei 30 Millionen Tonnen pro Jahr gelegen, so Höhn. Die "schmutzigsten Kohlekraftwerke" müssten nun "schleunigst" vom Netz. "Und wir brauchen endlich einen Masterplan im Verkehrsbereich, damit wir wegkommen vom Erdöl."

Auch von der Linksfraktion kam Kritik. "Der Aufwärtstrend der Treibhausgas-Emissionen in Deutschland ist ein trauriger Beleg für das systematische Klima-Versagen der Großen Koalition", sagte die Energie- und Klimaexpertin Eva Bulling-Schröter. "Nicht weniger, mehr Klimaschutz muss jetzt das Gebot der Stunde sein."

klimaretter.info/vk

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