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Land unter in Italien

Sintflutartige Überschwemmungen haben Italien, Südfrankreich und Spanien heimgesucht. Es gab Todesopfer und es anstanden schwere Schäden an Häusern und Infrastruktur. Der Kasseler Verkehrs- und Umweltforscher Professor Helmut Holzapfel berichtet im Interview mit klimaretter.info über die Ursachen und nötige Anpassungsmaßnahmen - und zieht Folgerungen auch für Deutschland.

Helmut Holzapfel ist Verkehrswissenschaftler und Stadtplaner an der Universität Kassel. Er ist beteiligt am deutschlandweiten Forschungsprojekt "Klimzug", das sich mit Maßnahmen der Klimaanpassung befasst. Der Klimzug-Verkehrsbereich stellt seine Ergebnisse am 1. Dezember in Kassel vor.

klimaretter.info: Herr Holzapfel, in Italien ist Land unter, nicht nur politisch, sondern auch wegen der ungewöhnlich schweren Unwetter dort. Sie waren jetzt im Zentrum des Krisengebietes in Norditalien als Gastprofessor an der Universität Alessandria. Starke Regenfälle sind in der Region im Herbst nicht ungewöhnlich...

Aber diesmal war es wirklich extrem. Ein erschreckendes Desaster! Die Unwetter haben nicht nur Menschenleben gekostet, sondern auch erhebliche Schäden an Häusern, Straßen, Bahnlinien und Stromtrassen angerichtet. Das zu reparieren wird die Bürger und den Staat viel Geld kosten – und das mitten in der Finanzkrise. 

klimaretter.info: Sagen Sie: Ist das der Klimawandel?

Es ist unmöglich, einzelne Ereignisse wie diese Extremniederschläge dem Klimawandel zuzuschreiben. Allerdings hat es nach Aussage der italienischen Experten in Norditalien Regenfälle wie aktuell dort seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gegeben. 

klimaretter.info: Welchen Einfluss hat der zunehmende Verkehr?

Studien belegen, dass der Anteil des Verkehr am weltweiten CO2-Ausstoß stark wächst. Die erhöhte Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre ist fraglos mit verantwortlich für die häufigeren Extremwetterereignisse. Aber der Verkehr hat noch eine weitere negative Wirkung: Die betonierten Verkehrstrassen in den Tälern in Norditalien sind eine der Ursachen dafür, dass das Regenwasser schnell abfließt. Das verstärkt die Überflutungen.

klimaretter.info: In der Klimadebatte spielt die Gefahr, dass der Verkehr durch den Klimawandel gefährdet - und teurer - werden könnte, kaum eine Rolle.

Das aber genau zeigt sich in Norditalien: Das Logistik-Zentrum Genua mit seinem wichtigen Hafen etwa war über mehrere Tage unbrauchbar, Industrieanlagen lagen still, der private Personenverkehr war ebenfalls untersagt. Auch direkt hat es viele Autos erwischt, geparkte Pkw wurden vom Wasser mitgerissen und zu Stapeln aufeinander geschoben... 

klimaretter.info: Könnte man nicht besser vorsorgen?

Eben das ist teuer: Verkehrstrassen in Norditalien gehen wegen der Topografie oft über Brücken. Hier sind die Pfeiler das Problem - an ihnen stauen sich Holz und anderes mitgerissenes Material. Die Brücken werden zum Damm, und die darüber führende Straße zum Wasserlauf. Viele dieser Brücken müssten umgebaut, nämlich mit größeren Spannweiten und möglichst wenig Pfeilern über die Flussläufe geführt werden. Das wäre nur eine erste Notmaßnahme. Zudem braucht es Rückhalteräume, von denen das Wasser langsam abfließt, und die Entsiegelung zubetonierter und -asphaltierter Flächen. Das kostet viel Geld, ist aber immer noch billiger als immer wieder Schäden an Häusern und Infrastruktur zu bezahlen. 

klimaretter.info: Was heißt das für uns?

Die große in Flut Sachsen 2002 haben viele von uns schon vergessen. Auch Mittelgebirgslagen wie der Harz oder Nordhessen kann es treffen. Auch hier werden solche Wetterextreme häufiger. Die Absicherung wird wichtiger. Der Rückversicherer Munich Re hat bereits Computerprogramme erstellt, die die deutschen Straßen etwa nach ihrer Überschwemmungsgefahr bewerten, um sich auf die steigenden Klimarisiken vorzubereiten. Wir müssen uns darauf gefasst machen, dass mehr Extremwetter kostspielige Schutzmaßnahmen nötig macht – ob Industriestandort, Logistikknoten oder sonstige Infrastruktur. 

klimaretter.info: Ein Argument für mehr Klimaschutz?

Natürlich. Wenn die braune Schlammbrühe gesehen hat, die überall herumschwappt, die gigantischen Schäden und die verzweifelten Menschen, wird nochmal klar: Die Menschheit muss dringend auf die CO2-Bremse treten.


Die braune Schlammbrühe kostete Menschenleben und verursachte erhebliche Sachschäden. (Foto: flickr)

Interview Joachim Wille

 

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