Delhi: Mit dem Staubsauger gegen Smog

Im kommenden Jahr dürfen Autos in Neu-Delhi mit gerader und ungerader Kennnummer nur an verschiedenen Tagen fahren. Das berichtet der indische TV-Sender India Today. Mit der etwas ungewöhnlichen Maßnahme soll die Luftverschmutzung in der indischen Hauptstadt reduziert werden. Öffentliche Verkehrsmittel und Notfallfahrzeuge sind von der neuen Verordnung ausgenommen.

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Die Smogdecke über Neu-Delhi ist noch schlimmer als die über Peking. (Foto: Onewhohelps/Wikimedia Commons)

Beschlossen wurden die Maßnahmen in einer Dringlichkeitssitzung mit Regierungsvertretern auf Landes- und Stadt-Ebene. Am vergangenen Mittwoch hatte das oberste Gericht Delhis die Stadtregierung aufgefordert, den gesundheitsgefährdenden Smog über der Stadt einzudämmen.

Der nun beschlossene "Ein-Jahres-Plan" enthält noch weitere Maßnahmen, um die dichte Smogdecke zu verringern. So sollen zum Beispiel Motoren mit dem Euro-6-Standard schon 2017 eingeführt werden. Die zentrale Stadtverwaltung wollte diesen Standard erst zwei Jahre später einführen. Zudem soll das nahe der Stadt gelegene Kohlekraftwerk Badarpur geschlossen werden. Es ist fast 50 Jahre alt und zählt zu den ineffizientesten Kraftwerken in Indien.

Auch das Kohle- und Gaskraftwerk Dadri – etwa 50 Kilometer östlich von Neu-Delhi in der Provinz Uttar Pradesh gelegen – könnte geschlossen werden. Die wohl ungewöhnlichste Maßnahme ist jedoch diese: Die Straßen der Hauptstadt sollen gestaubsaugt werden. Ab dem 1. April sollen alle Hauptverkehrsstraßen so von jeder Art von Staub und Schmutz befreit werden.

Täglich fahren mehr als acht Millionen Autos auf den Straßen der indischen Hauptstadt. Das sorgt bereits seit zehn Jahren für eine sich verschlechternde Luftqualität. Vor allem im Winter ist die Luftverschmutzung besonders hoch, berichtet die Tageszeitung The New Indian Express. Schon zuvor hatte die Stadtregierung von Neu-Delhi alle Autos, die älter als zehn Jahre waren, aus dem Verkehr nehmen lassen.

Ähnliche Maßnahmen hat auch die chinesische Hauptstadt Peking ergriffen, um die Luftqualität zu verbessern. Dennoch lag über Peking vor einigen Tagen wieder eine extreme Smogdecke. Bei einem traurigen Spitzenwert von 560 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft wurden alle Einwohner der Stadt angehalten, ihr Haus nach Möglichkeit nicht zu verlassen.

Allerdings ist Neu-Delhi die Smoghauptstadt der Welt. Eine Studie von Greenpeace Ostasien ergab kürzlich, dass Neu-Delhis Feinstaubwerte von August 2014 bis August 2015 weit über denen von Peking lagen, so die Tageszeitung Times of India.

klimaretter.info/as

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