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Thailands Politiker streiten in der Flut


Die Flut in Thailand gilt als "nationale Krise", schon mehr als 500 Menschen verloren ihr Leben. Doch den Politikern gelingt es nicht, in den Krisenmodus zu schalten. Statt die Reihen zu schließen, geht der Streit zwischen den "Gelben" und "Roten" weiter, das Gemeinwohl fällt ins Wasser. 

Aus Bangkok Christian Mihatsch

Die Überschwemmungen in Thailand haben mittlerweile 529 Menschenleben gefordert und gigantische wirtschaftliche Schäden verursacht. Nachdem die Nationalbank Ende Oktober die Wachstumsprognose für den südostasiatischen Tigerstaat bereits von 4,1 auf 2,6 Prozent gesenkt hatte, steht Ende November eine weitere Absenkung bevor. Denn jeden Tag steht ein größerer Teil der 10-Millionen-Metropole Bangkok unter Wasser.


Wegen der steigenden Fluten sind jetzt Versorgungsengpässe die Folge. (Foto: KRA)

Damit leidet zunehmend auch die Tourismusindustrie. In der ersten Novemberwoche sind knapp ein Viertel weniger Touristen gekommen als in der Vorwoche, wie der Bangkoker Flughafen mitgeteilt hat. Nach der Landwirtschaft und der (Export-)Industrie nimmt nun also auch Thailands drittwichtigster Wirtschaftszweig erheblichen Schaden durch die Flutkatastrophe.

Phuket und anderen beliebte Touristenziele stehen zudem vor Lieferengpässen - auch bei Lebensmitteln. Am Mittwoch wurden Teile der Schnellstraße Rama II im Westen Bangkoks überschwemmt, nun erreicht das Wasser auch die zentrale Autobahn Richtung Süden. Wird die Straße überflutet, ist der wichtigste Lieferweg passé. 

Politiker jeder Couleur werden daher nicht müde, die Überschwemmungen als "nationale Krise" zu bezeichnen. Doch dieser Einsicht folgen keine Taten. Denn es gelingt den Politikern nicht, die Innenpolitik und den erbitterten Parteienstreit hinter sich zu lassen, und gemeinsam das Land aus dem Sumpf zu ziehen, der sich immer noch über 24 von 77 Provinzen erstreckt.

Notorisch ist mittlerweile der Streit zwischen der "roten" nationalen Regierung und der "gelben" Stadtregierung von Bangkok. Am letzten Wochenende kam es schliesslich zum Showdown: Bangkoks Bürgermeister Sukhumbhand Paribatra drohte nicht länger mit dem nationalen Flood Relief Operations Command (Froc) zu kooperieren, wenn er nicht zusätzliche Wasserpumpen geliefert kriegt.

Betrachtet man die "Grosse Flut von 2011", wie die Krise mittlerweile in Thailand heisst, als Test für das politische System, drängt sich ein Vergleich mit den europäischen Ländern auf, die mit der Schuldenkrise kämpfen. Hier steht auf der einen Seite Portugal. Dort herrscht ein nationaler Konsens zwischen den grossen Parteien, dass die Staatsfinanzen saniert und die Wirtschaft reformiert werden müssen. Anders in Griechenland. Dort boykottiert die Opposition bislang jeden Versuch der Regierung, ein gemeinsames Programm zur Bewältigung der Krise zu verabschieden. Während die portugiesischen Politikern angesichts der Krise die Reihen geschlossen haben, sind den griechischen Politikern persönliche Animositäten und parteipolitische Taktik noch immer wichtiger als das Gemeinwohl. Ähnlich ist es in Thailand. Der erbitterte Streit zwischen den "Gelben" unter dem ehemaligen Premierminster Abhisit Vejjajiva und den "Roten" unter Premierministerin Yingluck Shinawatra vergiftet das Wasser, das Allen längst bis zum Hals steht.


Auf den Brücken gefangen - Straßenszene aus Bangkok. (Foto: Stephan de Diego)

Die Konfusion an der Spitze des Staates birgt die Gefahr, dass die Menschen vor Ort den Kampf gegen das Wasser in ihrer Nachbarschaft selbst in die Hand nehmen. So haben die Anwohner verschiedener Schleusen oberhalb von Bangkok deren Öffnung erzwungen. Sie erhoffen sich, dass dadurch das Wasser schneller abfliesst. In Bangkok drohen nun aber zwei weitere Inustrieparks den Wassermassen zum Opfer zu fallen. Und selbst die Deiche, die Bangkoks Trinkwasserkanal schützen, wurden mehrfach beschädigt. Anwohner wollen diesen Kanal nutzen, um das Hochwasser in ihren Häusern abzuleiten und riskieren damit, dass verdrecktes Flutwasser Bangkoks Trinkwasser verunreinigt. Die Unfähigkeit der Politiker, angesichts der Katastrophe Prioritäten zu setzen, spiegelt sich so in den Handlungen einzelner Bürger.

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