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Österreich spart Treibhausgase zu langsam

In Österreich sind die Treibhausgas-Emissionen von 2013 auf 2014 um 4,7 Prozent gesunken. Wie das österreichische Umweltbundesamt mitteilte, lag der Treibhausgasausstoß des Landes damit bei 76,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent. Allerdings bleibt das Nachbarland damit weit hinter den eigenen Verpflichtungen zurück: 1990 war Österreich für 78,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent verantwortlich, im Kyoto-Protokoll hatte sich das Land 1997 zu einer Reduktion um 13 Prozent bis Ende 2012 verpflichtet. Tatsächlich aber stieg der Ausstoß bis 2010 auf 85 Millionen Tonnen – plus 8,5 Prozent statt minus 13.

Bild Skigebiet Wilder Kaiser/Brixental in Tirol Anfang Januar 2016: Schon heute leidet Österreich stark unter den Folgen der Erderwärmung. (Foto: Marco Eisenack)

Vor allem der Verkehr macht der Klimabilanz der Alpenrepublik zu schaffen: 21,7 Millionen Tonnen Treibhausgase wurden hier 2014 registriert, ein Plus von fast acht Millionen Tonnen im Vergleich zu 1990. "Die Zunahme im Verkehr macht fast alle Einsparungen der anderen Bereiche wieder zunichte", erklärte Ulla Rasmussen vom Verkehrsclub Österreich. Im Jahr 1990 verursachte der Verkehr demnach etwa so viele Treibhausgas-Emissionen wie der Sektor Raumwärme. Heute sei der Verkehr für dreimal so viele klimaschädliche Emissionen verantwortlich wie die Raumwärme.

Dabei hat Österreich dank seines Wasserkraft-Potenzials gute Möglichkeiten zum Klimaschutz: Mit 7,35 Tonnen pro Kopf verursachten die Österreicher 2013 statistisch deutlich weniger Treibhausfracht als die Deutschen, die für 9,4 Tonnen pro Kopf verantwortlich waren. Trotzdem gilt Österreich bei der EU-Umweltagentur als Problemfall – als einer von vier EU-Staaten, die ihr 2020er Klimaziel nicht erreichen werden. Die anderen "Sorgenkinder" sind Belgien, Irland und Luxemburg.

Dabei fiel der jährliche Prognosebericht der EU-Umweltagentur im vergangenen Jahr ausgesprochen optimistisch aus: Die Kopenhagener Behörde sieht alle anderen 24 EU-Staaten auf Kurs. Dass dies für Deutschland beispielsweise nicht zutrifft, machte Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth heute erst im klimaretter.info-Interview deutlich: Für das deutsche Klimaziel – minus 40 Prozent bis 2020 gegenüber 1990 – "sinken die Emissionen zu langsam!" Vier Jahre vor dem Zieldatum hat Deutschland erst 28 Prozent Reduktion erreicht.

klimaretter.info/reni

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