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Der Regenwald wird brennbar

Die Waldbrandgefahr im Amazonas ist derzeit so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Nach einer ungewöhnlich trockenen Regenzeit beginnt die im Juli einsetzende Trockenzeit in diesem Jahr mit dem größten Feuchtigkeitsdefizit seit 1998. Das zeigt eine Studie der Nasa und der Universität von Kalifornien, die in dieser Woche im Fachmagazin Nature veröffentlicht wurde. "Der Region stehen besonders viele und intensive Brände bevor", sagte Nasa-Experte Douglas Morton.

BildMindestens 200 Regentage pro Jahr gibt es im Amazonasgebiet. Wenn es trotzdem brennt, ist etwas nicht in Ordnung. (Foto: Screenshot/BBC)

Die Forscher stützen sich auf Messungen der Oberflächentemperatur von Atlantik und Pazifik, die durch das Klima- und Wetterphänomen El Niño derzeit stark erhöht sind. Dies hat während der Regenzeit zu weniger Niederschlägen geführt. Der Regenwald ist dadurch schlichtweg trockener. Das begünstigt das Ausbrechen von Bränden. Allein in diesem Jahr haben die Wissenschaftler schon 12.500 Waldbrände nur im Bundesstaat Matto Grosso, im brasilianischen Landesinneren, gemessen.

Auslöser der Feuer sind zumeist menschliche Aktivitäten, wie das Niederbrennen von Feldern und Wäldern für die Landwirtschaft. Wie eine weitere – ebenfalls in dieser Woche in Nature veröffentlichte – Studie zeigt, hat das Ausmaß menschlicher Eingriffe in den Regenwald inzwischen so stark zugenommen, dass die Wahrscheinlichkeit von Bränden immer größer wird.

"Normalerweise brennen Regenwälder nicht", sagte der Lautautor der Studie, Jos Barlow vom britischen Lancaster Environment Centre. "Durch den Menschen ändert sich das." Barlow und seine Kollegen haben über zwei Jahre Daten an 400 Stellen im Amazonasbecken gesammelt. Nur in rund der Hälfte der Fälle war der Wald noch komplett intakt. Die andere Hälfte ist von Störungen und Degradation gezeichnet – sodass es leichter zu Waldbränden kommen kann.

Der Amazonas-Regenwald ist knapp sechs Millionen Quadratkilometer groß. Er speichert mehr als 100 Milliarden Tonnen Kohlendioxid und gilt deshalb als wichtigste "grüne Lunge" der Erde. Eine Metastudie des brasilianischen Centro de Ciência do Sistema Terrestre (CCST) warnte bereits 2014, der Amazonas könne durch Abholzung bereits so weit geschädigt sein, dass sich die Auswirkungen klimatisch bemerkbar machen. Als Folge bleiben demnach Regenfälle aus, die Trockenperioden werden länger.

klimaretter.info/vk

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