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Ein Teil Bangkoks wird geopfert

Vor einigen Tagen hieß es noch, das Schlimmste sei vorbei: eine Fehleinschätzung. Denn nun will die Thailands Regierung Teile Bangkoks fluten - in der Hoffnung, so zumindest die Innen- und Altstadt retten zu können.

Aus Bangkok Christian Mihatsch

Die gigantischen Wassermassen in Thailands Hochwassergebieten fließen langsam Richtung Meer. Doch kurz vor der Mündung des Chao Phraya liegt Bangkok, das dem abfließenden Wasser den Weg versperrt. Die Thai-Regierung versucht daher, das Wasser westlich und östlich um die Stadt herumzuführen. Aber es kommt mehr Wasser nach als abfließt und die Pegel an den Sandsackbarrikaden steigen höher und höher. Es braucht zusätzliche Abflüsse.


Bangkok für Blade Runner: die Flut 2011. (Foto: KRA)

Zum einen soll daher der östliche Teil der Zehn-Millionen-Metropole geopfert werden, um zumindest die Innen- und Altstadt trocken halten zu können. Und zum anderen verlangt die Thai Regierung von Bangkoks Stadtverwaltung, alle Schleusen zu öffnen, um möglichst viel Wasser durch die Stadt zu führen. Das unter dem schönen Kürzel "Froc" bekannte Krisenmanagementzentrum der Regierung versichert allerdings, dass dies kontrolliert erfolge und nicht zu weiteren Überschwemmungen im Stadtgebiet führe.

Genau diese Zusicherung der Froc-Verantworlichen dürften viele Einwohner der Stadt der Engel aber als letzte Warnung begreifen. Zu oft haben die Behörden versichert das Industriegebiet XY sei sicher, nur um Stunden später dessen komplette Evakuierung anzuordnen. In einer aktuellen Umfrage bewerten die Thais die Glaubwürdigkeit der offiziellen Flutinformationen mit 3.08 von zehn Punkten.

Hinzu kommt, dass die nationale Regierung und die Stadtverwaltung von Bangkok gegeneinander arbeiten. Seit dem überwältigenden Wahlsieg von Yingluck Shinawatra ist Thailands Regierung "rot", während Bangkoks Bürgermeister zum "gelben" Lager gehört. Und das nationale Krisenmanagementzentrum Froc hat keine Weisungsbefugnis gegenüber Bangkoks Stadtverwaltung. Erschwerend kommt hinzu, dass das Wassermanagement ein Null-Summen-Spiel ist. Wenn ein Ort vor Überflutung geschützt wird, steht das Wasser andernorts umso höher. Im Fall von Bangkok tragen die benachbarten Provinzen die Hauptlast. Denn um die Stadt zu retten, wird das Umland geflutet.


Wozu ein SUV doch nützlich ist: Flut in Thailand. (Foto: KRA)

Wie groß die Schäden sind, wagt niemand mehr zu schätzen. Die Zahl der Todesopfer wird mittlerweile auf 320 geschätzt. Zwölf Industriegebiete mit 843 Fabriken und mehr als 370.000 Arbeitern stehen unter Wasser. Und selbst die Sicherheit des Flughafens ist fraglich. Besonders gefährdet ist hier ein Kerosinlager, das außerhalb des Flughafengeländes liegt. Eine weitere Sorge betrifft die Verschmutzung von Bangkoks Trinkwasser durch Chemikalien, die in den überfluteten Industriegebieten lagern.

Auch die Ankündigung der Armee, ihr Koordinationszentrum für die Flut an einen höher gelegenen Ort zu verlegen, ist wenig Vertrauen erweckend. Aber selbst der Besuch eines Supermarktes verstärkt den Eindruck, in einem Katastrophengebiet zu wohnen: Die Regale sind leergefegt und der Nachschub ist unsicher. Zuviele Verteilzentren und Straßen stehen unter Wasser. Der Norden des Landes ist schon seit Tagen von der Hauptstadt abgeschnitten. Kurzfristig ist das größte Problem aber ein Mangel an Booten. Denn wo noch vor Tagen Autos fuhren, ist heute ohne Boot kein Fortkommen mehr.

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