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Der Mann, der die Wüste aufhielt

Der Klimawandel lässt nicht nur den Meeresspiegel steigen und führt damit zum Verlust von Lebensräumen. Er treibt auch die Wüstenbildung voran und verringert die Nutzflächen für den Nahrungsanbau. In der Sahelzone versuchen Bauern mit einfachen Mitteln, ihr Land zu retten. Einer von ihnen hat einen Wald wachsen lassen.

Aus Burkina Faso Mantoe Phakathi (IPS)

Yacouba Sawadogo ist nur ein einfacher Bauer, doch hat er seinem Dorf im Nordwesten von Burkina Faso einen elementaren Dienst erwiesen. "Der Mann, der die Wüste aufhielt" rettete die Böden von Gourga vor der Verödung. Als er vor 30 Jahren damit begann, auf seinem Land Bäume zu pflanzen, hielt man ihn für verrückt. Doch inzwischen kehren die Menschen in den Ort zurück, aus dem sie die vorrückende Wüste vertrieben hatte. Auch Umweltexperten und Wissenschaftler kommen nach Gourga, um das Wunder zu bestaunen, das Sawadogo mit seiner Familie vollbracht hat.


Dort, wo heute Wald ist, breitete sich vor 30 Jahren noch die Wüste aus. (Foto: Filmtrailer "The Man who Stopped the Desert")

Ursprünglich war es dem Bauern darum gegangen, das unfruchtbar gewordene Land durch eine nachhaltige Nutzung des Regenwassers zu regenerieren. Er erkannte, dass die von den Ureinwohnern traditionell angelegten Wasserlöcher viel zu klein waren, um ausreichend Regenwasser zu speichern. So hub er größere Löcher aus. Darüber hinaus begann er damit, das Land zu bewalden. "Als ich die ersten Bäume pflanzte, dachten alle, ich sei verrückt geworden", berichtete der in die Jahre gekommene Farmer auf der zehnten Vertragsstaatenkonferenz der UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD), die vom 10. bis zum 21. Oktober im südkoreanischen Changwon tagte.

Die Bäume sind mittlerweile zu einem 15 Hektar großen und artenreichen Wald zusammengewachsen. Das Experiment macht Schule in der dürregeplagten Sahelzone, die sich über eine Länge von 1.000 Kilometern vom Atlantischen Ozean bis zum Roten Meer erstreckt. "Agraringenieure können eine Menge von Sawadogo lernen", sagt Chris Reij vom Centre for International Cooperation. "Hätte Yacouba die Möglichkeit gehabt, zur Schule zu gehen, wäre er sicher Professor geworden", meinte er schmunzelnd. "Wissenschaftler besuchen ihn, um von seinem Wissen zu profitieren." Reij zufolge konnte eine Vielzahl kostspieliger Großprojekte das Problem der Wüstenbildung nicht lösen. "So waren es die kleinen Bauern, denen das gelang, woran globale Agenturen gescheitert sind."


Yacouba Sawadogo ist heute ein angesehener Mann in der Region. (Foto: Filmtrailer "The Man who Stopped the Desert")

Auch UNCCD-Exekutivsekretär Luc Gnacadja unterstrich die Rolle der Kleinbauern bei der Begrünung Afrikas. Ihre besonderen Methoden müssten endlich gewürdigt werden. Immerhin hätten sie in Afrika mit Wiederaufforstungsmaßnahmen und der Verwendung von natürlichen Düngemitteln mehr als sechs Millionen Hektar erodiertes Land wieder urbar gemacht. Er forderte die Regierungen zu einer verstärkten Unterstützung der Farmer auf.

Mohamed Bakarr von der Globalen Umweltfazilität (GEF), die seit 1991 Umweltschutzprojekte in Entwicklungsländern fördert, kann dem nur zustimmen. Indigene wie Sawadogo hätten bewiesen, dass sich auch mit wenig Geld Großes erreichen lasse. "Jede Politik, die Menschen das Recht auf Land und Bäume abspricht, ist kontraproduktiv", warnt er. GEF hilft afrikanischen Regierungen dabei, die nötigen Voraussetzungen für eine wirksame Bekämpfung der Desertifikation zu schaffen.


Vor 30 Jahren wurde Sawadogo für seine Pläne noch verlacht. (Foto: Filmtrailer "The Man who Stopped the Desert")

Sawadogo ist es zwar gelungen, Gourga zu retten, doch nun droht ihm der Verlust von Land und Wald. Weil er keine regulären Landtitel besitzt, soll das Traditionsland nach dem Willen der burkinischen Regierung nun für ein Entwicklungsvorhaben verwendet werden. Die Bauarbeiten sind bereits angelaufen. Der neue staatliche Landbebauungsplan sieht unter anderem den Bau eines Hauses auf dem Grab von Sawadogos Vater vor. Diese Aussicht empört den Wüstenbezwinger ebenso wie der bevorstehende Verlust seines mühsam geschaffenen Waldes. Verhindern lässt sich das Projekt nur, wenn er sein Land 'zurückkauft'. Allein für den Wald verlangt die Regierung 100.000 Euro.

Aus Yacouba Sawadogos Geschichte hat der Regisseur Mark Dodd einen preisgekrönten Film gedreht. "Der Mann, der die Wüste aufhielt" (The Man who Stopped the Desert) lautet seinTitel.

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