Land unter in New York City
Die Millionenmetropole an der US-amerikanischen Ostküste sieht sich laut einer Studie zukünftig ernsthaft mit den Auswirkungen des Klimawandels konfrontiert. Der "ClimAID" Report zeichnet ein düsteres Bild. "Die Folgen sind bereits im nächsten Jahrzehnt zu spüren", so eine bundesstaatliche Behörde. Bürgermeister Michael Bloomberg zeigt sich beunruhigt. Die Stadt muss sich auf eine Vielzahl von Herausforderungen einstellen, denn die "Risiken und Auswirkungen des Klimawandels auf New York City sind enorm".
Von Tony Stuemer
Die bundesstaatliche Behörde New York State Energy Research and Development Authority hat in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern dreier Universitäten eine Studie zu den Risiken und Auswirkungen des Klimawandels auf den Staat New York erarbeitet. Die Ergebnisse des "ClimAID" Reports sind besonders für die Bewohner von New York City besorgniserregend. Demnach könnten Hurricanes und tropische Wirbelstürme wie Hurricane Irene, der New York City im August diesen Jahres traf, in den nächsten Jahrzehnten häufiger auftreten und deutlich schwerer ausfallen. Die Stadt sei ebenso bedroht von der langfristigen Tendenz des Meeresspiegelanstiegs, da viele Teile, darunter Lower Manhatten, fast auf Meeresspiegelniveau liegen.

New York City - Blick vom Rockefeller Center auf Manhattan. (Foto: jerryfergusonphotography)
"Die Risiken und Auswirkungen (auf New York City) sind enorm. Viele bewohnte Stadtgebiete würden mit einem Anstieg des Meeresspiegels unbewohnbar werden", so Art deGaetano, einer der führenden Wissenschaftler der Studie von der Cornell University. Man rechne mit einem Anstieg des Wasserspiegels von bis zu 25 Zentimetern bis in die Mitte der 20er Jahre, abhängig von der Geschwindigkeit der polaren Eisschmelze. Laut den Berechnungen der Wissenschaftler könnte der Anstieg bei einer rapiden Schmelze im Jahr 2050 rund 76 Zentimeter und 2080 sogar bis zu 1,3 Metern betragen. Über eine halbe Million Menschen leben in den von Fluten bedrohten Ebenen. Bei den meisten handelt es sich um Latein- und Afroamerikaner.
"U-Bahn Tunnel wären davon betroffen sowie die beiden Flughäfen Kennedy und LaGuardia, die beide auf Meeresspiegelniveau liegen. Zudem handelt es sich bei den niedrig gelegenen Stadtteilen um die Geschäftsviertel der Stadt", sagt deGaetano. Hochwässer bringen jedoch nicht das einzige Gefahrenpotenzial. Die steigenden Jahresmitteltemperaturen könnten Wetter und Witterung spürbar beeinflussen. Man müsse sich auf heißere Sommer, verschneitere Winter und eine große Spannweite von Auswirkungen einstellen, berichtet Climate Science Watch in Anlehnung an die Studie.
"Erwärmung und Hitze sind im ganzen Bundesstaat spürbar. Das bedeutet Schaden und Chaos für Wein- und andere agrarwirtschaftliche Industrien", schlussfolgert der Guardian. In der Stadt ist bei größerer Hitze im Sommer eine enorme Energienachfrage für Klimaanlagen und anderen Kühlungsmaschinerien zu erwarten. Tatsächlich bedeutet dies Mehrausgaben für die Bevölkerung. Wer es sich nicht leisten kann, setzt sich einem gesundheitlichen Risiko aus. Die Wahrscheinlichkeit von Herzattacken nimmt zu. Ohnehin steigt aus biometeorologischer Sicht die gesundheitliche Bedrohung. Die Sommer 2003 und 2010, Hitzerekordjahre in Deutschland, verdeutlichen durch den rasanten Anstieg der sogenannten Mortalitätsrate die Gefahr durch Hitze für den menschlichen Körper.

NASA-Aufnahme des Hurricane "Irene" über New York City vom August 2011. Häufigkeit und Intensität solcher Stürme könnten die Stadt zukünftig mit einer Vielzahl von Problemen konfrontieren. (Foto: NASA/NOAA GOES Project)
Der Report habe bei dem republikanischen New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg große Beunruhigung hervorgerufen, schreibt der Guardian. Bloomberg soll bereits eine weitere Studie in Auftrag gegeben haben. Die Ergebnisse seien vor allem an die Politik und Städteplanung adressiert, die nun "zu einem Umdenken bei infrastrukturellen Fragen gezwungen sind", so deGaetano weiter.
Der "ClimAID" Report konturiert daneben die Auswirkungen auf Flora und Fauna des Bundesstaates New York. Man rechne mit dem Verlust regional heimischer Baumarten in bestimmten Teilen des Staates. Hitzestress für Nutztiere wie Kühe und Wildtiere sind ebenso zu erwarten wie der Rückgang der Apfelsortenvielfalt, so die Studie. Der am 18. November erscheinende UNO-Report zum Klimawandel wird das für New York düstere Szenario aller Voraussicht nach stützen. Bei Spiegel Online sind bereits einige Fakten des genannten Reports einsehbar.
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 20 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Rezension
Die Übermacht der fossilen Industrie In Bonn wird auf der UN-Frühjahrstagung gerade wieder über das Klima verhandelt. Ein umweltverträglicher Kapitalismus ist jedoch nicht abzusehen. Aber auch die Kritiker tun sich schwer - ihnen fehlen die Alternativen. Eine Rezension von Felix Werdermann [mehr...]
Meinungen: Standpunkte
"Altmaier muss die Energiewende retten" Nun ist es amtlich: Der Bundespräsident hat Norbert Röttgen (CDU) entlassen und Peter Altmaier (CDU) seine Ernennungsurkunde zum Umweltminister überreicht. Dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nun einen ihrer engsten Vertrauten für das Projekt Energiewende ins Rennen schickt, ist wichtig für die Kontiunität der Energiewende und für das Kräftespiel zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium, findet klimaretter.info-Herausgeber Gero Lücking. [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache
DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13
Facebook Empfehlungen
klimaretter.info auf Twitter
klimaretter.info Newsfeed





Die bislang vorliegenden Reduktionsziele führen zu einer Erwärmung von 3 bis 3,4 Grad, sagt der Züricher Klimaforscher und IPCC-Autor Andreas Fischlin im Gespräch mit klimaretter.info. "Wir entscheiden über unser Schicksal hier und jetzt". Interview: Christian Mihatsch
Wirbelsturm forderte in den USA und Kanada mindestens 40 Menschenleben. Schäden in Milliardenhöhe
Der Wirbelsturm hat in der Millionenmetropole weniger starke Schäden verursacht als befürchtet. Teile der Stadt waren überflutet, das Nahverkehrssystem wurde komplett eingestellt, angeblich waren 100.000 New Yorker ohne Strom.
Wenn auf der diesjährigen Weltklimakonferenz im südafrikanischen Durban Anfang Dezember keine zweite
Verpflichtungsperiode oder eine andere Vertragsregelung gefunden wird, wird der internationale Klimaschutz auf den Stand von 1997 zurückgeworfen. In einer Serie beleuchtet klimaretter.info, was dies bedeutet. Teil 1 unseres Durban-Countdown: Der Stand der Wissenschaft, erläutert vom Potsdamer Klimaforscher Prof. Stefan Rahmstorf.
Zwei-Grad-Ziel reicht nicht, sagen Wissenschaftler des PIK. Neue Erkenntnisse zeigen: Weltmeere speichern höhere Temperaturen weit länger als bisher gedacht
Nature Geoscience: Europäische Alpen könnten von Gletscherschmelze stärker betroffen sein als jede andere Region
Arktischer Rat korrigiert die "konservativen" Rechnungen des IPCC zur Eisschmelze
Die Anfälligkeit der thailändischen Megametropole für Klimakatastrophen ist seit Jahren bekannt. Doch Maßnahmen, um die latente Überschwemmungsgefahr zu bannen, sind ausgeblieben und wichtige Abflusskanäle wurden einfach zugeschüttet. Nun heißt es im sinkenden 'Venedig des Ostens' wieder einmal 'Stadt unter'. Ein baldiges Abfließen des Hochwassers ist nicht in Sicht.
Zwischenbilanz der Welt-Artenschutzkonferenz im japanischen Nagoya: Ein Baum im Wald ist wertlos. Zu Zahnstochern weiterverarbeitet, findet er hingegen Eingang ins Bruttoinlandsprodukt. Dadurch kommt es zu Fehlentscheidungen.
Für den anstehenden 5. Sachstandsbericht des IPCC hat das Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie zusammen mit dem Deutschen Klimarechenzentrum ein neues und präziseres Klimamodell entwickelt. Demnach gibt es Anlass zu vorsichtigem Optimismus - falls die weltweiten Treibhausgas-Emissionen schnell und "drastisch" reduziert werden.
Von Afghanistan bis Zypern: Wer wenig zur Erderwärmung beiträgt - aber am stärksten leiden wird
Die Opposition in Ägypten hat zum "Marsch der Millionen" gegen Staatspräsident Hosni Mubarak aufgerufen. Die künftige Regierung des Landes wird sich mit einem existentiellen Problem auseinandersetzen müssen: Die Produktion von Lebensmitteln kann mit dem Bevölkerungswachstum nicht mithalten.
Kieler Wissenschaftler wollen mit dem "World Ocean Review" Folgen des Klimawandels für das größte Ökosystem des Planeten aufzeigen
Nepalesische Forscher weisen schnelle Eisschmelze nach und appellieren an die Klimakonferenz in Durban
Wissenschaftler korrigieren Aussagen auf Grundlage neuer Messmethoden. Dennoch kein Grund zur Entwarnung



