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Alte Buchenwälder in Gefahr?

Greenpeace beschuldigt die bayerischen Staatsforsten (BaySF) im Spessart alte Buchenwälder abzuholzen - trotz eines Einschlagstopps für Buchen, die mehr als 180 Jahre alt sind. Die Umweltorganisation begründet ihre Behauptung mit Forstkarten aus den Jahren 1991 und 1992. Diese zeigen detailliert das Alter und die Lage der Wälder in einigen Forstrevieren des Spessarts, etwa im Rothenbuch. Dort stehen laut Kartenangaben Bäume mit einem Alter von 183 Jahren. "Doch diese sind nun frisch gekennzeichnet, um im Winter gefällt zu werden", so Martin Kaiser, Wald- und Klimaexperte bei Greenpeace. "Die Forstkarten beweisen also, dass der Vorstand der bayerischen Staatsforsten alte Buchenwälder vernichten will und so gegen das eigene Naturschutzkonzept verstößt."


Die Bayerischen Staatsforsten haben laut Greenpeace alte Buchen im Spessart zum Fällen freigegeben. (Foto: Niedersächsische Landesforsten)

Mit dieser Sichtweise sind die Bayerischen Staatsforsten nicht einverstanden. Auf Nachfrage von klimaretter.info behaupten sie, dass es sich bei dem von Greenpeace aufgeführten "Wald in der Nähe von Rothenbuch" nicht um einen Klasse 1-Waldbestand handele, sondern vielmehr um einen so genannten Klasse 2-Wald. "Eine solche Einteilung von Wald in verschiedene Klassen stellt keine gesetzliche Schutzkategorie dar, sondern lediglich eine interne, naturschutzfachliche Richtlinie", sagt Philipp Bahnmüller, ein Sprecher der BaySF. Es gebe deshalb keinen Automatismus, dass jeder über 180-Jahre alte Buchenbestand zu einem Klasse-1-Waldbestand werden muss und damit unangetastet bleibt. Das Fazit der Staatsforsten: Sie planen in dem Waldgebiet eine "maßvolle Nutzung in Höhe des laufenden Zuwachses von cirka 50 Erntefestmeter je Hektar bei einem Vorrat von knapp 240 Erntefestmetern je Hektar." Damit könne von einer kompletten Abholzung nicht die Rede sein.

Greenpeace hat seine Argumente samt der alten Karten im Internet veröffentlicht - die Aktion ist zugleich der Schlusspunkt des zweiten Waldcamps der Organisation im bayerischen Spessart. Während der vergangenen drei Wochen haben dort cirka 50 Aktivisten mehr als 13.000 Bäume über 50 Zentimeter Durchmesser vermessen und mit GPS lokalisiert. Greenpeace will damit, auch unter Zuhilfenahme von Luftbildern, ausgewählte Waldbestände vor Ort kontrollieren und kartografieren - und im besten Fall vor der Abholzung bewahren.

klimaretter.info/bb

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