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Argentinien beschlagnahmt Chevron-Vermögen

Argentinien beschlagnahmt zwei Milliarden Dollar des US-Konzerns Chevron wegen Umweltschäden in Ecuador. Anfang vergangenen Jahres war der US-Energieriese wegen Umweltvergehen bei der Ölförderung im ecuadorianischen Amazonasgebiet verklagt und zu einer Strafe von 19 Milliarden Dollar verurteilt worden. Chevron jedoch weigerte sich zu zahlen, obwohl der Einspruch des Konzerns gegen das Urteil des Provinzgerichts von Lago Agrio am Obersten Gerichtshof der USA abgelehnt wurde und Anfang dieses Jahres das Urteil auch in einer zweiten Instanz in Ecuador bestätigt wurde. Seitdem versuchen ecuadorianische Fahnder das Geld weltweit einzutreiben. In Argentinien wurden die Fahnder nun fündig, denn in Ecuador selbst besitzt der Ölmulti nur Werte in Höhe von 200 Millionen Dollar.


Chevron fühlt sich nicht in der Verantwortung. 2001 hatte der Konzern Texaco gekauft. Die Schäden am Amazonas zwischen 1964 und 1990, bei denen bis zu 30.000 Menschen, hauptsächlich Indigene, in Mitleidenschaft gezogen wurden, seien daher nicht Chevrons Angelegenheit. (Foto: theneweraofresponsibility.com)

Mit der Konfizierung des Vermögens und dem Einfrieren des Aktienkapitals inklusive Dividenden leistet Argentinien die erbetene Rechtshilfe für Ecuador. Auch Anteile an Pipelines, Bankguthaben und Einkünfte aus dem Ölverkauf sollen beschlagnahmt werden. Doch der damalige ecuadorianische Kläger-Anwalt Pablo Fajardo will weit mehr: Die Aktiva von Chevron sollen auf der ganzen Welt verfolgt werden, bis der letzte Cent des Urteils in Ecuador kassiert ist. Der Anwalt der Kläger in Argentinien, Enrique Bruchou, sprach von einer richtungsweisenden Entscheidung: "Was wir der Welt vermitteln, ist, dass wir in Lateinamerika von jedem Unternehmen, das hierher kommt, um unsere Bodenschätze zu fördern, verlangen, dass es denselben Umweltschutz- und Gesundheitsmaßgaben folgt, wie sie das in ihrem Ursprungsland tun", zitierte ihn das Magazin Telepolis.

Chevron hingegen sieht in dem Vorgehen "ein weiteres krasses Beispiel für die politische Schieflage und die Korruptheit der ecuadorianischen Justiz". Das Urteil aus Ecuador sei "illegal und Produkt eines Betrugs". Auch habe man keine Kenntnisse von der Pfändung in Argentinien und würde dort sowieso keine Aktiva besitzen, teilte Konzernsprecher James Craig mit. Ohnehin lägen die Umweltschäden, die zwischen 1964 und 1990 am Amazonas festgestellt worden seien, in der Verantwortung des Ölkonzerns Texaco. Allerdings war Texaco 2001 von Chevron übernommen worden.

Die Umweltverschmutzungen, die Anlass der Klage gegen Chevron waren, betreffen eine Fläche von 500.000 Hektar Regenwald in der Provinz Sucombios am nordwestlichen Amazonas. Schlecht entsorgtes Öl und vergiftetes Wasser haben hier nach Ansicht von Ökologen und Juristen bis zu 30.000 Menschen geschädigt und sollen auch Krebserkrankungen ausgelöst sowie Indianergemeinschaften dezimiert haben. Das Geld soll für ihre Entschädigung verwendet werden.

klimaretter.info/vana

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