"Carbon Cowboys" unter Beschuss

Yagua-Indigene aus dem Amazonasgebiet haben auf einer Pressekonferenz im peruanischen Iquitos von den Behörden Schutz vor betrügerischen Waldschutz-Verträgen zur CO2-Reduzierung verlangt. Wie das katholische Nachrichtenportal Blickpunkt Lateinamerika berichtet, sind allerdings Regierungsfunktionäre sogar dabei gewesen, als im Oktober 2011 ein Vertrag mit der Hongkonger Firma des Australiers David Nilsson unterzeichnet wurde. Nilsson gilt als sogenannter "Carbon Cowboy", weil er die Idee der Inwertsetzung von Kohlenstoffspeicherung für abenteuerliche Geschäfte nutzt: Er versprach dem Bericht zufolge armen indigenen Gemeinden tausende US-Dollar sowie Arbeit, Bildung und Gesundheitsversorgung, wenn diese ihren Wald dem UN-Waldschutzprogramm REDD zur Verfügung stellen. 


Ein "Carbon Cowboy" hat den Yagua in Peru große Versprechungen gemacht, wenn sie ihm ihren Wald überlassen: Ein Yagua demonstriert Touristen auf einer Amazonas-Insel bei Iquitos die Anwendung des Blasrohrs. (Foto: Jialiang Gao/Wikimedia Commons)

REDD steht für "Reducing Emissions from Deforestation and Degradation", auf Deutsch etwa: Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und zerstörerischer Waldnutzung. Beim REDD-Programm sollen den in Wäldern gespeicherten Kohlenstoffmengen monetäre Werte zugewiesen und mit diesen Werten wie mit Emissionsrechten gehandelt werden. Nilsson hatte den Vertrag, der gleich für 100 Jahre gelten soll, auf Englisch abgefasst, Kopien erhielten die Dorfbewohner nicht. Wie das australische Fernsehen aufdeckte, versuchte Nilsson später die Verträge zu verkaufen, damit auf dem Land Palmölplantagen angelegt werden können.

Während die peruanischen Yagua noch uneins sind, ob sie die dubiosen Verträge anfechten sollen, steigt der Dachverband der Indigenen Panamas, Coonapip, jetzt aus dem REDD-Programm aus. Auch Coonapip fordert staatlichen Schutz vor dem Programm, das sowohl die UN-Regeln als auch panamaische Gesetze missachte. UN-Funktionäre und Regierungsvertreter hätten an dem Dachverband vorbei mit Gemeindemitgliedern verhandelt und durch finanzielle Versprechen eine Spaltung der Indigenen bewirkt. Es habe Konsultationen gegeben, die eine Privatisierung der panamaischen Wälder zur Folge hätten. Ein Durchführungsplan der Coonapip mit Garantien und Schutzmechanismen sei behindert worden. Coonapip will nun bei den UN-Klimakonferenzen und internationalen Gremien rechtliche Garantien für seine indigenen Völker erreichen, berichtet Blickpunkt Lateinamerika.

An privatwirtschaftlich orientierten Waldschutzprogrammen gibt es immer wieder Kritik. Ebenfalls im Februar war ein interner Bericht der Weltbank bekannt geworden, wonach die Waldstrategie der Bank in zehn Jahren kaum Erfolge gebracht hat. Gleichwohl gilt der Schutz der Wälder, vor allem in den Tropen, als Schlüsselstrategie zur Bekämpfung des Klimawandels. 

klimaretter.info/mb

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