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CCS gefährdet das Wattenmeer

Studie des BUND: Verpressung unter dem Meeresboden ist potenziell genau so gefährlich wie an Land. Zudem gebe es rechtliche Bedenken. Bundesrat entscheidet am 23. September über das CCS-Gesetz.

Von Nick Reimer

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat davor gewarnt, in der Nordsee Projekte zur unterirdischen Verpressung von Kohlendioxid zu verfolgen. Die Anwendung der sogenannten "CCS-Technologie" (Carbon Capture and Storage) könne schwere ökologische Schäden bei der Fauna und Flora im Meer verursachen, sagte der Geologe Ralf Krupp am Freitag in Hamburg.


Fährt die Fähre nach Spiekeroog künftig über ein CCS-Endlager? (Foto: Michael Schulze von Glaßer)

Im Auftrag des BUND präsentierte Krupp das Gutachten "Risiken der Verpressung von Kohlendioxid unter der Nordsee". Ergebnis: Die Verpressung unter dem Meeresboden ist potenziell genau so gefährlich wie an Land. "Das Seerechtsübereinkommen verpflichtet die Unterzeichnerstaaten aber, Schäden oder Gefahren nicht von einem Gebiet in ein anderes zu verlagern oder eine Art der Verschmutzung nicht in eine andere umzuwandeln", heißt es in der Studie. Genau dies sei bei CCS aber vorgesehen, indem das Abfallprodukt Kohlendioxid örtlich verlagert und die Gefahren der Klimaerwärmung gegen die Gefahren der Zerstörung der Meeresumwelt ausgetauscht werden sollen. 

Die zwangsläufige Verdrängung großer Mengen saliner Formationswässer durch das eingelagerte Kohlendioxid hätte verheerende Folgen - für Meereslebewesen genau so wie für regionale Wirtschaftszweige wie die Fischerei und den Tourismus. Möglich seien auch Beeinträchtigungen des UNESCO-Welterbes Wattenmeer sowie Versalzungen von Trinkwasservorkommen an der Nordseeküste. Bedroht sei außerdem eine Vielzahl von Riffen und Sandbänken, die zu Natura-2000-Schutzgebieten gehörten.

Vattenfall möchte in der Mark Brandenburg testweise Kohlendioxid in tiefen Gesteinsschichten - sogenannten salinen Aquifern - verpressen. Dagegen regt sich bei den Anwohnern enormer Widerstand, was bei einer Verpressung unter dem Meeresboden naturgemäß nicht der Fall wäre. Die unterirdischen Speichermöglichkeiten im Osten Brandenburgs sind aber begrenzt, die im Meeresboden dagegen groß. Greenpeace hatte eine Karte mit jenen Standorten veröffentlicht, die laut Bundesanstalt für Geowissenschaften (BGR) als CO2-Endlager in Frage kommen.

Betroffen sind vor allem norddeutsche Regionen, vor allem Ostfriesland zieht die BGR demnach als Standort in Betracht: von Bremerhaven bis Oldenburg und Emden, unter den Inseln Spiekeroog und Langeoog. In Norddeutschland sind darüber hinaus das schleswig-holsteinische Wattenmeeer, der Ballungsraum Hamburg-Billstedt sowie Sittensen zwischen Hamburg und Bremen als mögliche Endlager in der Diskussion.

"Nachdem die Kohle-Lobby ihre CCS-Pläne an Land wohl begraben muss, rückt zunehmend das Meer für sie als Müllkippe in den Fokus", erklärt Oliver Krischer, Sprecher für Energie- und Ressourceneffizienz der Bündnisgrünen. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hatte in dieser Woche überraschend bekannt gegeben, auf CCS verzichten zu wollen. In einem Interview mit der Lausitzer Rundschau stellt der Ministerpräsident klar, dass es einen Alleingang von Brandenburg auf keinen Fall geben werde. Schleswig-Holstein und Niedersachsen hatten CCS zuvor bereits abgelehnt.


In der Brandenburger Kreisstadt Beeskow unterhält Vattenfall ein CCS-Informationszentrum. Hier sollen die Anwohner vom Sinn der Technologie überzeugt werden. (Foto: Reimer)

"CCS-Kraftwerke zur Stromerzeugung sind grundsätzlich nicht geeignet, um einen wirkungsvollen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten", sagt Krischer. Die Technologie sei frühestens 2025 einsatzbereit, bis dahin werde die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien schon wesentlich günstiger sein, als CCS-Kohlekraftwerke es jemals werden könnten.

Der BUND forderte vom Bundesrat das Gesetz zur Einführung der CCS-Technologie, das dort am 23. September auf der Agenda stehe, grundsätzlich abzulehnen. "Ein CCS-Gesetz, das den Schutz der Umwelt und der Menschen nicht gewährleisten kann, darf nicht verabschiedet werden", erklärte die BUND-Klimaexpertin Tina Löffelsend. Der BUND startet im Internet eine bundesweite Online-Protestaktion, bei der die Ministerpräsidenten der genannten Länder aufgefordert werden, im Bundesrat eine Ablehnung des CCS-Gesetzes herbeizuführen.


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