Bodenatlas gegen Flächenverbrauch

Nach den Meeren sind Böden der größte CO2-Speicher der Welt, sie binden mehr Kohlenstoff als alle Wälder zusammen, leisten somit einen wichtigen Beitrag gegen die Erderwärmung und bedürfen deshalb des besonderen Schutzes. Darauf macht der gerade erschienene "Bodenatlas" aufmerksam, den die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung zusammen mit dem Umweltverband BUND, dem Nachhaltigkeits-Institut IASS in Potsdam und der Monatszeitung Le Monde diplomatique zum Internationalen Jahr der Böden veröffentlicht hat. 

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Böden sind nicht nur wichtig zur Lebensmittelproduktion, macht der "Bodenatlas" klar. Sie filtern auch Regenwasser und schaffen so neues, sauberes Trinkwasser. Und sie regulieren das Klima. (Bild: HBS)

Ähnlich wie der schon in zweiter Auflage erschienene "Fleischatlas" von Böll-Stiftung und BUND bereitet der Bodenatlas mit vielen Daten, Zahlen und Grafiken den Stand der Dinge beim Zustand von Land, Böden und Ackerflächen in Deutschland, Europa und weltweit auf. Und dieser Zustand ist nicht gut. Jahr für Jahr gehen Millionen Hektar fruchtbarer Böden durch erosionsfördernde Intensivlandwirtschaft sowie für Straßen- und Siedlungsbau verloren. Land und Böden werden immer knapper – damit können sie ihre wichtigen Funktionen von der Lebensmittelproduktion bis zur Kohlenstoffsenke immer schlechter erfüllen.

"Ohne den Schutz der Böden wird es nicht möglich sein, eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, die Erderwärmung unter zwei Grad Celsius zu halten und den Verlust der Biodiversität zu stoppen", betonen die Autoren des Bodenatlas. Gestoppt werden müsse der bisherige Trend, dass reiche Länder aus ärmeren Ländern Flächen "importieren", indem dort zum Beispiel Futtermittel für die Massentierhaltung angebaut werden.

Weltgrößter Flächenimporteur ist übrigens die EU. Rund 60 Prozent des Bodens, den die Europäer für Nahrung, Energie und Konsum benötigen, liegen außerhalb des Kontinents. Ein Durchschnittseuropäer braucht 1,3 Hektar Land im Jahr für die Erzeugung der von ihm konsumierten Produkte, sechsmal mehr als einem Bangladescher zur Verfügung stehen. Deutschland importiert sogar Agrarprodukte und andere Verbrauchsgüter, die mit insgesamt knapp 80 Millionen Hektar mehr als das Doppelte der eigenen Landesfläche in Anspruch nehmen.

Mit dem Internationalen Jahr der Böden wollen die Vereinten Nationen für mehr Bodenschutz werben. Es ist Teil der UN-Dekade zur Bekämpfung der Desertifikation. Damit ist die weltweit fortschreitende Wüstenbildung, Versteppung und Bodendegradation gemeint, durch die jährlich etwa zwölf Millionen weitere Hektar fruchtbaren Bodens verloren gehen. Das entspricht ungefähr der gesamten Ackerfläche Deutschlands.

klimaretter.info/vk

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