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Amazonas-Wald droht zu kippen

Regenwälder stabilisieren das globale Klima; sie speichern große Mengen Kohlenstoff und sorgen so für einen natürlichen Kühleffekt. Genau diese Fähigkeit droht der Amazonas-Regenwald zu verlieren. Nach einer Metastudie des brasilianischen Centro de Ciência do Sistema Terrestre (CCST) ist der Wald durch Abholzung bereits so weit geschädigt, dass sich die Auswirkungen klimatisch bemerkbar machen. Als Folge bleiben Regenfälle aus, die Trockenperioden werden länger. Die derzeitige Rekorddürre in Brasilien könnte damit in Zusammenhang stehen, vermutet der Autor der Studie Antonio Nobre.

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Die Agrarsteppe – hier im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso – frisst sich regelrecht in den Wald hinein. Bäume, die zum Waldrand werden, sind stärker gestresst und sterben eher ab, das wurde bei bisherigen Berechnungen unterschätzt. (Foto: Pedro Biondi/ABr/Wikimedia Commons)

Für den Report hat Nobre 200 Studien ausgewertet. Die Ergebnisse sind alarmierend: In den vergangenen 20 Jahren hat der Regenwald 763.000 Quadratkilometer verloren, eine Fläche, die mehr als doppelt so groß ist wie Deutschland. Weitere 1,2 Millionen Quadratkilometer gelten als stark geschädigt ("degradação"). Die Ursachen sind Rodungen für Weideland sowie Waldbrände.

Nachdem die Entwaldung am Amazonas in den vergangenen Jahren zurückgegangen war, steigt sie seit 2013 wieder an. Erst kürzlich hatte zudem eine Untersuchung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig ergeben, dass die Abholzung von tropischen Regenwäldern in Brasilien klimaschädlicher ist als bislang angenommen. Den Effekt des zusätzlichen Biodiversitätsverlustes bezifferten die Leipziger Wissenschaftler auf etwa 600 Millionen Tonnen CO2 in zehn Jahren.

Nobre sieht seinen Report auch als "Weckruf" für mehr Waldschutz und Wiederaufforstung. Die Schädigung des Regenwaldes kann seiner Einschätzung nach zu vermehrten Extremwetterereignissen führen – so wie die derzeitige Jahrhundertdürre in Brasilien. In weiten Teilen des Landes herrscht seit bis zu vier Jahren extreme Trockenheit. Die Wasservorräte werden immer knapper, erste Fabriken schließen, der Schiffsverkehr wird mancherorts eingestellt, Wälder brennen. Besonders betroffen ist die Millionenstadt São Paulo. Die Wasservorräte in Cantareira, einem wichtigen Reservoir des Bundesstaates São Paulo, sind auf vier Prozent zusammengeschrumpft. Mindestens 20 Städte sehen sich mit ähnlichen Problemen konfrontiert.

klimaretter.info/vk

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