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Yasuní: Erdölbohrungen genehmigt

Im Unesco-Biosphärenreservat Yasuní in Ecuador wird bald nach Erdöl gebohrt: Wie das Umweltministerium in Quito am Donnerstag mitteilte, hat der staatliche Erdölkonzern Petroamazonas eine Lizenz für die Bohrungen in den Gebieten Tambococha und Tiputini erhalten. Mit den ersten geförderten Barrel Öl aus Tiputini rechnet das Ministerium ab März 2016. Schon im Januar dieses Jahres hatten die Vorbereitungen für die umstrittene Erdölförderung begonnen, mit Unterstützung des brasilianischen Konzerns Petrobas.

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Bedrohte Artenvielfalt: Mehrere Millionen Barrel Öl befinden unter der Erde des Yasuní Nationalparks. (Foto: ambiente.gob.ec)

2007 hatte das südamerikanische Land die Yasuní-ITT-Initiative ins Leben gerufen und vorgeschlagen, auf die Erdölbohrungen zu verzichten, wenn die internationale Staatengemeinschaft rund 3,5 Milliarden US-Dollar (2,7 Milliarden Euro) in einen Kompensationsfonds einzahlt – die Hälfte des erwarteten Gewinns. Damit sollte der Ausstoß von 400 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr vermieden werden. Das ist in etwa so viel, wie Frankreich im gleichen Zeitraum erzeugt. Da jedoch kaum Gelder in den Fonds flossen, erklärte der ecuadorianische Präsident Rafael Correa im August vergangenen Jahres die Initiative für gescheitert.

Starker Gegenwind kam aus der Bevölkerung. Anfang des Monats lehnte die nationale Wahlbehörde in Ecuador dennoch eine Volksabstimmung gegen die Erdölförderung in dem Nationalpark ab. Von den etwa 750.000 im Rahmen einer Bürgerinitiative eingereichten Unterschriften sollen nur 360.000 gültig gewesen sein. Für ein nationales Referendum sind aber rund 580.000 Unterschriften erforderlich.

1979 wurde Yasuní zum Nationalpark erklärt, um den nahezu unberührten Zustand des Regenwaldes und seine außergewöhnliche Artenvielfalt zu schützen. Unter der Erde werden mindestens 864 Millionen Barrel Öl vermutet. Bei der jetzigen Bekanntmachung sagte Umweltministerin Lorena Tapia, dass in diesem und dem kommenden Jahr sechs Millionen US-Dollar (4,4 Millionen Euro) zur Entwicklung in die Region investiert werden sollen. Derzeit leben dort noch weitgehend isoliert von äußeren Einflüssen indigene Stämme. Regenwälder sind nicht nur extrem artenreich, sie binden auch besonders viel Kohlendioxid und sind deshalb von großer Bedeutung für den Klimaschutz.

klimaretter.info/kir

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