Weltbiodiversitätsrat warnt vor Insektensterben

Die Menschheit organisiert ihre eigene Hungerkrise, wenn sie weiter in diesem Tempo die Existenz der weltweiten Bestäuber gefährdet. Davor hat der "Zwischenstaatliche Rat für Biodiversität und Ökosystem-Dienstleistungen" – kurz Weltbiodiversitätsrat – auf seiner Jahrestagung in Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur gewarnt. Bienen, Schmetterlinge, Käfer, Wespen oder andere Insekten – in einigen Weltregionen seien mehr als 40 Prozent der wilden Bestäuberpopulationen gefährdet. Besonders betroffen seien Nordwesteuropa und Nordamerika, wo vor allem die intensive Landwirtschaft den Insekten seit Jahren zusetzt. 

BildWichtig, aber bedroht: Ein Schmetterling beim Bestäuben einer Blüte. (Foto: Reimer)

"Die Bestäubung ist ein wichtiger Beitrag für die Landwirtschaft, die Grundlage der Lebensmittelproduktion", warnte der Chef der Welternährungsorganisation FAO, José Graziano da Silva. Der Weltbiodiversitätsrat beziffert die "wirtschaftliche Leistung" der Bestäuber auf umgerechnet 213 bis 523 Milliarden Euro – gerechnet im Gegenwert von Nahrungsmitteln, die aus der Bestäubung hervorgehen. Deshalb warnt der Rat auch von einer fortgesetzten Schädigung der Insekten-Flora, diese könne weltweit schwere Folgen für die Nahrungsmittelsicherheit haben.

Der Weltbiodiversitätsrat – offiziell "Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services" (IPBES) – wurde als Pendant zum Weltklimarat IPCC für die 1992 auf dem Weltgipfel von Rio beschlossene Biodiversitätskonvention geschaffen. Ähnlich wie beim IPCC kommen auch in der IPBES renommierte Wissenschaftler aus der ganzen Welt zusammen, um Analysen und Handlungsvorschläge zu erarbeiten. Erklärtes Ziel des Gremiums ist es, den Schutz der "ökologischen Gesundheit" der Erde zu gewährleisten und "katastrophale Veränderungen der biologischen Vielfalt" abzuwenden. Allerdings ist der Weltbiodiversitätsrat erst seit drei Jahren arbeitsfähig.

In Kuala Lumpur legten die Experten nun ihren ersten Bericht vor. Darin machen sie unter anderem den Anbau in Monokulturen, den starken Einsatz von Pestiziden und die Erderwärmung als Bedrohung für die Bestäuber aus. In der Zusammenfassung für Entscheidungsträger richtet der Biodiversitätsrat 20 Kernbotschaften an die Politik. Er fordert etwa weniger Monokulturen und mehr Engagement im Kampf gegen den Klimawandel.

klimaretter.info/reni

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