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Bodenschutz kommt zu langsam voran

Die Bundesregierung hat am heutigen Mittwoch ihren dritten Bodenschutzbericht vorgelegt. Bei der Verringerung von Schadstoffbelastungen in Böden sind demnach Fortschritte erzielt worden. Andererseits nahmen die Bodenerosion durch Wasser und Wind, der Flächenverbrauch und die Bodenverdichtung weiter zu. Auch der klimaschädliche Humusschwund geht weiter. Der Bericht warnt, dass die Böden ihre Aufgaben im Ökosystem nicht mehr ausreichend erfüllen können, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden.  


Straßen- und Siedlungsbau sorgen noch immer für "Flächenfraß" in Deutschland. Von einer Politik zur Verkehrsvermeidung ist nichts zu sehen. (Foto: Kira Nerys/Wikimedia Commons)

Fortschritte sieht der neue Bodenschutzbericht beim Flächenverbrauch, also der Inanspruchnahme von immer neuen Arealen und Naturgebieten für Siedlungen und Verkehr. Laut Bericht ist der Flächenverbrauch von 129 Hektar pro Tag im Jahr 2000 auf 81 Hektar im Jahr 2011 zurückgegangen. Die Bundesregierung will bis 2020 auf 30 Hektar pro Tag kommen

Gesunken ist dem Bericht zufolge auch die Menge des in Böden angereicheren Stickstoffs. Das Ziel der Biodiversitätsstrategie, die Stickstoffüberschüsse der Landwirtschaft in der jährlichen Gesamtbilanz bis 2010 auf 80 Kilogramm pro Hektar zu reduzieren, wurde jedoch mit 95 Kilogramm deutlich verfehlt. 1991 seien es allerdings noch 131 Kilogramm pro Hektar gewesen, so der Bodenschutzbericht. Insgesamt gab es aber kaum Bewegung im Sinne einer Agrarwende, um die industrielle Landwirtschaft zugunsten bodenschonender und klimafreundlicher Methoden zurückzudrängen

Der Bundestag hatte im Jahr 2000 von der Bundesregierung einen Bericht über die Fortschritte im Bodenschutz in jeder Legislaturperiode gefordert. Die ersten beiden Berichte waren 2002 und 2009 erschienen. Der Bodenzustand in Deutschland wird in einem gesonderten Bericht des Umweltbundesamtes dargestellt. 

Böden sind Lebensgrundlage und Lebensraum für Menschen, Tiere, Pflanzen und Bodenorganismen. Gleichzeitig sind sie der drittgrößte Kohlendioxidspeicher nach den Ozeanen und den fossilen Energieträgern. Böden sind empfindliche Systeme und für viele Formen von anthropogenen Belastungen anfällig. Veränderungen laufen meist sehr langsam ab und sind nur schwer erkennbar, eingetretene Schäden können oft nur in geologischen Zeitmaßstäben oder gar nicht mehr behoben werden. Im Januar hatten Wissenschaftler gefordert, die Zersplitterung bei der Bodenschutzforschung in Deutschland zu überwinden. Bei Bodenschutzexperten und Umweltverbänden steht die Bundesregierung auch deshalb in der Kritik, weil sie in der EU seit langem eine Bodenschutzrichtlinie blockiert.

klimaretter.info/mb

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